
Lokalanästhesie in der Zahnmedizin
🧠 Definition :
Lokalanästhesie bezeichnet die reversible Blockade der Erregungsleitung in peripheren Nerven, wodurch eine schmerzfreie Behandlung in einem lokal begrenzten Bereich ermöglicht wird bei vollem Bewusstsein des Patienten.
⚙️ Wirkmechanismus :
Lokalanästhetika blockieren die spannungsabhängigen Natriumkanäle in der Nervenzellmembran.
Dadurch entsteht folgende Kaskade:
- Kein Natriumeinstrom
- Keine Depolarisation
- Kein Aktionspotenzial
- Keine Weiterleitung des Schmerzreizes
Der Nerv kann also keine Schmerzimpulse mehr zum Gehirn leiten.
🧠 Formulierung
Lokalanästhetika blockieren spannungsabhängige Natriumkanäle in der Nervenzellmembran. Dadurch wird die Depolarisation verhindert und die Weiterleitung von Schmerzimpulsen unterbrochen.
🧬 Wirkort des Lokalanästhetikums
Die Wirkung erfolgt an:
- der Nervenzellmembran
- den Ranvier’schen Schnürringen (bei markhaltigen Nervenfasern mit saltatorischer Erregungsleitung)
Hier sitzen die spannungsabhängigen Natriumkanäle, die durch das Lokalanästhetikum blockiert werden.
🧠 Reihenfolge der Nervenblockade (Differentialblockade)
Die verschiedenen Nervenfasern reagieren unterschiedlich empfindlich:
- C-Fasern → Schmerz, Temperatur → zuerst blockiert
- Aδ-Fasern → Schmerz, Temperatur
- Aβ-Fasern → Berührung, Druck
- Aα-Fasern → Motorik → zuletzt blockiert
📝 Merksatz
Zuerst werden die C-Fasern blockiert, die für Schmerz und Temperatur zuständig sind. Danach folgen die A-Delta-Fasern. Später werden die A-Beta-Fasern für Berührung und Druck beeinflusst, und zuletzt die A-Alpha-Fasern, die für die Motorik verantwortlich sind.
🧪 Abhängigkeit der Wirkung von Lokalanästhetika
| Faktor | Einfluss |
| pH-Wert desGewebes | bei saurem Milieu (z. B. Entzündung) ist Wirkung↓ |
| Lipidlöslichkeit | je lipophiler, desto potenter |
| Eiweißbindung | je höher, desto längere Wirkdauer |
| Gefäßversorgung | hohe Perfusion → schnellere Elimination |
*Lokalanästhetikum braucht eine bestimmte chemische Form, um in den Nerv zu gelangen. Im sauren Milieu kann es schlechter in die Nervenzelle eindringen.
📌 Zusammenfassung für die Prüfung
Lokalanästhetika blockieren spannungsabhängige Natriumkanäle der peripheren Nerven und unterbrechen so reversibel die Schmerzweiterleitung.
Besonders schmerzleitende C- und Aδ-Fasern werden zuerst blockiert, während motorische Aα-Fasern zuletzt betroffen sind.
💉 Ingredients (Inhaltsstoffe) eines Lokalanästhetikums
| Inhaltsstoff | Funktion | Beispiel |
| Lokalanästhetikum | Blockade der Na⁺-Kanäle → Schmerzleitung wird unterbrochen | Articain, Lidocain, Mepivacain |
| Vasokonstriktor | Gefäßverengung → langsamere Resorption, längere Wirkung, weniger Blutung | Adrenalin (Epinephrin) |
| Konservierungsmittel | Schutz des Vasokonstriktors vor Oxidation | Natriummetabisul fit |
| Pufferlösung | Stabilisierung des pH-Werts → bessere Gewebeverträglichkeit | Natriumhydroxid (NaOH) |
| Lösungsmittel | Trägersubstanz für die Injektion | Wasser für Injektionszwecke |
| Isotonie-Regler | Vermeidung von Zellschädigung durch osmotisches Ungleichgewicht | Natriumchlorid (NaCl) |
📌 Beispiel: Articain mit Adrenalin 1:200.000 (z. B. Ultracain® D-S forte)
| Inhaltsstoff | Menge pro 1,7 mlKarpule |
| Articain (4 %) | 68 mg |
| Adrenalin | 0,0085 mg |
| Natriummetabisulfit | ~0,5 mg |
| NaCl | ad 1,7 ml |
| Aqua ad injectabilia | Lösungsmittel |
Prüfungsantwort :
Ein Lokalanästhetikum besteht aus dem eigentlichen Wirkstoff wie Articain, einem Vasokonstriktor wie Adrenalin zur Wirkungsverlängerung, einem Konservierungsmittel wie Natriummetabisulfit, sowie Puffern und Wasser zur Stabilisierung und Injektion.
