Lokalanästhesie – Diagnostische Fälle & Prüfungsfragen

Lokalanästhesie – Diagnostische Fälle & Prüfungsfragen

Prüfungsnahes Training im Card-Layout: Szenario → Fragen → Hinweis → Lösung (ohne JS, mit Accordion).

🧠 Fokus: KP-Musterantworten + klinische Begründung 🧩 Struktur: Basis · Risikopatienten · Notfall · Dosierung ✅ Tipp: erst beantworten, dann „Hinweis“/„Lösung“ öffnen

A) Basis/Technik

Technikwahl im Unterkiefer + Entzündungsmilieu + Wirkmechanismus (ionisiert/nicht-ionisiert).

Fall 1 UK Abszess Inzision
⏱️ 90s · Level Basis
Szenario

42-jähriger Patient, starke Schmerzen an Zahn 36. Perkussion stark positiv, vestibuläre Schwellung, Verdacht: akuter apikaler Abszess. Inzision geplant.

Fragen Beantworte zuerst – dann Hinweis/Lösung öffnen
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Denke an dichte UK-Kortikalis (Diffusion ↓) und an das saure Entzündungsmilieu (nicht-ionisierte Form ↓).
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KP-Satz: Bei Zahn 36 wähle ich eine Leitungsanästhesie des N. alveolaris inferior nach Halsted, da im Unterkiefer aufgrund der dichten Kortikalis eine reine Infiltration oft nicht ausreichend ist. Zusätzlich ergänze ich eine bukkale Infiltration.

Begründung
  • Unterkiefer: dichte Kortikalis → Diffusion des LA zur Nervstruktur eingeschränkt.
  • Akute Entzündung: saures Milieu → Wirksamkeit des LA reduziert.
  • Für Inzision/Drainage häufig ausreichende Analgesie + gezielte Ergänzung sinnvoll.
Merksatz: Entzündung = pH ↓ → nicht-ionisierte Form ↓ → Wirkung ↓.
Alternative (wenn IANB unzureichend)
  • Intraligamentär oder intraossär ergänzen.
  • Gow-Gates-Blockade als Alternative/Erweiterung.
Cave / typischer Fehler
  • Zu schnelle Injektion/fehlende Aspiration → intravasale Applikation/Intoxikationsrisiko.
  • Bei stark entzündetem Gewebe nicht „nachspritzen bis es wirkt“, sondern Technik wechseln.
Fall 2 Pharmako Entzündung pH
⏱️ 60s · Level Basis
Szenario

Du behandelst im entzündeten Gewebe. Warum kann die LA trotz korrekter Technik schlechter wirken?

Q2: Warum wirkt das Lokalanästhetikum im sauren Milieu schlechter? Mechanismus (ionisiert vs nicht-ionisiert)
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Nur die nicht-ionisierte (ungeladene) Form kann die lipophile Nervmembran passieren.
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KP-Satz: Lokalanästhetika sind schwache Basen; im sauren Milieu liegen sie vermehrt ionisiert vor, sodass weniger Wirkstoff als nicht-ionisierte Form in den Nerv gelangt.

Begründung
  • Saures Entzündungsmilieu → Gleichgewicht Richtung ionisierte Form.
  • Nur die nicht-ionisierte, ungeladene Form diffundiert durch die Nervmembran.
  • Weniger LA im Axon → Analgesie abgeschwächt.
Merksatz: pH ↓ → Ionisation ↑ → Membranpassage ↓ → Wirkung ↓.
Cave
  • Bei Entzündung eher Technik/Ort anpassen (Blockade/IO/PDL) statt immer mehr Volumen.
Fall 3 Pharmako Na-Kanal Merksatz
⏱️ 60s · Level Basis
Szenario

Wenn nur die nicht-ionisierte Form in den Nerv gelangt – warum brauchen wir dann überhaupt die ionisierte Form?

