Kenntnisprüfung Zahnmedizin · Parodontologie · Kapitel 9

Nichtchirurgische Parodontaltherapie – Instrumentierung und Reevaluation

Von der antiinfektiösen Therapie bis zur begründeten Anschlussentscheidung: Wurzeloberflächen zugänglich und substanzschonend instrumentieren, Heilung beurteilen und Resttaschen befundbezogen weiterbehandeln.

KP NiedersachsenParodontologie68 LernabschnitteStand September 2026
01 · Einstieg

Die Tasche ist behandelt – aber ist sie auch kontrolliert?

Eine erfolgreiche AIT endet nicht mit dem letzten Instrumentenzug. Erst die Heilungsantwort zeigt, ob Entzündung und Tasche ausreichend reduziert wurden oder ob an einzelnen Stellen weiterbehandelt werden muss.

Vorher

Ursache und Zugänglichkeit

Ist die Diagnose gesichert? Sind häusliche Biofilmkontrolle, Retentionsfaktoren, Risiken und medizinische Voraussetzungen so bearbeitet, dass die Instrumentierung sinnvoll und sicher ist?

Währenddessen

Systematisch und schonend

Alle indizierten Flächen werden unter ausreichender Anästhesie mit geeigneten Hand- oder Schall-/Ultraschallinstrumenten erreicht – ohne unnötigen Zementabtrag.

Danach

Heilung ermöglichen

Der Patient erhält realistische Hinweise zu Blutung, Empfindlichkeit, Rezession und häuslicher Pflege. Routinemedikation ersetzt keine individuelle Indikation.

Reevaluation

Vergleichen und entscheiden

Sondierungstiefen, BOP, Suppuration, Plaque, Rezession, Mobilität und Furkation werden mit dem Ausgangsbefund verglichen.

Prüfungseinstieg: „Ich behandle die Parodontitis stufenweise. Nach der Mundhygiene- und Risikokontrolle folgt die geschlossene subgingivale Instrumentierung. Nach ausreichender Heilung führe ich die Befundevaluation durch und entscheide stellenbezogen über Reinstrumentierung, chirurgische Therapie oder UPT.“

02 · Orientierung

Stufe 2 reduziert die subgingivale infektiöse Belastung

Die nichtchirurgische Therapie verbindet biologische Ursache, technische Zugänglichkeit und spätere Kontrolle zu einem geschlossenen Entscheidungsweg.

1
Stufe 1 sichernPatientenindividuelle Mundhygiene, supragingivale Belagskontrolle, Retentionsfaktoren und beeinflussbare Risiken werden bearbeitet.
2
Subgingival instrumentierenBiofilm und klinisch erreichbare Konkremente werden von den indizierten Wurzeloberflächen entfernt beziehungsweise reduziert.
3
Heilen lassenEntzündungsrückgang, Gewebeschrumpfung und Reparatur brauchen Zeit; zu frühe Schlussfolgerungen sind unzuverlässig.
4
ReevaluierenDas Ergebnis wird vollständig und stellenbezogen mit dem Ausgangsbefund verglichen.
5
Anschluss wählenGeschlossene Tasche → UPT; mäßige Resttasche → Ursachenbehebung und Reinstrumentierung; tiefe komplexe Resttasche → chirurgische Option prüfen.
Rückbezug: Motivation, Hilfsmittelauswahl und Stufe 1 sind in Kapitel 8 ausführlich erklärt.
03 · Lernziele

Was Sie nach diesem Kapitel sicher können

  • AIT, subgingivale Instrumentierung, Scaling, Root Planing und Kürettage korrekt voneinander abgrenzen.
  • die Indikation nach Befund und deutscher PAR-Richtlinie nennen.
  • Hand-, Schall- und Ultraschallinstrumente auswählen und technisch korrekt beschreiben.
  • Gracey-Küretten den Zahnflächen zuordnen und Adaptation, Angulation sowie Arbeitszug erklären.
  • einen vollständigen klinischen AIT-Ablauf einschließlich Sicherheit, Anästhesie und Dokumentation darstellen.
  • erwartbare Heilung, Nebenwirkungen und Grenzen verständlich aufklären.
  • eine Befundevaluation nach 3–6 Monaten strukturiert durchführen.
  • Therapieendpunkte sowie das Vorgehen bei 4–5-mm- und ≥6-mm-Resttaschen begründen.
04 · Terminologie