💉 Abschnitt 2: Arten & Wirkstoffe derLokalanästhetika (LA)
🔬 I. Klassifikation nach chemischer Struktur
| Hauptgruppen | Eigenschaften | Beispiele |
| Estertypen | selten verwendet, höhere Allergierate, kürzere Wirkung | Procain, Benzocain |
| Amidtypen | heute Standard in der Zahnmedizin, sicherer, stabiler | Articain, Lidocain, Mepivacain, Bupivacain |
Merksatz: „Amid = Alltag. Ester = Exoten.
💊 II. Wichtigste Lokalanästhetika in der Zahnmedizin
| Wirkstoff | Potenz | Wirkdauer | Vasokonstrktor nötig? | Bemerkung |
| Articain(Ultracain®) | hoch | mittel–lang(45–75 min) | Adrenalin1:200.000 | Standard in Dtl., sehrgewebegängig |
| Lidocain(Xylocain®) | mittel | mittel (ca.45 min) | meist mitAdrenalin | Klassiker weltweit |
| Mepivacain(Scandicain®) | mittel | mittel (30–60 min) | nein | gut für Kinder & bei AdrenalinKontraindik. |
| Bupivacain | sehrhoch | lang (bis240 min) | ja | für lange Eingriffe, mehrRisiko für Kardiotoxizität |
| Prilocain(Citanest®) | mittel | mittel (60–90 min) | nein | Met-Hb-Gefahr, seltenverwendet |
🩸 III. Bedeutung von Vasokonstriktoren (Adrenalin /Epinephrin)
Wirkung:
- • Verzögert Resorption des LA → längere Wirkung
- • Reduziert Blutung → bessere Übersicht
Standardkonzentration:
- • 1:200.000 (bei Articain)
- • 1:100.000 (bei Lidocain, in OP-Chirurgie beliebt)
Kontraindikationen für Adrenalin:
- • schwere KHK
- • unkontrollierte Hypertonie
- • schwere Arrhythmien
- • Phäochromozytom
- • Schilddrüsenüberfunktion
Alternative LA ohne Adrenalin:
→ Mepivacain oder Prilocain ohne Vasokonstriktor
Prüfungsformulierung (Beispiel):
In der zahnärztlichen Chirurgie verwende ich standardmäßig Articain mit 1:200.000 Adrenalin, da es eine hohe Gewebepenetration, gute Wirkung und eine kontrollierte Hämostase bietet. Bei Risikopatienten ohne Vasokonstriktor Toleranz greife ich auf Mepivacain zurück.
