RKI-Risikobewertung
Einstufung
- unkritisch: Kontakt nur mit intakter Haut
- semikritisch A: Schleimhaut/krankhaft veränderte Haut, keine Hohlräume/schwer zugängliche Teile
- semikritisch B: Schleimhaut, mit Hohlräumen/schwer zugänglichen Teilen (z. B. Absaugkanülen, Turbinen, Hand-/Winkelstücke)
- kritisch A: Durchdringt Haut/Schleimhaut, keine Hohlräume
- kritisch B: Durchdringt Haut/Schleimhaut und Hohlräume/schwer zugänglich
(„kritisch C“: in der Zahnarztpraxis ohne Bedeutung).
Typische Beispiele
- Semikritisch A: Spiegel, Sonden, Pinzetten, Füllungsinstrumente (ohne Hohlräume)
- Semikritisch B: Turbinen, Hand-/Winkelstücke, Absaugkanülen, Zahnsteinentfernungsgerät
- Kritisch A: Küretten/Löffel, Instrumente für Chirurgie/Paro/Endo ohne Hohlräume
- Kritisch B: z. B. chirurgische Hohlkörper-Instrumente / Motoren etc.
1) Transport (kontaminationssicher)
Ziel: Keime/Blut/Speichel dürfen nicht in der Praxis verteilt werden (kein „verschleppen“).
Wie:
- Instrumente sofort nach der Behandlung sammeln
- in verschlossenem, durchstichfestem, desinfizierbarem Behälter
- Trennung: unreiner Bereich → Aufbereitungsraum
- Personal trägt Schutzkleidung (Handschuhe, MNS, Schutzbrille/Visier, Kittel)
Prüfer-Satz:
Der Transport erfolgt kontaminationssicher in einem geschlossenen Behälter in den unreinen Bereich, um Kreuzkontamination zu vermeiden.
Typische Fehler:
- Instrumente offen auf Tablett durch die Praxis tragen
- Behälter nicht verschließbar / nicht desinfizierbar
2) Abfallentsorgung
Ziel: Schutz vor Nadelstich-/Schnittverletzungen und richtige Entsorgung infektiöser Abfälle.
Wie:
- Einmalmaterialien sofort entsorgen
- Scharfe/spitze Gegenstände in stichfesten Behälter (Sharps-Box)
- Entsorgung so, dass niemand beim Nachdrücken/Stopfen verletzt wird
Prüfer-Satz:
Abfälle werden so entsorgt, dass eine Verletzung durch spitze Gegenstände sicher ausgeschlossen ist.
Typische Fehler:
- Kanülen recap ohne Technik
- Überfüllte Sharps-Box
3) Vorbereitung / Vorreinigung / Zerlegen
Ziel: Blut/Gewebe dürfen nicht antrocknen, weil das die Reinigung/Desinfektion massiv verschlechtert.
Wie:
- grobe Verschmutzungen sofort entfernen
- Vorreinigung z. B.:
- feuchtes Tuch / Einmal-Desinfektionstuch
- ggf. unter Wasser (spritzarm!)
- Zerlegen nach Herstellerangaben
- z. B. Küretten, Zangen, Hohlkörper-Teile, Hand-/Winkelstücke soweit vorgesehen
Prüfer-Satz:
Antrocknungen reduzieren die Wirksamkeit der nachfolgenden Schritte, deshalb erfolgt Vorreinigung zeitnah und Zerlegen nach Herstellerangaben.
Typische Fehler:
- Instrumente „erstmal liegen lassen“
- Zerlegen ignorieren → innen bleibt Schmutz
4) Reinigung + Desinfektion + Spülen + Trocknen
(ein Schritt – als Prozesskette!)
Ziel: Sauber + keimarm schaffen, bevor sterilisiert wird.
Sterilisation funktioniert nur, wenn vorher sauber.
A) Maschinell (RDG) – bevorzugt
Wie:
- RDG = Reinigungs- und Desinfektionsgerät (validierbar!)
- definierte Programme (Temp, Zeit, Chemie)
- für Hohlkörper/Hohlräume: Adapter/Spüldorne → Innenreinigung
- am Ende: Trocknung im Programm
Vorteil (prüfungsrelevant):
- reproduzierbar, validierbar, dokumentierbar → „Goldstandard“
B) Manuell (wenn maschinell nicht möglich)
Wie:
- Reinigung unter der Oberfläche (Spritzschutz!)
- Eintauchdesinfektion: richtig dosiert, Einwirkzeit + Standzeit beachten
- ggf. Ultraschallbad (nur als Unterstützung, ersetzt Reinigung nicht)
- danach gründlich spülen
- vollständig trocknen (wichtig für Sterilisation!)
Prüfer-Satz:
Reinigung und Desinfektion erfolgen vorzugsweise maschinell im RDG, weil es validierbar ist; anschließend werden die Instrumente gespült und vollständig getrocknet.
Typische Fehler:
- falsche Dosierung/Einwirkzeit
- RDG falsch beladen (Überladung)
- feucht in die Verpackung → später „nass“ = nicht freigabefähig
5) Kontrolle / Funktionsprüfung / Pflege
Ziel: Nur saubere, intakte, funktionierende Instrumente dürfen sterilisiert werden.