„Subgingivale Instrumentierung“ ist der moderne Oberbegriff

Begriffe, die in Büchern und Prüfung vorkommen
BegriffGemeinter InhaltEinordnung
AITAntiinfektiöse Therapie im geschlossenen Vorgehen innerhalb der deutschen GKV-Behandlungsstrecke.Versorgungsrechtlicher Begriff; umfasst die befundbezogene Entfernung erreichbarer supra- und subgingivaler Beläge.
MHUPatientenindividuelle Mundhygieneunterweisung.Begleitet die AIT und schafft die patientenseitige Voraussetzung für langfristige Biofilmkontrolle.
TST, BOP, CALTaschensondierungstiefe, Blutung auf Sondieren und klinisches Attachmentniveau.Zentrale Verlaufsparameter; CAL ergibt sich klinisch aus Sondierungstiefe und Lage des Gingivarands zur Schmelz-Zement-Grenze.
BEV/BEVaBefundevaluation beziehungsweise erste Befundevaluation nach AIT.Strukturierter Vergleich nach der Heilungsphase; in der GKV drei bis sechs Monate nach Abschluss der AIT.
CPTChirurgische Parodontitistherapie im offenen Vorgehen.Nach BEV stellenbezogen zu prüfen, insbesondere bei bestätigten Resttaschen ab 6 mm.
UPTUnterstützende Parodontitistherapie.Risikobasierte Erhaltung nach aktiver Therapie; ausführlich in Kapitel 14.
Subgingivale InstrumentierungNichtchirurgischer Einsatz geeigneter Hand- oder maschineller Instrumente an subgingivalen Zahn-/Wurzeloberflächen.Bevorzugter wissenschaftlicher Oberbegriff.
ScalingEntfernung weicher und harter Beläge beziehungsweise Konkremente.Kann supra- oder subgingival erfolgen.
Root Planing/WurzelglättungTraditionell Glättung einer kontaminierten Wurzeloberfläche.Heute substanzschonend interpretieren; kein routinemäßiger großflächiger Zementabtrag.
Geschlossene KürettageHistorisch häufig für Scaling/Root Planing ohne Lappenbildung benutzt.Nicht mit absichtlicher Weichgewebskürettage gleichsetzen.
DebridementStörung/Entfernung von Biofilm und erreichbaren Ablagerungen.Betont Infektionskontrolle statt maximaler Substanzentfernung.

„Ich verwende den Begriff subgingivale Instrumentierung, weil das Therapieziel die schonende Entfernung beziehungsweise Reduktion von Biofilm und klinisch erreichbaren Konkrementen ist. Eine aggressive vollständige Zemententfernung ist nicht das Ziel.“

05 · Therapieziel

Entzündung kontrollieren und eine reinigbare Situation schaffen

Nicht „sterile Taschen“ und nicht eine spiegelglatte Wurzel sind das Ziel, sondern eine dauerhaft kontrollierbare ökologische und klinische Situation.

Mikrobiologisch

Biofilm disruptieren

Die organisierte subgingivale Gemeinschaft wird mechanisch gestört und ihre Masse reduziert. Eine sterile Tasche ist weder realistisch noch erforderlich.

Klinisch

Entzündung senken

Blutung und Suppuration sollen weitgehend verschwinden; Sondierungstiefen und Zahl erkrankter Stellen sollen abnehmen.

Anatomisch

Retentionsflächen reduzieren

Klinisch erreichbare Konkremente und andere beeinflussbare Retentionsfaktoren werden entfernt, ohne Wurzeloberfläche unnötig zu opfern.

Langfristig

Stabilität ermöglichen

Eine häuslich und professionell kontrollierbare Situation ist Voraussetzung für UPT und Zahnerhalt.

06 · Voraussetzung

Instrumentiert wird auf Basis einer vollständigen Diagnose

Vor der AIT müssen Diagnose, Staging und Grading, Zahnprognosen, Behandlungsziele und die zu behandelnden Stellen bekannt sein. Die Therapievorbereitung umfasst:

  • allgemeine und spezielle Anamnese einschließlich Medikamente, Blutungsrisiko, Allergien und relevanter Vorerkrankungen,
  • vollständigen parodontalen Ausgangsbefund und geeignete Röntgenbilder,
  • Aufklärungs- und Therapiegespräch sowie gemeinsame Entscheidung,
  • patientenindividuelle Mundhygieneunterweisung und Kontrolle der supragingivalen Biofilmkontrolle,
  • Behandlung akuter Schmerzen/Infektionen und indizierte konservierend-chirurgische Maßnahmen,
  • Planung von Lokalanästhesie, Instrumenten, Sitzungsumfang und Nachsorge.
Kein Blindflug: Eine isolierte „Taschenreinigung“ ohne Gesamtbefund kann falsche Zähne behandeln, lokale Ursachen übersehen und spätere Erfolgskontrolle unmöglich machen.
07 · Richtlinie

In der GKV-AIT werden Taschen ab 4 mm behandelt

Die PAR-Richtlinie definiert das geschlossene Vorgehen eindeutig: Bei Sondierungstiefen von 4 mm und mehr werden alle supragingivalen und klinisch erreichbaren subgingivalen weichen und harten Beläge entfernt.

