Medikamente, Antikoagulation und Antibiotikatherapie

  • Medikamentenanamnese
  • Blutgerinnung – das zahnärztlich Entscheidende
  • Antikoagulanzien – die vier wichtigsten Gruppen
  • Wichtigster Grundsatz bei Blutverdünnern
  • Eingriffsgröße entscheidet über das Vorgehen
  • Praktisches Vorgehen bei Antikoagulation
  • Lokale Hämostase – wichtigste Maßnahme
  • Nachblutung – Praxisprotokoll
  • Antibiotikatherapie – Grundprinzipien
  • Wann Antibiotika gegeben werden
  • Häufige Antibiotika in der Zahnmedizin
  • Häufige odontogene Infektionen
  • Endokarditisprophylaxe
  • Wichtige Medikamenteninteraktionen
  • Allergie und Notfall
  • KP-Antwort

1. Medikamentenanamnese

Vor jedem chirurgischen Eingriff muss eine strukturierte Medikamentenanamnese erfolgen.

Fragen Sie immer:

1️⃣ Wirkstoff (nicht nur Handelsname)
2️⃣ Dosis und Einnahmehäufigkeit
3️⃣ Zeitpunkt der letzten Einnahme
4️⃣ Indikation der Medikation
5️⃣ behandelnder Arzt
6️⃣ frühere Blutungskomplikationen

KP-Satz

„Vor jedem Eingriff erhebe ich eine vollständige Medikamentenanamnese mit Wirkstoff, Dosis, letzter Einnahme und Indikation.“

2. Blutgerinnung – das zahnärztlich Entscheidende

Die Blutstillung besteht aus zwei Systemen:

SystemFunktionKlinik
Primäre HämostaseThrombozytenSchleimhautblutungen
Sekundäre HämostaseGerinnungsfaktorenHämatome, Nachblutungyes

3. Antikoagulanzien – die vier wichtigsten Gruppen

GruppeBeispieleWirkmechanismusPraxisrelevanz
TAHASS, Clopidogrelhemmen ThrombozytenBlutungszeit ↑
VKAMarcumar, WarfarinVitamin-K-Faktoren ↓INR-Kontrolle
DOAKApixaban, Rivaroxabanhemmen Faktor Xakeine INR
HeparinLMWHAntithrombin-vermitteltperioperativ

4. Wichtigster Grundsatz bei Blutverdünnern

Antikoagulanzien werden nicht eigenständig abgesetzt.

Der Zahnarzt muss immer abwägen zwischen:

RisikoBedeutung
Blutungsrisikochirurgischer Eingriff
ThromboembolierisikoGrunderkrankung

KP-Merksatz

„Eine Nachblutung kann man behandeln – eine Embolie kann tödlich sein.“

5. Eingriffsgröße entscheidet über das Vorgehen

EingriffBeispiel
kleinEinzelextraktion
mittelmehrere Extraktionen
großOsteotomie / Weisheitszahn

6. Praktisches Vorgehen bei Antikoagulation

Thrombozytenaggregationshemmer (ASS)

meist nicht pausieren

Therapie:

  • atraumatischer Eingriff
  • Naht
  • Hämostyptika

Vitamin-K-Antagonisten (Marcumar)

wichtig:

INR bestimmen

Viele kleine Eingriffe sind möglich bei:

  • kontrolliertem INR
  • guter lokaler Hämostase

DOAK

wichtige Punkte:

  • Zeitpunkt der letzten Einnahme
  • Nierenfunktion

kleine Eingriffe häufig möglich ohne Absetzen.

Heparin / Bridging

kommt meist bei:

  • mechanischen Herzklappen
  • hohem Thromboserisiko

Entscheidung erfolgt interdisziplinär.

7. Lokale Hämostase – wichtigste Maßnahme

Die lokale Blutstillung ist entscheidend.

Stufenplan

1️⃣ Druck / Kompression
2️⃣ Naht / Wundverschluss
3️⃣ Hämostyptika (Kollagen, Cellulose)
4️⃣ Tranexamsäure
5️⃣ Verbandsplatte

KP-Satz

„Die wichtigste Maßnahme bei antikoagulierten Patienten ist eine konsequente lokale Hämostase.“

8. Nachblutung – Praxisprotokoll

Patient bekommt klare Anweisung:

  • 30 Minuten auf Tupfer beißen
  • nicht spülen
  • kein Sport
  • kein Saugen

Bei Blutung:

1️⃣ Kompression
2️⃣ Kühlung
3️⃣ sofort Praxis kontaktieren

9. Antibiotikatherapie – Grundprinzipien

Der wichtigste Grundsatz lautet:

Drainage vor Antibiotikum.

Viele odontogene Infektionen sind Abszess-bedingt.

Ohne chirurgische Entlastung wirkt Antibiotikum oft nicht.

10. Wann Antibiotika gegeben werden

Antibiotika sind notwendig bei:

  • Fieber
  • progredienter Infektion
  • Trismus
  • Dysphagie
  • Immunsuppression
  • Phlegmone

11. Häufige Antibiotika in der Zahnmedizin

AntibiotikumAnwendung
Aminopenicillinhäufig erste Wahl
Amoxicillin + Clavulansäureschwere Infektionen
ClindamycinAlternative bei Penicillinallergie
Metronidazolgegen Anaerobier

12. Häufige odontogene Infektionen

ErkrankungTherapie
akute apikale InfektionEndodontie / Drainage
AbszessInzision + Drainage
PhlegmoneAntibiotika + Klinik
Sinusitis odontogenUrsache beseitigen

13. Endokarditisprophylaxe

Bei Hochrisikopatienten muss vor invasiven Eingriffen eine antibiotische Prophylaxe erfolgen.

Typische Risikopatienten:

  • Herzklappenersatz
  • bestimmte Herzfehler
  • frühere Endokarditis

KP-Satz

„Ich prüfe den Hochrisikostatus des Patienten und gebe bei invasiven Eingriffen eine antibiotische Prophylaxe.“

14. Wichtige Medikamenteninteraktionen

KombinationRisiko
Antikoagulanzien + NSARBlutungsrisiko
Antibiotika + andere MedikamenteWechselwirkungen
PolypharmazieNebenwirkungen

15. Allergie und Notfall

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen:

BegriffBedeutung
Allergieimmunologische Reaktion
Unverträglichkeitz. B. Übelkeit

Bei Anaphylaxie muss ein Notfallmanagement erfolgen.

16. KP-Antwort

Wenn Prüfer fragt:

„Wie gehen Sie mit einem Patienten unter Antikoagulation um?“

Antwort:

„Ich erhebe zunächst eine vollständige Medikamentenanamnese und kläre Wirkstoff, Indikation und letzte Einnahme. Danach bewerte ich die Größe des geplanten Eingriffs und das thromboembolische Risiko. Antikoagulanzien setze ich nicht eigenständig ab. Entscheidend ist eine konsequente lokale Hämostase mit Naht und Hämostyptika. Postoperativ erhält der Patient klare Instruktionen zur Nachblutungsprophylaxe.“

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