Q3: Nicht-ionisiert vs ionisiert – wozu braucht man die geladene Form? Membranpassage vs Kanalblockade
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Zwei Schritte: Membran passieren (ungeladen) → Kanal blockieren (geladen, intrazellulär).
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KP-Satz: Die nicht-ionisierte Form ist nötig, um die lipophile Nervmembran zu durchdringen; intrazellulär wird sie protoniert zur ionisierten Form, die dann den spannungsabhängigen Natriumkanal von innen blockiert.

Begründung
  • Ungeladen → diffundiert durch Membran → gelangt ins Axon.
  • Im Axon: Protonierung → geladen.
  • Geladen bindet an Na-Kanal → Blockade → keine Erregungsleitung.
Merksatz: Ungeladen = kommt rein. Geladen = blockiert den Kanal.
Cave
  • Bei Entzündung verschiebt sich Gleichgewicht schon außerhalb – dadurch weniger „kommt rein“.

B) Risikopatienten

KHK/ASS, Schwangerschaft, DOAK, Leberinsuffizienz – Auswahl des LA, Adrenalin, Blutungs-/Hämatomrisiko.

Fall 4 KHK Stent ASS Adrenalin
⏱️ 120s · Level Pro
Szenario

68-jähriger Patient, Extraktion 47. Anamnese: KHK, Stent vor 2 Jahren, ASS 100 mg, RR gut eingestellt, keine Angina aktuell.

Fragen a–c LA-Wahl · Adrenalin-Dosis · Risiken
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Stabiler KHK-Patient: Adrenalin möglich, aber niedrige Konzentration und geringe Gesamtmenge; langsam injizieren + Aspiration.
✅ Lösung anzeigen Aufklappen

KP-Satz: Bei stabil eingestellter KHK führe ich eine Leitungsanästhesie mit Articain 1:200.000 durch und verwende Adrenalin nur in möglichst geringer Menge.

Begründung
  • 1:200.000 reduziert systemische Katecholaminspitzen im Vergleich zu 1:100.000.
  • Adrenalin verbessert Anästhesietiefe/Blutungsarmut – aber bei KHK vorsichtig dosieren.
  • Langsam injizieren, konsequent aspirieren → intravasal vermeiden.
Merksatz: KHK: „So wenig Adrenalin wie möglich – so viel wie nötig.“
Maximale Dosis (wie angegeben)
  • Max. 40 µg Adrenalin ≙ ca. 4–5 Karpulen (klinisch meist weniger).
Risiken
  • Blutdruckanstieg, Tachykardie
  • Myokardischämie durch O₂-Bedarf ↑
  • Arrhythmietrigger bei Katecholaminspitzen
Cave / typischer Fehler
  • Unbedachte hohe Volumina 1:100.000 → unnötige Herzbelastung.
  • Keine Aspiration → intravasale Injektion → akute Tachykardie/Angst.
Q5: ASS 100 mg – Leitungsanästhesie vermeiden? Blutungsrisiko vs klinische Beherrschbarkeit
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ASS 100 erhöht Blutungsneigung moderat, ist aber i.d.R. keine Kontraindikation für IANB. Entscheidender: atraumatisch + komprimierbar?
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KP-Satz: ASS 100 mg ist keine Kontraindikation für eine Leitungsanästhesie im Unterkiefer; das Blutungsrisiko ist moderat erhöht und klinisch beherrschbar.

Begründung
  • ASS 100 = Thrombozytenaggregationshemmung, aber meist keine relevanten tiefen Hämatome bei korrekter Technik.
  • Wichtig: sorgfältige Aspiration und atraumatische Injektion.
Merksatz: ASS 100: Technik sauber – nicht pauschal meiden.
Cave
  • Bei zusätzlicher Antikoagulation/DOAK gelten andere Risiken (tiefe, nicht komprimierbare Räume).
Fall 6 Schwangerschaft 2. Trimenon OK Pulpitis
⏱️ 120s · Level Pro
Szenario

29-jährige Patientin, 22. SSW (2. Trimenon), starke Schmerzen Zahn 26. Diagnose: irreversible Pulpitis. WKB notwendig.