SituationKonsequenz in der systematischen GKV-StreckeKlinische Einordnung
TST <4 mmKeine AIT-Leistung allein aufgrund dieser Tiefe.Supragingivale/gingivale Kontrolle; unnötige subgingivale Instrumentierung kann Attachment und Substanz schädigen.
TST ≥4 mmAIT an den betroffenen Zähnen/Parodontien gemäß genehmigtem Plan.Befundbezogene geschlossene Entfernung erreichbarer Biofilme und Konkremente.
Akute LäsionZuerst akute Ursache und Dringlichkeit behandeln.Ein Abszess verlangt gegebenenfalls Drainage; die systematische AIT ersetzt keine Notfalltherapie.
Zahn ohne realistische ErhaltungsstrategiePrognose und Alternativen vor der Instrumentierung klären.Wiederholte invasive Therapie ohne sinnvolles Ziel vermeiden.
Prüfungsfalle: Ein Plaqueindex ist wichtig für Verlauf und Patientenführung, aber die aktuelle PAR-Richtlinie nennt keinen starren Plaque-Grenzwert als Voraussetzung für die AIT.
08 · Organisation

Die AIT sollte möglichst innerhalb von vier Wochen abgeschlossen sein

Der Behandlungsumfang kann auf eine oder mehrere Sitzungen verteilt werden. Entscheidend sind vollständige Flächenabdeckung, Patientensicherheit, genügend Arbeitszeit, wirksame Anästhesie und ein verlässlicher Abschluss. Nach der PAR-Richtlinie soll das geschlossene Vorgehen nach Möglichkeit innerhalb von vier Wochen beendet werden.

Wenige Stellen

Gezielte Sitzung

Lokalisierter Befund, gute Zugänglichkeit und geringe medizinische Belastung erlauben einen kleineren klar definierten Umfang.

Generalisiert

Etappen planen

Quadranten/Sextanten oder ein Full-Mouth-Protokoll sind möglich. Umfang und Dauer werden nach Befund, Gesundheit und Patientenpräferenz festgelegt.

„Ich plane die Sitzungen so, dass jede indizierte Wurzeloberfläche systematisch behandelt wird. Der Grund dafür ist, dass eine kurze Sitzung ohne ausreichende Zugänglichkeit weniger wert ist als eine vollständig und atraumatisch ausgeführte Instrumentierung.“

09 · Sicherheit

Vor dem ersten Instrumentenzug wird das medizinische Risiko aktualisiert

AIT ist ein invasiver, potenziell blutender Eingriff. Die Sicherheitsprüfung ist deshalb kein Formularritual.

  • Blutungsrisiko: Antikoagulanzien/Thrombozytenhemmer, Gerinnungsstörung, Lebererkrankung; Medikamente nicht eigenmächtig absetzen.
  • Infektionsrisiko: Indikation zu einer Antibiotikaprophylaxe nur nach aktueller medizinischer Leitlinie und individuellem Risikoprofil – nicht routinemäßig.
  • Diabetes: aktuelle Kontrolle, Mahlzeit/Medikation, Hypoglykämierisiko und Heilung berücksichtigen.
  • Kardiopulmonal: Belastbarkeit, Lagerung, Adrenalinmenge, Sauerstoffbedarf und Aerosolverträglichkeit einbeziehen.
  • Allergien/Interaktionen: Lokalanästhetikum, Antiseptika, Analgetika und Latex prüfen.
  • Implantierte elektronische Geräte: Bei Herzschrittmacher, ICD oder ähnlichen Systemen besteht kein pauschales Ultraschallverbot; Herstellerhinweise und Gerätetyp beachten und bei Unklarheit ärztlich beziehungsweise technisch klären.
Nicht übernehmen: Ältere pauschale Aussagen wie „kein Ultraschall bei HIV oder Hepatitis“ sind fachlich nicht akzeptabel. Es gelten Standardhygiene, korrekte Aufbereitung und risikoadaptiertes Aerosolmanagement für alle Patienten.
10 · Kommunikation

Aufklärung umfasst Ziel, Ablauf, Alternativen und wahrscheinliche Folgen

AufklärungspunktPatientengerechte Formulierung
Ziel„Wir entfernen den entzündungsfördernden Biofilm und erreichbare harte Ablagerungen unter dem Zahnfleisch.“
Ablauf„Ich betäube die Region und reinige die betroffenen Wurzeloberflächen ohne chirurgische Eröffnung.“
Grenze„Tiefe Taschen, Einziehungen und Furkationen sind geschlossen nicht immer vollständig erreichbar.“
Folgen„Wenn die Entzündung zurückgeht, kann das Zahnfleisch schrumpfen; Zähne wirken länger und vorübergehend empfindlich.“
AlternativenAbwarten mit Progressionsrisiko, gegebenenfalls chirurgischer Zugang nach Reevaluation oder Extraktion bei nicht erhaltungswürdigem Zahn.
Nachsorge„Ihre tägliche Reinigung und die spätere Kontrolle entscheiden mit über die Stabilität.“

Die Einwilligung muss vor der Behandlung freiwillig und verständlich vorliegen. Neue Befunde oder eine spätere chirurgische Entscheidung brauchen eine erneute spezifische Aufklärung.