📌 Sonderfälle & Tipps:
| Patientengruppe | LA-Empfehlung |
| Schwangere (2. Trimenon) | Articain oder Lidocain mit Adrenalin |
| Kinder <6 Jahre | Mepivacain (keine Vasokonstriktoren) |
| Herz-Kreislauf Patienten | niedrig dosiertes Articain, möglichst ohne Vasokonstriktor oder engmaschige Überwachung |
| Antikoagulierte Patienten | Standard-LA, aber vorsichtig bei Leitungsanästhesie im UK (→ Hämatomrisiko) |
🔹 I. Übersicht: Anästhesietechniken in der Zahnmedizin
| Technik | Definition | Hauptanwendung |
| Infiltrationsan ästhesie | LA wird in die Nähe kleiner Nervenendigungen im Bereich des Fornix eingespritzt | Oberkiefer & Frontzähne |
| Leitungsanäst hesie (Block) | gezielte Injektion in Nähe eines Hauptnerven vor Aufzweigung | Unterkiefer, größere Regionen |
| Intraligamentä re Anästhesie | LA wird unter Druck in Desmodont gespritzt | Einzelzahnbetä ubung |
| Intraossäre Anästhesie | direkt in den Knochen gespritzt | selten, bei ReAnästhesie |
| Intrapulpäre Anästhesie | in die Pulpa bei endodontischen Eingriffen | bei akuter Pulpitis |
| Oberflächenan ästhesie | mit Spray oder Gel auf Schleimhaut | vor Punktion oder bei Kindern |
🦷 II. Infiltrationsanästhesie
- Ort: Oberkiefer (OK) – gut vaskularisiert, poröser Knochen
- Technik: Vestibulär, in Höhe der Wurzelspitze (apikal)
- Wirkdauer: 20–45 Minuten
- Indikation: OK-Zähne, Prämolaren/Front, Einzelzahneingriffe
- Besonderheit: bei OK-Backenzähnen oft zusätzlich palatinale Infiltration nötig
Prüfungsformulierung:
Ich injiziere vestibulär im Fornix apikal zur Wurzel des Zahns ggf. zusätzlich palatinalbei den Molaren.
🦷 III. Leitungsanästhesie (Nervenblock)
1. N. alveolaris inferior (UK)
- Einstichstelle: Foramen mandibulae → Lingula mandibulae
- Orientierung: Ramus anterior, Linea obliqua, Höhe Molaren
- Komponenten: N. lingualis, N. buccalis (separat!)
- Indikation: UK-Seitenzähne, große Eingriffe, Extraktionen
Risiken:
- Hämatom (A. maxillaris)
- Nervverletzung (N. lingualis!)
- intravasale Injektion → systemische Toxizität
Prüfungsformulierung:
Ich führe die Leitungsanästhesie des N. alveolaris inferior am Foramen mandibulae durch, achte auf Aspiration, und ergänze ggf. die Anästhesie des N. buccalis vestibulär.
2. N. infraorbitalis (OK-Block)
- Ort: Foramen infraorbitale (ca. 0,5 cm unterhalb Orbitarand)
- Zähne: OK-Front bis Prämolaren, Wange, Oberlippe
- Anwendung: bei Frakturen, mehreren Zähnen im Frontbereich
🦷 IV. Intraligamentäre Anästhesie
- Technik: unter Druck in Desmodontalspalt
- Ziel: Einzelzahnanästhesie, kurze Dauer
- Indikation: Kinder, Einzahnbehandlung, bei Kontraindikation für Block
- Risiko: Wurzelresorption bei häufigem Einsatz
Merksatz: „Für Einzelzahn – Desmodont ist dein Freund!
🧠 1. Definition
Leitungsanästhesie (Nervenblock) bedeutet:
Gezielte Injektion eines Lokalanästhetikums in unmittelbare Nähe eines größeren Nervs vor seiner Aufzweigung, um die Reizleitung in einem ganzen Versorgungsgebiet auszuschalten.
Vorteil: Größere Bereiche mit nur einer einzigen Injektion.
