
Dysgnathiechirurgie & skelettale Fehlstellungen
1. Definition
Dysgnathien sind skelettale Fehlstellungen der Kieferbasen, bei denen Lage, Größe oder Relation von Maxilla und Mandibula zueinander oder zur Schädelbasis pathologisch verändert sind.
➡️ Entscheidend:
Nicht die Zahnstellung, sondern das knöcherne Fundament ist gestört.
(Das ist ein klassischer Prüfungs-Merksatz.)
2. Ätiologie (prüfungsrelevant)
Häufige Ursachen:
- genetische Wachstumsstörungen
- funktionelle Einflüsse (Mundatmung, Zungenfehlfunktion)
- frühkindliche Habits
- posttraumatische Wachstumsstörungen
- selten: Tumoren, Syndrome
👉 Merke für KP:
Dysgnathien sind meist wachstumsbedingt, nicht erworben.
3. Klassifikation der skelettalen Fehlstellungen
3.1 Sagittale Fehlstellungen (am wichtigsten!)
| Klasse | Skelettales Problem | Klinik |
|---|---|---|
| Klasse II | Mandibuläre Retrognathie oder maxilläre Prognathie | Distalbiss, fliehendes Kinn |
| Klasse III | Mandibuläre Prognathie oder maxilläre Retrognathie | Progenie, umgekehrter Overjet |
👉 Prüfungstrick:
Immer skelettal formulieren, nicht nur „Progenie“.
3.2 Vertikale Fehlstellungen
- offener Biss (anterior / posterior)
- Tiefbiss
- Long-Face-Syndrom
- Short-Face-Syndrom
Klinisch relevant wegen:
- Kaukraft
- Kiefergelenk
- Rezidivgefahr
3.3 Transversale Fehlstellungen
- Maxilläre Transversaldefizite
- Kreuzbiss
- Asymmetrien
➡️ häufig kombiniert mit sagittalen Fehlstellungen.
4. Klinische Zeichen (Prüfung = Blickdiagnose!)
Extraoral:
- Gesichtsasymmetrie
- Profilveränderung
- Kinnabweichung
- Lippeninkompetenz
Intraoral:
- negativer / positiver Overjet
- Kreuzbiss
- offener Biss
- Okklusionsstörungen
👉 KP-Merksatz:
Dysgnathien sind immer Gesichts- UND Okklusionsprobleme.
5. Diagnostik (sehr häufige Prüfungsfrage)
Klinisch:
- Gesichts- & Profilanalyse
- Funktionsanalyse
- Okklusionsanalyse
Radiologisch:
- FRS (Fernröntgenseitenbild) → Goldstandard
- OPG zur Übersicht
- ggf. Modelle / Modelloperation
➡️ FRS ist prüfungsentscheidend.
6. Therapieprinzip (extrem prüfungsrelevant)
Grundregel:
Keine Dysgnathiechirurgie ohne Kieferorthopädie.
Phasen:
- Präoperative KFO
- Operative Korrektur
- Postoperative Feineinstellung (KFO)
7. Operative Standardverfahren
7.1 Oberkiefer
Le-Fort-I-Osteotomie
- Verlagerung der Maxilla
- vertikal / sagittal / transversal
7.2 Unterkiefer
BSSO (bilaterale sagittale Spaltosteotomie)
- Standard bei mandibulären Dysgnathien
7.3 Kinn
Genioplastik
- funktionell oder ästhetisch
👉 KP-Tipp:
Nur Prinzip + Ziel, keine OP-Details.
8. Komplikationen
Früh:
- Blutung
- Schwellung
- Infektion
- Sensibilitätsstörungen (N. alveolaris inf.)
Spät:
- Rezidiv
- Okklusionsprobleme
- Kiefergelenkbeschwerden
9. Rolle des Zahnarztes (Praxis & Prüfung!)
Vor OP:
- Früherkennung
- Überweisung
- Sanierung (Karies, PAR)
Nach OP:
- Kontrolle der Okklusion
- Prothetische Planung
- Langzeitbetreuung
👉 Prüfungssatz:
Der Zahnarzt ist Koordinator, nicht Operateur.
10. Typische KP-Prüfungsfragen (Originalniveau)
- Was ist eine Dysgnathie?
- Unterschied dentoalveolär vs. skelettal?
- Welche OP bei Klasse III?
- Warum präoperative KFO?
- Häufigste Komplikation nach BSSO?