11 · Schmerzfreiheit

Ausreichende Anästhesie verbessert Präzision und Sicherheit

Subgingivale Instrumentierung entzündeter tiefer Taschen ist häufig schmerzhaft. Infiltrations- oder Leitungsanästhesie wird regions- und patientenbezogen gewählt; ergänzende Techniken sind nur bei Indikation erforderlich. Vor der Injektion werden Anamnese, Maximaldosis, Vasokonstriktor und Aspirations-/Injektionstechnik berücksichtigt.

Nutzen

Kontrollierte Instrumentierung

Schmerzfreiheit reduziert Abwehrbewegungen, erlaubt die korrekte Instrumentenführung bis zur geplanten Tiefe und verhindert hektischen Druck.

Kontrolle

Vor Start testen

Wirkung abwarten und sensible Bereiche prüfen. Bei Schmerz nicht „durchinstrumentieren“, sondern Ursache und Anästhesie nachbeurteilen.

Aufklärung: Solange Lippen, Wange oder Zunge taub sind, nicht kauen und heiße Speisen/Getränke vorsichtig handhaben.
12 · Arbeitsumgebung

Sicht, Absaugung und Ergonomie sind Teil der Therapiequalität

  • Patient so lagern, dass Zielregion, Spiegel und Instrumentenweg zugänglich sind.
  • Gute Beleuchtung, Retraktion und klare Vierhand-Assistenz organisieren.
  • Persönliche Schutzausrüstung, Flächenhygiene und validierte Instrumentenaufbereitung konsequent umsetzen.
  • Bei aerosolbildenden Geräten leistungsfähige Absaugung und möglichst kurze freie Aerosolstrecke nutzen.
  • Wasserfluss vor Beginn prüfen; kontaminationsarme Geräteführung und korrekte Wasserhygiene sicherstellen.
  • Behandlerposition und Abstützung so wählen, dass nicht Kraft, sondern Kontrolle die Bewegung bestimmt.

„Eine gute Ergonomie ist keine Komfortfrage. Sie ermöglicht korrekte Adaptation und überlappende Arbeitszüge; dadurch sinken das Risiko übersehener Flächen und das Risiko einer Gewebeverletzung.“

13 · Auswahl

Die Anatomie bestimmt das Instrument

Klinische AufgabeGeeignete InstrumentgruppeEntscheidungskriterium
Grober supragingivaler ZahnsteinSichelscaler oder kräftiger maschineller AnsatzDirekte Sicht, genügend Platz, kein scharfes Ende im Weichgewebe.
Generalisierter subgingivaler Biofilm/KonkrementeSchlanke Schall-/Ultraschallansätze, Küretten oder KombinationTaschentiefe, Ablagerungsmenge, Wurzelmorphologie, Patienten- und Behandlerpräferenz.
Flächenspezifische FeinbearbeitungGracey-KürettenMesial/distal/fazial/lingual korrekt zuordnen.
Tiefe enge TascheAfter-Five-/Mini-Five-Kürette oder langer graziler AnsatzZugang bis apikal ohne Aufdehnung oder unnötiges Trauma.
Furkation/KonkavitätSchlanke gekrümmte Ansätze, Miniinstrumente, passende FurkationsküretteDreidimensionale Zugangslinie und Wurzelkontur.
Weicher Biofilm ohne ausgeprägtes KonkrementSchonende maschinelle Instrumentierung; selektiv niedrigabrasives Air-PolishingOberfläche, Taschentiefe und zugelassenes System beachten.

Ein „Lieblingsinstrument für alles“ ist meist ein Zugangsproblem in Verkleidung. Im Verlauf darf das Instrument gewechselt werden.

14 · Evidenz

Hand- und Schall-/Ultraschallinstrumente sind klinisch gleichwertige Optionen

Die EFP-Leitlinie empfiehlt Handinstrumente, maschinelle Instrumente oder deren Kombination. Der Behandlungserfolg hängt stärker von Indikation, Zugang und Ausführung als vom Gerätelabel ab.

Hand

Tastgefühl und Flächenkontrolle

Gute Adaptation an bestimmte Konturen, kein Aerosol und gezielte Konkremententfernung; dafür techniksensitiv, ermüdend und nur mit scharfen Instrumenten effizient.

Maschinell

Effiziente Biofilmdisruption

Schlanke Ansätze, geringer lateraler Druck, Spülwirkung und oft kürzere Arbeitszeit; dafür Kühlung, Aerosolkontrolle und korrekte Ansatzführung erforderlich.