🔎 2. Anatomisch wichtige Leitungsanästhesien im Mund-Kiefer-Gesichtsbereich:
| Zielnerv | Anästhesiert | Hauptindikation |
| N. alveolaris inferior | Zähne UK 3–8, UK-Hälfte | Extraktionen, WSR |
| N. buccalis | Wangen-/vestibuläre Gingiva Molaren UK | chirurg. Eingriffe Molaren |
| N. lingualis | Linguale Gingiva + vordere 2/3 der Zunge | Schleimhautschnitt, Fäden |
| N. mentalis | Weichteile der Unterlippe, Kinn | kleine Weichteileingriffe |
| N. infraorbitalis | OK 1–5 + Gesicht (Oberlippe, Wange, Nase) | Frakturen, Trauma |
| N. palatinus major | Palatinale Gingiva Molaren/Prämolaren | Zysten, WSR OK |
| N. nasopalatinus | Palatinale Gingiva 1–1 | Schleimhautoperationen Gaumen |
🦷 3. Leitungsanästhesie des N. alveolaris inferior (klassischer UK-Block)
📌 Anatomie – Zielstruktur:
- Foramen mandibulae → Eintrittsort des Nerven in den Mandibularkanal
- Nähe der Lingula mandibulae
- Ramus mandibulae bildet Orientierung
🩺 Technik Schritt-für-Schritt (klassisch nach Fischer):
- Patient: leicht zurückgelehnt, Mund weit geöffnet
- Einstichstelle: ca. 1 cm über der Okklusionsebene, medial der R. mandibulae
- Orientierung: mit Daumen auf Incisura mandibulae, Einstich von gegenüberauf Höhe der Prämolaren
- Kanüle: lang (35 mm), z. B. gelb
- Eindringtiefe: ca. 20–25 mm
- Aspiration: obligatorisch (Gefahr A. maxillaris oder Plexus pterygoideus!)
- Injektion: 1,5–2 ml langsam
- Optional:
- 0,3 ml vestibulär für N. buccalis
- 0,3 ml lingual für N. lingualis
⏱️ Wirkdauer:
- Articain mit Adrenalin: 60–90 min
- Mepivacain (ohne Vasokonstriktor): 30–45 min
⚠️ 4. Komplikationen & Risiken
| Komplikation | Ursache | Vorbeugung |
| Hämatom | Gefäßpunktion (A. maxillaris) | immer aspirieren! |
| Nervverletzung | Trauma bei Penetration | korrekter Stichwinkel, keine Gewalt |
| Zungen- /Lippentaubheit | zu tiefe LA-Wirkung | normal, kann 2–4 h anhalten |
| Trismus | Reizung M. pterygoideus medialis | schonende Technik |
| toxische Reaktion | intravasale Injektion | langsame Gabe, vorher aspirieren! |
Prüfungsformulierung :
Ich führe die Leitungsanästhesie des Nervus alveolaris inferior im Bereich des Foramen mandibulae durch, mit dem Ziel, die gesamte Unterkieferhälfte einschließlich der Zähne von 3 bis 8 zu anästhesieren. Dabei achte ich auf die anatomischen Orientierungspunkte am Ramus mandibulae, aspirieren stets vor Injektion, und ergänze bei Bedarf die Blockade des N. buccalis und N. lingualis.
🧠 Zusätzliche Varianten der Leitungsanästhesie (z. B. bei schwieriger Anatomie):
- Gow-Gates-Technik: höherer Einstichpunkt, umfasst zusätzlich N.auriculotemporalis, N. mylohyoideus etc.
- Akinosi-Technik: bei Trismus möglich (geschlossener Mund)
🧠 Zusammenfassung für die Prüfung:
Im Oberkiefer bevorzuge ich die Infiltrationsanästhesie aufgrund der porösen Knochenstruktur. Im Unterkiefer ist meist eine Leitungsanästhesie des N. alveolaris inferior erforderlich. Für Einzelzahneingriffe besonders bei Kindern setze ich eine intraligamentäre Anästhesie ein.
✅ I. Indikationen für Lokalanästhesie
| Bereich | Typische Eingriffe |
| Konservierend | Kariesexkavation, Füllung, Wurzelkanalbehandlung |
| Chirurgisch | Zahnextraktion, WSR, Inzision, Zystektomie |
| Parodontal | Kürettage, Lappenoperation |
| Prothetisch | Präparation, Abformung (selten notwendig) |
| Kieferorthopädisch | Freilegung, Separieren |
| Diagnostisch | Schmerztest bei Verdacht auf odontogene Ursache |
Wichtig: Je nach anatomischem Gebiet → unterschiedliche LA-Technik (Infiltration,Block etc.).