Fragen a–c LA-Wahl · Adrenalin ja/nein · Grundregeln
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2. Trimenon = bestes Zeitfenster. Wichtig: Stress/Schmerz vermeiden, kurze Termine, gute Lagerung, geringe Adrenalinmenge.
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KP-Satz: Im 2. Trimenon führe ich eine vestibuläre Infiltrationsanästhesie mit Articain 1:200.000 durch; es ist das sicherste Zeitfenster, da die Organogenese abgeschlossen ist und teratogene Risiken reduziert sind.

Begründung
  • OK: gute Diffusion → Infiltration meist ausreichend.
  • 2. Trimenon: günstigster Zeitraum für notwendige Eingriffe.
  • Schmerz/Stress vermeiden (mütterliche Katecholamine sind ebenfalls ungünstig).
Merksatz: Schwangerschaft: „So kurz wie möglich – so sicher wie nötig.“
Cave / typischer Fehler
  • Keine lange Rückenlage im späteren Verlauf (Vena-cava-Syndrom).
  • Unnötige Eingriffe verschieben – notwendige Behandlungen nicht aufschieben.
Mini-DD (bei Schwindel/Blässe)
  • Vasovagal vs Vena-cava-Kompression (siehe Fall 7).
Fall 7: Schwindel/Blässe in Rückenlage Ursache + Sofortmaßnahme
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Uterus drückt V. cava inferior → venöser Rückstrom ↓ → HZV ↓. Lösung: Linksseitenlage / Oberkörper hoch.
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KP-Satz: Das spricht für ein Vena-cava-Kompressionssyndrom: Der Uterus komprimiert die V. cava inferior, der venöse Rückstrom sinkt und das Herzzeitvolumen nimmt ab.

Sofortmaßnahme
  • Patientin in Linksseitenlage bringen oder Oberkörper hochlagern.
  • Beruhigen, Vitalparameter kontrollieren, kurze Pause.
Merksatz: Schwangere + Rückenlage + Schwindel → erst Lagerung ändern.
Cave
  • Abgrenzen gegen vasovagale Synkope (Trigger Angst/Schmerz) – Maßnahmen ähnlich: flach/Beine hoch, O₂ bei Bedarf.
Fall 8 DOAK Apixaban UK Hämatom
⏱️ 120s · Level Pro
Szenario

74-jähriger Patient, Extraktion 36. Vorhofflimmern, Apixaban (DOAK), RR stabil, kein aktueller INR-Wert.

Fragen a–b Technikwahl + DOAK pausieren?
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DOAK + IANB: tiefes, nicht komprimierbares Gewebe → Pterygoidalraum-Hämatom möglich (Atemwegsrisiko).
✅ Lösung anzeigen Aufklappen

KP-Satz: Unter DOAK vermeide ich im Unterkiefer möglichst eine Leitungsanästhesie, weil ein Hämatom in tiefen, schlecht komprimierbaren Räumen entstehen kann. Ich bevorzuge eine vestibuläre Infiltrationsanästhesie mit Articain.

Begründung
  • IANB: Risiko eines tiefen Hämatoms (z. B. Pterygoidalraum) → im Extremfall Atemwegsgefährdung.
  • Infiltration ist oberflächlicher/komprimierbarer.
Merksatz: DOAK: „Tiefe Blockaden im UK nur wenn zwingend – sonst oberflächlich.“
DOAK pausieren?
  • Bei kleineren oralchirurgischen Eingriffen in der Regel nicht pausieren; ggf. ärztliche Rücksprache.
Cave
  • Immer lokale Hämostase planen (Naht, Tamponade, Aufbiss, TXA je nach Schema).
Fall 13 Leberzirrhose Child B Metabolismus
⏱️ 90s · Level Pro
Szenario

60-jähriger Patient mit ausgeprägter Leberzirrhose (Child B) benötigt eine Extraktion.