Kombination

Stärken verbinden

Maschinell für flächige Biofilm-/Konkrementreduktion, Handinstrumente für gezielte taktile Kontrolle und anatomisch schwierige Restbereiche.

Wahl

Patient und Behandler

Medizinische Situation, Geräusch-/Vibrationstoleranz, Aerosol, Wurzeloberfläche, Erfahrung und Patientenpräferenz einbeziehen.

15 · Handinstrument

Der Sichelscaler ist spitz und primär supragingival

Ein Sichelscaler besitzt einen dreieckigen Querschnitt, zwei Schneidekanten und eine spitze Zehe. Er eignet sich vor allem zur Entfernung supragingivaler harter Ablagerungen, besonders approximal bei guter Sicht. Wegen Spitze und kräftigem Querschnitt kann eine unkontrollierte subgingivale Anwendung Taschenepithel und Wurzeloberfläche traumatisieren.

MerkmalSichelscalerKürette
QuerschnittDreieckigHalbkreisförmig
InstrumentenspitzeSpitzAbgerundete Zehe
HauptindikationSupragingivaler ZahnsteinSubgingivale Instrumentierung
WeichgewebssicherheitSubgingival begrenztBei korrekter Adaptation günstiger

„Der Scaler hat eine spitze Arbeitsendform und wird überwiegend supragingival verwendet. Für die subgingivale Instrumentierung bevorzuge ich wegen der abgerundeten Zehe Küretten oder geeignete grazile maschinelle Ansätze.“

16 · Handinstrument

Universalküretten haben zwei nutzbare Schneidekanten

Bei der Universalkürette steht die Fazialfläche ungefähr rechtwinklig zum terminalen Schaft. Beide Schneidekanten können verwendet werden; verschiedene Zahnflächen sind mit einem Instrument zugänglich. Beispiele sind Columbia-, Barnhart- und Langer-Küretten.

Vorteil

Flexibel einsetzbar

Ein überschaubares Instrumentarium kann viele supra- und subgingivale Flächen abdecken.

Anforderung

Aktiv angulieren

Die Fazialfläche ist nicht werkseitig flächenspezifisch abgewinkelt; die Arbeitskante muss durch Drehung des Instruments korrekt eingestellt werden.

Orientierung: Der terminale Schaft hilft, das Arbeitsende zu beurteilen. Die ersten 1–2 mm der Arbeitskante bleiben an die Wurzel adaptiert.
17 · Handinstrument

Gracey-Küretten sind flächenspezifisch

Die Fazialfläche einer Gracey-Kürette ist gegenüber dem terminalen Schaft versetzt. Dadurch arbeitet nur die tiefere beziehungsweise untere Schneidekante. Die abgerundete Zehe und der halbkreisförmige Querschnitt erlauben eine gewebeschonende subgingivale Adaptation.

  • Auswahl: Nummer nach Zahnregion und Fläche bestimmen.
  • Orientierung: terminalen Schaft annähernd parallel zur zu instrumentierenden Fläche halten.
  • Adaptation: nur das vordere Drittel des Arbeitsendes anlegen.
  • Einführen: Arbeitsende geschlossen und nahezu parallel zur Wurzel apikal führen.
  • Aktivieren: geeigneten Arbeitswinkel herstellen und mit kontrollierten überlappenden Zügen koronal arbeiten.

„Bei der Gracey-Kürette ist nur die untere Schneidekante aktiv. Ob ich die richtige Kante gewählt habe, prüfe ich am terminalen Schaft: Er soll zur Zielzahnfläche annähernd parallel stehen.“

18 · Zuordnung

Vier Gracey-Paare decken die klassischen Prüfungsflächen ab

Prüfungsrelevante Gracey-Zuordnung
GraceyRegion/FlächeMerksatz
1/2 oder 5/6Frontzähne; 5/6 zusätzlich häufig PrämolarenVorne beginnen
7/8 oder 9/10Faziale und orale Flächen der SeitenzähneAußen und innen
11/12Mesiale Flächen der SeitenzähneElf/zwölf = mesial
13/14Distale Flächen der SeitenzähneDreizehn/vierzehn = distal
15/16Modifizierte Form für mesiale SeitenzahnflächenMesialer Zugang verbessert
17/18Modifizierte Form für distale SeitenzahnflächenDistaler Zugang verbessert
Furkation: Die Nummer allein löst keine dreidimensionale Anatomie. Furkationszugang, Wurzelkontur und Arbeitsendgröße müssen zusätzlich geprüft werden.
19 · Modifikationen

After Five und Mini Five verbessern den Zugang – nicht automatisch das Ergebnis

After Five

Verlängerter terminaler Schaft

Der terminale Schaft ist gegenüber der Standard-Gracey verlängert. Dadurch kann das Arbeitsende in tieferen Taschen günstiger geführt werden.