Wie:
- Sichtkontrolle: keine Beläge, keine Korrosion, keine Reste
- Funktionsprüfung: Scheren schneiden, Zangen greifen, Gelenke laufen
- Pflege/Ölen nur nach Vorgabe (v. a. Übertragungsinstrumente)
- Wenn Mängel:
- erneute Aufbereitung oder Aussortieren/Reparatur
- Dokumentation bei Defekt
Prüfer-Satz:
Nach der Reinigung erfolgt die Sicht- und Funktionskontrolle; fehlerhafte Instrumente werden dokumentiert und erneut aufbereitet oder ausgesondert.
Typische Fehler:
- „Sterilisiert = automatisch sauber“ (❌ falsch)
- beschädigte Verpackung später ignorieren
6) Verpackung (Sterilbarrieresystem)
Ziel: Sterilisation ermöglichen und Sterilität danach erhalten.
Wie:
- geeignete Systeme:
- Sterilbeutel (Papier/Folie)
- Container/Kassetten mit Filter
- Anforderungen:
- dampfdurchlässig
- validierbar (z. B. Siegelnaht beim Schweißgerät)
- Kennzeichnung:
- Inhalt, Datum, Charge/Verfahren, ggf. Verfalls-/Lagerfrist (praxisintern)
Prüfer-Satz:
Verpackt wird in ein geeignetes Sterilbarrieresystem, das die Sterilisation zulässt und die Sterilität bis zur Anwendung schützt.
Typische Fehler:
- Beutel zu voll → Dampf kommt nicht richtig rein
- Siegelnaht schlecht / nicht validiert
7) Sterilisation (Dampfsterilisation – Autoklav Typ B)
Ziel: Steril = keine vermehrungsfähigen Mikroorganismen mehr.
Wie:
- Standard in der Zahnarztpraxis: Dampfsterilisation
- Typen:
- B-Typ: fraktioniertes Vakuum → geeignet für Hohlkörper & verpacktes Sterilgut (Praxisstandard)
- N-Typ: nur unverpackt, keine Hohlkörper (meist nicht ausreichend)
- typische Parameter (je nach Programm/Hersteller):
- 134°C (Kurzprogramm) oder 121°C (lang)
Prüfer-Satz:
Sterilisiert wird im Autoklaven Typ B, da dieser Hohlkörper und verpacktes Sterilgut sicher sterilisiert.
Typische Fehler:
- falscher Autoklav-Typ für Hohlkörper
- Überladung → unzuverlässige Sterilisation
8) Chargenkontrolle + dokumentierte Freigabe
Ziel: Nachweis, dass diese Charge wirklich korrekt sterilisiert wurde.
Wie (3 Ebenen, sehr prüfungsrelevant):
- technische Kontrolle
- Protokoll/Display: Zeit, Temperatur, Druck, Verlauf
- chemische Indikatoren
- Indikatorstreifen, ggf. Helix-Test (für Hohlkörperprozesse)
- optische Kontrolle durch freigabeberechtigte Person
- Verpackung intakt?
- trocken? (keine Restfeuchte!)
- Indikator korrekt umgeschlagen?
Dokumentation:
- Steribuch/EDV: Charge, Datum, Programm, Ergebnis, Freigabe-Unterschrift
- Aufbewahrung je nach QM/Vorgabe (oft 5 Jahre)
Prüfer-Satz:
Nach der Sterilisation erfolgt die Chargenkontrolle und die dokumentierte Freigabe durch eine freigabeberechtigte Person – erst dann darf das Sterilgut verwendet werden.
Typische Fehler:
- „läuft durch → ist ok“ ohne Kontrolle
- nasse Packungen trotzdem freigeben (❌)
9) Hygienische Lagerung / Bereitstellung
Ziel: Steril bleibt steril bis zur Anwendung.
Wie:
- Lagerung:
- trocken, staubgeschützt, geschlossene Schränke/Schubladen
- keine Druckstellen, keine Feuchtigkeit
- Prinzip: FIFO (First in – first out)
- wenn Verpackung beschädigt/nass/abgelaufen:
- nicht mehr steril → neu aufbereiten
Prüfer-Satz:
Sterilgut wird staub- und feuchtigkeitsgeschützt gelagert und nach FIFO verwendet. Bei beschädigter Verpackung ist eine erneute Aufbereitung notwendig.
Typische Fehler:
- Sterilgut offen rumliegen lassen
- Beutel knicken/quetschen → Mikrorisse
🔥 Prüfungsantwort (perfekt auswendig)
„Die Aufbereitung erfolgt in neun Schritten: kontaminationssicherer Transport, Abfallentsorgung, Vorreinigung und Zerlegen, anschließend Reinigung–Desinfektion–Spülen–Trocknen vorzugsweise im RDG, dann Kontrolle und Funktionsprüfung, Verpackung in ein Sterilbarrieresystem, Sterilisation im Autoklaven Typ B, danach Chargenkontrolle mit dokumentierter Freigabe und schließlich hygienische Lagerung und Bereitstellung nach FIFO.“