Q13: Geeignetes LA – und warum? Plasmaesterasen vs hepatischer Metabolismus
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Entscheidend ist der Abbauweg: Articain wird zu einem großen Teil durch Plasmaesterasen metabolisiert.
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KP-Satz: Bei Leberinsuffizienz bevorzuge ich Articain, da es trotz Amidgruppe überwiegend durch Plasmaesterasen metabolisiert wird und weniger von der Leberfunktion abhängt.

Begründung
  • Articain: Estergruppe → zusätzlicher Abbau via Plasmaesterasen.
  • Lidocain/Bupivacain: primär hepatischer Metabolismus → Risiko bei Zirrhose ↑.
Merksatz: Leber krank → lieber „Esterase-freundlich“ (Articain), sonst Dosis ↓.
Cave
  • Immer Gesamtdosis niedrig halten und langsam injizieren; Aspiration obligat.

C) Komplikationen/Notfall

Intravasale Injektion, Intoxikation, Krampfanfall, Epilepsie – Erkennen & Handeln (Step-by-step).

Fall 9 Adrenalin intravasal Tachykardie
⏱️ 75s · Level Basis
Szenario

Du injizierst Articain 1:100.000. Nach 30 Sekunden: Herzklopfen, Zittern, Angst, RR steigt.

Fragen a–b Ursache + Sofortreaktion
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Denk an intravasal (sehr schneller Effekt). Immer: stoppen + beruhigen + kontrollieren.
✅ Lösung anzeigen Aufklappen

KP-Satz: Am wahrscheinlichsten ist eine intravasale Adrenalinapplikation mit schnellem systemischem Effekt; differentialdiagnostisch kommt eine Stress-/Angstreaktion in Frage.

Begründung
  • Sehr schneller Beginn nach Injektion spricht für intravasal.
  • Typisch: Palpitationen, Tremor, Angst, RR-Anstieg.
Merksatz: „30 Sekunden-Tachykardie“ nach LA = zuerst intravasal denken.
Sofortmaßnahmen
  • Injektion sofort stoppen
  • Patient beruhigen, hinsetzen/lagern
  • Vitalparameter kontrollieren
  • Sauerstoff bei Bedarf, beobachten
Cave
  • Konsequente Aspiration + langsame Injektion zur Prävention.
Fall 11 Intoxikation Frühzeichen Metallisch
⏱️ 90s · Level Pro
Szenario

Während einer Leitungsanästhesie: „Ich schmecke Metall… mir ist schwindelig.“

Fragen a–b Was denken? Was sofort tun?
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„Metallischer Geschmack“ + Schwindel = Frühzeichen systemischer LA-Wirkung. Sofort stoppen.
✅ Lösung anzeigen Aufklappen

KP-Satz: Das ist eine klassische Frühwarnung für eine Lokalanästhetika-Intoxikation, häufig durch intravasale Injektion.

Frühsymptome
  • metallischer Geschmack, Tinnitus
  • Schwindel, Unruhe
Merksatz: Metallisch + Schwindel = sofort stoppen.
Sofortmaßnahmen
  • Injektion stoppen
  • Patient flach lagern, ggf. Beine hoch
  • Sauerstoff, Vitalparameter
  • Notfallbereitschaft
  • Bei Krampf: Diazepam
  • Bei Kreislaufstillstand: Reanimation + Lipidinfusion
Cave
  • Nie weiter injizieren, wenn Frühzeichen auftreten.
Fall 12 Epilepsie WSR Aspiration
⏱️ 120s · Level Pro
Szenario

32-jähriger Patient mit bekannter Epilepsie benötigt eine Wurzelspitzenresektion.