Mini Five

Zusätzlich verkürztes Arbeitsende

Neben dem verlängerten Schaft ist die Klinge ungefähr halb so lang und graziler. Das erleichtert enge Taschen, Wurzeleinziehungen und Furkationseingänge.

Die Modifikation ersetzt weder die korrekte Flächenzuordnung noch die Adaptation. Ein langes Instrument, das apikal reicht, kann trotzdem an einer Konkavität vorbeiarbeiten. Kraft wird bei schlanken Arbeitsenden besonders kontrolliert eingesetzt.

Keine Tiefenautomatik: Die Bezeichnung „After Five“ bedeutet nicht, dass jede Tasche über 5 mm zwingend dieses Instrument benötigt. Der reale Zugang entscheidet.
20 · Instrumentenpflege

Eine stumpfe Kürette erhöht Kraft und Fehlergefahr

Eine scharfe Schneide greift kontrolliert in das Konkrement. Eine stumpfe Kante reflektiert bei visueller Prüfung eher Licht und gleitet am Teststäbchen beziehungsweise an der Ablagerung, statt „Biss“ zu entwickeln.

Stumpfes InstrumentKlinische FolgeKorrektur
Mehr lateraler Druck nötigErmüdung, Abrutschen, WeichgewebstraumaSchärfe vor der Sitzung prüfen; fachgerecht nachschärfen oder ersetzen.
Konkrement wird poliertBrünierung: Restkonkrement wird glatter und schwerer tastbarNicht mit Kraft kompensieren; Schneide wiederherstellen und Fläche neu systematisch prüfen.
Veränderte InstrumentenformFalsche Adaptation, spitze Zehe, ungleichmäßige KanteOriginalkontur beim Schleifen erhalten; stark verschlissene Kürette aussortieren.

Nach dem Schärfen werden Grat, Form, Sauberkeit und Aufbereitbarkeit kontrolliert. Die konkrete Schleiftechnik richtet sich nach Instrumentdesign und Herstellerangaben.

21 · Basistechnik

Modifizierter Schreibfedergriff plus stabile Abstützung

Kontrolle entsteht aus einem beweglichen Instrument zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger sowie einem stabilen Stützfinger – nicht aus festem Zupacken.

  • Griff: Daumen und Zeigefinger halten den Schaft; der Mittelfinger nimmt taktile Information auf.
  • Abstützung: Ringfinger möglichst nahe und stabil auf Zahn/Hartgewebe abstützen; bei ungünstigem Zugang alternative intra- oder extraorale Abstützung wählen.
  • Fulcrum: Die Abstützung bildet den Drehpunkt für die kontrollierte Unterarm-Hand-Bewegung.
  • Kraftquelle: Arbeitszug überwiegend aus Handgelenk/Unterarm, nicht als isoliertes „Fingerkratzen“.
  • Sicherheit: Direkte/indirekte Sicht, Retraktion und Gegenzug der nichtdominanten Hand erhalten.

„Ich arbeite im modifizierten Schreibfedergriff mit stabiler Abstützung. Dadurch kann ich Druck, Angulation und Zuglänge kontrollieren und verhindere ein Abrutschen in das Weichgewebe.“

22 · Basistechnik

Nur das vordere Drittel des Arbeitsendes folgt der Wurzel

Adaptation bedeutet, dass die ersten 1–2 mm der Schneidekante beziehungsweise das vordere Drittel des Arbeitsendes kontinuierlich an der Zahnoberfläche anliegen. Bei konvexen Flächen wird das Instrument während des Zuges gerollt, damit die Zehe der Kontur folgt.

Zu wenig

Kontakt geht verloren

Die Schneide springt über Ablagerungen oder entfernt Biofilm nur unvollständig.

Zu viel

Mittleres/hinteres Drittel liegt an

Die Zehe kann abstehen und Gingiva, Wurzel oder Furkation traumatisieren.

Richtig

Kurze aktive Zone

Vorderes Drittel bleibt adaptiert, während Griff und Schaft der Kontur folgen.

Approximal

Kontaktlinie überschreiten

Instrument so weit führen und rollen, dass die Fläche unter dem Kontaktpunkt vollständig überlappt wird.

23 · Basistechnik

Einführwinkel schließen, Arbeitswinkel öffnen

PhaseWinkel zwischen Fazialfläche und ZahnZiel
Einführen/ExplorierenNahezu geschlossen, etwa 0–40°Gewebeschonend bis zum Taschenboden und unter das Konkrement gelangen.
ScalingMeist etwa 70–80°Schneide greift die Ablagerung und löst sie koronal.
Feine Biofilm-/OberflächenbearbeitungEher geringer, kontrollierter ArbeitswinkelLeichter Druck, lange überlappende Züge, minimale Substanzbelastung.
Zu geschlossen: Die Ablagerung kann brüniert statt entfernt werden. Über 90°: Die Schneide richtet sich gegen das Taschenweichgewebe und erhöht das Traumarisiko.