🚫 II. Absolute Kontraindikationen (LA nichtanwenden!)
| Zustand | Begründung |
| Allergie gegen LA (v. a. Ester-Typen) | Gefahr eines anaphylaktischen Schocks |
| akute Entzündung an Injektionsstelle | ↓ Wirkung durch saures Gewebe-pH, erhöhte Ausbreitung |
| schwere Leberinsuffizienz (bei Amidtypen) | verminderter Metabolismus von z. B. Lidocain |
| Patient lehnt Aufklärung/Einwilligung ab | rechtlich nicht durchführbar |
⚠️ III. Relative Kontraindikationen (LA mit Vorsicht anwenden)
| Zustand | Maßnahmen |
| schwere Herzrhythmusstörungen / KHK | Adrenalin vermeiden, Mepivacain bevorzugen |
| Hypertonie, Phäochromozytom | Vasokonstriktoren meiden, engmaschige Überwachung |
| Epilepsie | kein Articain in hoher Dosis, immer Notfallmedikation bereithalten |
| SSW (1. Trimenon vermeiden) | besser 2. Trimenon mit Articain ± Adrenalin |
| Gerinnungsstörung / DOAK / Marcumar | keine UK-Blockanästhesie wegen Hämatomrisiko; Infiltration bevorzugt |
| Met-Hb-Risiko (z. B. bei Prilocain) | kein Prilocain bei Kindern oder G6PD-Mangel |
🧠 Besonderheiten bei Risikopatienten
| Patientengruppe | Anästhesieempfehlung |
| Schwangere (2. Trimenon) | Articain 1:200.000 mit Vorsicht, möglichst ohne Vasokonstriktor |
| Antikoagulierte | Nur Infiltration, keine Leitungsanästhesie im UK! |
| Diabetiker | Adrenalin möglichst vermeiden (Hyperglykämie!) |
| Herzpatienten | kurze Behandlung, Adrenalin reduzieren (max. 40 µg) |
| Kinder | Mepivacain ohne Vasokonstriktor bevorzugt |
Prüfungsformulierung (Beispiel):
Bei elektiven chirurgischen Eingriffen verwende ich in der Regel Articain mit Adrenalin 1:200.000. Bei Risikopatienten mit kardiovaskulären Erkrankungen oder Antikoagulation achte ich auf reduzierte Dosis, meide Vasokonstriktoren und ziehe alternative Techniken wie Infiltration oder intraligamentäre Anästhesie vor.
🔹 I. Grundlagen zur Dosierung
Die Dosierung von Lokalanästhetika erfolgt körpergewichtsbezogen und hängt vom Wirkstoff, Adrenalingehalt und Zielregion ab.
| Wirkstoff | Max. Dosis (mg/kg KG) | Absolute Maximaldosis | Dosis je 1,7 ml-Karpule (4 % = 68 mg) |
| Articain (4 %) | 7 mg/kg | ca. 500 mg | 68 mg |
| Lidocain (2 %) | 4,5 mg/kg | 300 mg | 34 mg |
| Mepivacain (3 %) | 5 mg/kg | 400 mg | 51 mg |
| Bupivacain (0,5 %) | 2 mg/kg | 150 mg | 8,5 mg |
| Prilocain (3 %) | 6 mg/kg | 400 mg | 51 mg |
Faustregel für Erwachsene:
- Articain: max. 7 Karpulen
- Lidocain: max. 8–10 Karpulen
👶 II. Dosierung bei Kindern (hohes Prüfungsrisiko!)
| Alter | Körpergewic ht | max. Karpulen Articain (4 %) |
| 3 Jahre | 15 kg | 1–1,5 Karpulen |
| 6 Jahre | 20 kg | ca. 2 Karpulen |
| 10 Jahre | 30 kg | 3 Karpulen |
| 14 Jahre | 45 kg | max. 4 Karpulen |
Nie überdosieren! → Gefahr: Krämpfe, Atemstillstand
Immer mit kurzem Kanülentyp, langsam injizieren und Aspiration beachten!