Fragen 1–2 LA wählen + was eher vermeiden?
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Ziel: Intoxikation vermeiden (langsam + Aspiration) und Notfallmedikation bereithalten.
✅ Lösung anzeigen Aufklappen

KP-Satz: Bei Epilepsie verwende ich ein LA in niedriger Dosierung, z. B. Articain 1:200.000, injiziere langsam mit Aspiration und halte Notfallmedikation wie Diazepam bereit.

Begründung
  • Reduzierte Dosis + langsame Injektion senkt systemische Spitzen.
  • Aspiration verhindert intravasale Applikation.
  • Notfallmanagement vorbereitet (Krampf).
Merksatz: Epilepsie: „Dosis klein, langsam, aspirieren – Diazepam griffbereit.“
Eher vermeiden
  • Bupivacain (höhere neuro-/kardiotoxische Potenz) – sofern Alternativen möglich.
Cave
  • Stress/Hyperventilation können Krampf triggern → ruhige Atmosphäre, kurze Pausen.
Fall 15 Krampfanfall Intoxikation ERC Lipid
⏱️ 150s · Level Pro
Szenario

Während einer Leitungsanästhesie: tonisch-klonische Krämpfe, Bewusstlosigkeit.

Fragen 1–2 Ursache + Sofortmaßnahmen Schritt-für-Schritt
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Denke an die Reihenfolge: StoppenSchützenAtemwege/O₂NotrufBenzodiazepin → ggf. ERC + Lipid.
✅ Lösung anzeigen Aufklappen

KP-Satz: Die wahrscheinlichste Ursache ist eine Lokalanästhetika-Intoxikation (meist intravasale Injektion, Überdosierung oder schnelle Resorption). Ich stoppe sofort, sichere den Patienten, gebe Sauerstoff und rufe den Notarzt.

Frühzeichen / Spätzeichen
  • Früh: metallischer Geschmack, Tinnitus, Unruhe
  • Spät: tonisch-klonische Krämpfe, Atemstillstand, Kreislaufstillstand
Merksatz: LA-Intox: früh „metallisch“ – spät „Krämpfe/Stillstand“.
Sofortmaßnahmen Schritt-für-Schritt
  • 1) Injektion sofort stoppen
  • 2) Patient sichern: flach lagern, Kopf schützen, nichts in den Mund
  • 3) Atemwege sichern: O₂ 4–6 L/min, Vitalparameter
  • 4) Notruf
  • 5) Bei anhaltenden Krämpfen: Diazepam i.v. oder Midazolam
  • 6) Bei Kreislaufstillstand: Reanimation nach ERC, ggf. Lipid-Infusion (Intralipid®) („Lipid-Sink“)
Cave
  • Prävention: Aspiration + langsame Injektion + Dosisberechnung.
Fall 16 Vasovagal Synkope Differenzial
⏱️ 75s · Level Basis
Szenario (Ergänzung)

Nach der Injektion wird der Patient plötzlich blass, schwitzt kalt, klagt über Übelkeit, Puls eher langsam, RR fällt.

Fragen Was ist das wahrscheinlich? Was tun Sie?
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💡 Hinweis Aufklappen
Bradykardie + RR↓ + Übelkeit + Kaltschweiß = eher vasovagal (nicht Adrenalin).
✅ Lösung anzeigen Aufklappen

KP-Satz: Das passt am ehesten zu einer vasovagalen Synkope (Angst/Schmerztrigger). Ich lagere den Patienten flach, hebe die Beine an und überwache die Vitalparameter.

Begründung
  • Parasympathikusdominanz → RR↓, Puls↓, Übelkeit, Kaltschweiß.
Merksatz: Vasovagal = „blass, kalt, langsam“.
Sofortmaßnahmen
  • Flach lagern, Beine hoch, enge Kleidung lösen
  • Beruhigen, frische Luft, ggf. O₂
  • Vitalparameter kontrollieren, erst weiterbehandeln wenn stabil
Cave
  • Abgrenzen gegen LA-Intox (neurologische Symptome) und Adrenalinreaktion (Tachykardie).
Fall 17 Parästhesie IANB Aufklärung
⏱️ 90s · Level Pro
Szenario (Ergänzung)

Nach Unterkiefer-Leitungsanästhesie berichtet der Patient 48 Stunden später weiterhin Taubheit der Unterlippe/Zunge.