Winkelangaben sind Orientierung, keine starre Zahl. Wurzelkontur, Instrumentendesign und Schaftposition müssen zusammenpassen.

24 · Bewegung

Explorations-, Scaling- und Feinzüge haben verschiedene Aufgaben

ZugDruck und LängeZweck
ExplorationszugLeicht, kontrolliert, überlappendTaschenboden, Rauigkeit, Konkrement und Anatomie ertasten.
ScalingzugKurz, fest, koronal gerichtetArbeitskante apikal der Ablagerung positionieren und Konkrement lösen.
Fein-/DebridementzugLänger, leichter, überlappendRestbiofilm und kleine Rauigkeiten bearbeiten, ohne unnötig Zement abzutragen.

Vertikale, schräge und horizontale Züge werden kombiniert. Jede Bahn überlappt die vorige. Die Arbeitszone wird systematisch von koronal nach apikal beziehungsweise abschnittsweise erschlossen und anschließend erneut tastend überprüft.

„Ich beginne mit leichten Sondierzügen. Bei Konkrement stelle ich einen wirksamen Arbeitswinkel ein und verwende kurze kräftige Züge; anschließend kontrolliere ich mit leichteren überlappenden Zügen.“

25 · Taktilität

Der Tastbefund steuert die Instrumentierung – beweist aber keine Keimfreiheit

Mit Parodontalsonde, Explorer oder leicht geführtem Instrument werden Konkrementkanten, Rauigkeiten, Wurzeleinziehungen, Restaurationsränder und Taschenverlauf ertastet. Dabei verändert sich die Rückmeldung von „rau/stockend“ zu gleichmäßiger.

Kann erkennen

Makroskopische Unregelmäßigkeit

Erhabene oder kantige Ablagerung, überstehender Rand, Furkationseingang, Konkavität und begrenzte Zugänglichkeit.

Kann nicht beweisen

Biofilmfreie Oberfläche

Weicher Biofilm und mikroskopische Kontamination können taktil unauffällig sein. Die endgültige Wirksamkeit zeigt der Heilungsverlauf.

Prüfungsfalle: „Die Wurzel fühlt sich glatt an“ ist kein ausreichender Therapieendpunkt. Entscheidend sind Entzündungsrückgang und spätere klinische Befunde.
26 · Zugang schaffen

Supragingivale Beläge und Retentionsfaktoren werden zuerst kontrolliert

Große supragingivale Ablagerungen, Plaque und überstehende Ränder behindern Sicht, Instrumentenzugang und häusliche Pflege. Ihre Entfernung beziehungsweise Korrektur schafft ein definiertes Arbeitsfeld und reduziert die erneute subgingivale Belastung.

  • Beläge und Verfärbungen nach Oberfläche substanzschonend entfernen.
  • Überhänge glätten oder Restauration bei Indikation erneuern.
  • Kariöse, undichte und nicht hygienefähige Situationen therapeutisch einordnen.
  • Patientenseitige Plaquekontrolle weiter trainieren – nicht erst nach AIT.
  • Zu instrumentierende Zähne und Flächen anhand des Befunds eindeutig festlegen.
Reihenfolge: „Supragingival zuerst“ bedeutet nicht, dass jeder Patient zwingend einen separaten PZR-Termin braucht. Maßnahmen können je nach Befund und GKV-Strecke zeitlich sinnvoll kombiniert werden.
27 · Kernablauf

Die Tasche wird flächenweise und überlappend bearbeitet

1
Stelle lokalisierenTST, BOP/Suppuration, Röntgenbefund, Wurzelanzahl, Furkation und Restaurationsränder erneut zuordnen.
2
Anästhesie und ZugangSchmerzfreiheit prüfen, Gewebe retrahieren, Absaugung und Sitzposition einstellen.
3
Anatomie ertastenTaschenboden und Ablagerungen mit leichten Zügen erfassen; passenden Ansatz beziehungsweise passende Kürette wählen.
4
Biofilm/Konkrement entfernenMaschinell und/oder manuell mit kontrollierter Leistung, korrekter Adaptation und überlappenden Bahnen arbeiten.
5
Flächen abschreitenMesial, fazial, distal und oral sowie Einziehungen/Furkationen systematisch abdecken; nicht nur dort arbeiten, wo Blut sichtbar ist.
6
Taktil kontrollierenErreichbare Restablagerungen gezielt nachinstrumentieren; glatte Wurzel nicht endlos bearbeiten.
7
AbschlussArbeitsgebiet spülen/absaugen, Gewebe adaptieren, Blutung kontrollieren, Nachsorge erklären und Befund/Leistung dokumentieren.