👩🍼 III. Wahl des LA in der Schwangerschaft
| Trimenon | Empfehlung |
| 1. Trimester | möglichst vermeiden, nur Notfall |
| 2. Trimester | Articain mit 1:200.000 Adrenalin |
| 3. Trimester | nur nach Rücksprache Gynäkologie, bevorzugt ohne Adrenalin |
Articain gilt als sicher in der SS (FDA-Kategorie C in USA, aber in D etabliert).
❤️ IV. Wahl bei Risikopatienten
| Risikopatient | Empfohlenes LA | Besonderheit |
| Herzinsuffizienz, KHK | Mepivacain (ohne Vasokonstriktor) | Adrenalin vermeiden |
| Gerinnungsstörung / DOAK | Infiltration mit Articain | keine UK Blockanästhesie |
| Leberinsuffizienz | Articain (renal eliminiert!) | Lidocain meiden |
| Epilepsie | keine hohe Dosis, kein Bupivacain | Notfallmedikamente bereit |
| Methämoglobinämie | kein Prilocain | Risiko Met-Hb-Krise |
Prüfungsformulierung:
Bei Erwachsenen verwende ich für Routineeingriffe Articain in einer Dosis von maximal 7 mg/kg. Bei Kindern dosiere ich streng gewichtsabhängig und begrenze die Anzahl der Karpulen entsprechend. Bei Risikopatienten wie Herzkranken oder Gerinnungsgestörten bevorzuge ich vasokonstriktorfreie Lokalanästhetika wie Mepivacain.
🔥 I. Lokale Komplikationen
| Komplikation | Ursache | Symptomatik | Therapie |
| Hämatom | Gefäßverletzung (v. a. A. maxillaris) | Schwellung, Bluterguss | Kompression, ggf. Kühlung |
| Infektion | unsaubere Technik, Vorschaden | Schmerz, Rötung, Eiter | AB, ggf. Inzision |
| Trismus | Reizung M. pterygoideus medialis | Kieferklemme, Schmerzen | Wärme, NSAR, Physio |
| Nervverletzung | direkte Kanülentrauma (v. a. N. lingualis) | Parästhesie, Dysästhesie | Kortison, Verlaufskontrolle |
| Weißes Areal / Ischämie | Vasokonstriktor in Schleimhaut | Blasse, taube Stelle | reversibel, keine Therapie nötig |
| Abszessbildung | selten | Druck, Fluktuation | Inzision, Drainage |
⚠️ II. Allgemeine (systemische) Komplikationen
1. Toxische Reaktion (LA-Intoxikation)
meist durch intravasale Injektion oder Überdosierung
Frühzeichen:
- metallischer Geschmack, Schwindel, Tinnitus
- Muskelzittern, Unruhe
Spätzeichen:
- Krämpfe (tonisch-klonisch)
- Bewusstlosigkeit
- Atemstillstand / Kreislaufstillstand
Therapie:
- Injektion sofort stoppen
- Sauerstoffgabe
- Notarzt rufen
- Lipid-Infusion (z. B. Intralipid®)
- BZ-Kontrolle, ggf. Glukose
- ggf. Antikonvulsiva (z. B. Diazepam i.v.)
2. Allergische Reaktion (selten bei Amid-Typen)
| Grad | Symptome | Maßnahmen |
| Grad I | Hautausschlag, Juckreiz | Antihistaminikum p.o. |
| Grad II | Übelkeit, Atemnot | i.v. Antihistaminikum, Cortison |
| Grad III–IV | Anaphylaxie, Schock | i.m. Adrenalin, O2, Notarzt |
❗ III. Spezielle Notfälle
| Situation | Ursache | Management |
| Krampfanfall | toxische LA-Wirkung | Lagerung, Sauerstoff, Diazepam |
| Atemstillstand | Intoxikation, vagale Reaktion | Beatmung, Notfallteam |
| Synkope | Vasovagale Reaktion | flach lagern, Beine hoch, O2 |
| Methämoglobinämie | v. a. bei Prilocain | Zyanose trotz O2 → Antidot: Methylenblau |
Prüfungsformulierung (z. B. toxische Reaktion):
Bei intravasaler Injektion kann es zu neurologischen Frühsymptomen wie Schwindel und metallischem Geschmack kommen, gefolgt von Krampfanfällen oder Kreislaufstillstand. Ich reagiere sofort durch Behandlungsabbruch, Sauerstoffgabe, Notruf und ggf. Lipidinfusion.