Fragen Woran denken? Vorgehen/Kommunikation?
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Wichtig sind Dokumentation, Verlauf (Besserung?) und frühzeitige Kontrolle/Überweisung bei Persistenz.
✅ Lösung anzeigen Aufklappen

KP-Satz: Anhaltende Taubheit nach IANB spricht für eine Nervenirritation (z. B. N. lingualis / N. alveolaris inferior) durch Injektionstrauma oder Druck durch Hämatom. Ich dokumentiere, untersuche die Sensibilität und kontrolliere engmaschig.

Begründung / DD
  • Nervenirritation/Neurapraxie durch Nadelkontakt oder intraneurale/para-neurale Injektion
  • Druck durch Hämatom/Ödem
  • DD: iatrogene Läsion durch chirurgischen Eingriff, Entzündung, Trauma
Merksatz: Persistierende Taubheit = dokumentieren + Verlauf + ggf. früh überweisen.
Vorgehen
  • Sensibilität prüfen/vergleichend dokumentieren
  • Patient informieren (meist temporär), Verlaufskontrolle vereinbaren
  • Bei fehlender Besserung/hochgradigen Symptomen: MKG/Neurologie
Cave
  • Keine Bagatellisierung – klare Kommunikation und schriftliche Dokumentation.

D) Dosierung/Besonderheiten

Kinder-Dosierung, Sicherheit durch Aspiration & Maximaldosis – plus fehlende Nummerierung (Fall 14 ergänzt).

Fall 10 Kind 20 kg Dosis Articain
⏱️ 75s · Level Basis
Szenario

5-jähriges Kind (20 kg) benötigt eine Milchzahnextraktion.

Fragen a–b Max. mg + max. Karpulen
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Rechne immer: mg/kg × Gewicht. Dann mg pro Karpule.
✅ Lösung anzeigen Aufklappen

KP-Satz: Maximaldosis Articain beträgt 7 mg/kg. Bei 20 kg sind das 140 mg, entsprechend etwa 2 Karpulen.

Rechnung
  • 7 mg/kg × 20 kg = 140 mg
  • 1 Karpule ≈ 68 mg
  • 140 ÷ 68 ≈ 2 Karpulen
Merksatz: Kinder: „Gewicht zuerst – dann Karpulen.“
Cave
  • Immer langsam injizieren, aspirieren, Gesamtdosis dokumentieren.
Fall 14 Aspiration Sicherheit Maximaldosis
⏱️ 90s · Level Basis
Szenario (Ergänzung – fehlende Nummer)

Du planst eine umfangreiche Behandlung mit mehreren Injektionen. Der Patient ist gesund. Du willst Intoxikation und intravasale Applikation sicher vermeiden.

Fragen Welche Sicherheitsregeln sind Pflicht?
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Klassiker in der Prüfung: Aspiration + langsam + fraktioniert + Dosis dokumentieren.
✅ Lösung anzeigen Aufklappen

KP-Satz: Zur sicheren Lokalanästhesie aspirieren ich konsequent, injiziere langsam und fraktioniert, berechne und dokumentiere die Maximaldosis und beobachte den Patienten klinisch.

Begründung
  • Aspiration reduziert intravasale Applikation.
  • Langsame Injektion senkt systemische Spitzen.
  • Fraktioniert injizieren → Frühzeichen rechtzeitig bemerken.
  • Dosisberechnung/Dokumentation verhindert Überdosierung.
Merksatz: „Aspirieren – langsam – fraktioniert – Dosis im Blick.“
Cave
  • Bei Risikopatienten zusätzlich: kleinste effektive Adrenalindosis, kurze Termine, Monitoring.

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