🎤 1. Grundlagenfrage:
Frage: Erklären Sie bitte den Wirkmechanismus der Lokalanästhesie.
Antwort : Lokalanästhetika blockieren spannungsabhängige Natriumkanäle in der Nervenzellmembran. Dadurch wird die Depolarisation verhindert und die Weiterleitung von Schmerzimpulsen unterbrochen – die Wirkung ist reversibel und örtlich begrenzt.
Kommentar: Klarer Mechanismus, präzise Formulierung – sehr prüfungstauglich.
Frage: Ein Patient mit KHK und Marcumar-Therapie benötigt eine Extraktion. Welche Lokalanästhesie wählen Sie?
Antwort : Ich würde eine vestibuläre Infiltrationsanästhesie mit Articain ohne Adrenalin durchführen. Eine Leitungsanästhesie im Unterkiefer vermeide ich aufgrund des Hämatomrisikos unter Antikoagulation. Zusätzlich überprüfe ich den INR-Wert vor dem Eingriff.
Kommentar: Praxisgerecht, gute Risikoabwägung, Medikamentenwahl korrekt.
Frage: Wie führen Sie eine Leitungsanästhesie des Nervus alveolaris inferior durch?
Antwort : Ich orientiere mich an der Incisura mandibulae und injiziere ca. 1 cm oberhalb der Okklusionsebene auf Höhe der Prämolaren des gegenüberliegenden Quadranten. Die Kanüle führe ich 20–25 mm tief ein, aspiriere und injiziere dann 1,5–2 ml langsam. Zusätzlich kann ich den N. lingualis und N. buccalis blockieren.
Kommentar: Technisch korrekt, räumlich orientiert, sehr gute Beschreibung.
Frage: Ein Patient entwickelt nach LA-Injektion Krämpfe und Bewusstlosigkeit. Was tun Sie?
Answer : Ich stoppe sofort die Injektion, lagere den Patienten flach, verabreiche Sauerstoff und rufe den Notarzt. Bei Krampfanfällen kann ich Diazepam i.v. geben. Falls verfügbar, beginne ich eine Lipidinfusion zur Behandlung der LA-Intoxikation.
Kommentar: Sehr gute Notfallstruktur, prüfungsreif!
Frage : Wie viele Karpulen Articain dürfen Sie einem 30 kg schweren Kind maximal geben?
(Articain 4 %, 68 mg pro Karpule)
Antwort : Die maximale Dosis beträgt 7 mg pro kg, also 210 mg bei 30 kg. Eine Karpule enthält 68 mg, das ergibt maximal 3 Karpulen.
Kommentar: Exakte Rechenlogik – top.
Frage : Nennen Sie absolute und relative Kontraindikationen für Lokalanästhesie?
Antwort : Absolute Kontraindikationen sind eine bekannte Allergie gegen Lokalanästhetika oder eine akute Infektion an der Injektionsstelle. Relative Kontraindikationen sind z. B. schwere Herzrhythmusstörungen, Gerinnungsstörungen oder eine Schwangerschaft im ersten Trimenon.
Frage : Warum wird Adrenalin häufig einem Lokalanästhetikum zugesetzt?
Antwort : Adrenalin wirkt vasokonstriktorisch, wodurch die Resorption des Lokalanästhetikums verlangsamt wird. Das verlängert die Wirkungsdauer, senkt die systemische Toxizität und reduziert intraoperative Blutungen.