„Ich gehe nicht einfach einmal um den Zahn herum. Ich teile jede Wurzel in überlappende Flächenabschnitte, wähle den Zugang nach der Anatomie und kontrolliere anschließend taktil.“

28 · Komplexe Anatomie

Furkationen sind dreidimensionale Zugangsprobleme

Ein Furkationseingang kann schmaler als ein Standardarbeitsende sein; zusätzlich begrenzen Wurzeldivergenz, Einziehungen, Schmelzprojektionen und Taschenrichtung die geschlossene Reinigung.

Erkennen

Nabers-Sonde und Röntgenbild

Horizontalen Befund klinisch sondieren, Lage und Grad dokumentieren; zweidimensionale Bildgebung unterschätzt frühe Furkationen häufig.

Zugang

Mehrere Richtungen nutzen

Bukkal, oral und bei Oberkiefermolaren zusätzlich approximal denken. Kleine gekrümmte Ansätze beziehungsweise Miniinstrumente anpassen.

Grenze

Geschlossen nicht erzwingen

Wenn Arbeitsende, Sicht und Geometrie keinen vollständigen Zugang erlauben, wird die Grenze dokumentiert und nach Heilung neu entschieden.

Prognose

Nicht automatisch extrahieren

Furkationsbefall erhöht Komplexität, ist allein aber kein Extraktionsgrund. Erhaltbarkeit, Hygienefähigkeit und Anschlussoptionen zählen.

Weiterführung: Chirurgische Furkationszugänge, Resektion und Regeneration folgen in Kapitel 10.
29 · Komplexe Anatomie

Konkavitäten verlangen kleine Arbeitszonen und Richtungswechsel

Typische schwer erreichbare Bereiche sind mesiale Wurzeleinziehungen oberer Prämolaren, proximale Konkavitäten von Molaren, distale Flächen letzter Molaren, Entwicklungsrillen und enge Taschen. Ein breites Instrument berührt dann nur die konvexen Ränder und überspannt die Vertiefung.

  • vorherige Röntgenbilder und Zahnanatomie zur Zugangsplanung nutzen,
  • grazile kurze Arbeitsenden beziehungsweise schlanke gekrümmte Ansätze wählen,
  • vertikale, schräge und horizontale Züge aus mehreren Richtungen kombinieren,
  • Instrument während des Zuges rollen und nur vorderes Drittel adaptieren,
  • Grenzen bei tiefer Tasche, Furkation oder Defektmorphologie anerkennen.

„Ob es gut ausgeht, hängt nicht nur von der Taschentiefe ab, sondern auch von der Wurzelmorphologie und dem tatsächlichen Instrumentenzugang.“

30 · Maschinell

Schall und Ultraschall wirken durch schwingende Ansätze plus Spülung

Schallscaler werden meist pneumatisch mit niedrigerer Frequenz betrieben; Ultraschallscaler arbeiten magnetostriktiv oder piezoelektrisch mit höherer Frequenz. Klinisch entscheidend sind die mechanische Bewegung des Ansatzes, Wasserfilm/Kühlung, geringe Anpresskraft und kontinuierliche Führung.

Wirkprinzip

Mechanische Disruption

Schwingende Seitenflächen lösen Biofilm und Konkremente. Hydrodynamische Effekte unterstützen, ersetzen aber nicht den korrekten Kontakt.

Ansatz

Nach Aufgabe wählen

Kräftiger Ansatz für große harte Ablagerung; schlanker langer Ansatz für subgingivalen Zugang und Feinbearbeitung.

Druck

Leicht führen

Hoher Druck dämpft die Schwingung, erhöht Wärme und Substanzabtrag. Die Spitze darf nicht punktuell in die Oberfläche gedrückt werden.

Bewegung

Ständig in Bewegung

Kurze überlappende, überwiegend tangentiale Züge; kein langes Verweilen an einer Stelle.

31 · Gerätekunde

Die Bewegungsbahn bestimmt, welche Ansatzflächen aktiv sind

SystemTypische BewegungKlinische Konsequenz
Magnetostriktiver UltraschallElliptisch/orbitalMehrere Seiten des Ansatzes sind aktiv; dennoch seitliche, tangentiale Anlage bevorzugen und Spitze nicht punktuell belasten.
Piezoelektrischer UltraschallÜberwiegend linearVor allem die lateralen Flächen arbeiten; diese parallel/tangential zur Wurzel führen.
SchallscalerMeist elliptisch, geringere FrequenzHerstellerbezogene Bewegungsbahn und aktive Fläche kennen; ebenfalls leicht und dynamisch arbeiten.

Die konkrete Geometrie variiert nach System und Ansatz. Deshalb werden Herstellerangaben, Verschleißmarkierung und zugelassener Leistungsbereich beachtet.

32 · Geräteeinstellung

So wenig Leistung wie möglich, so viel wie nötig

  • Leistung: an Ablagerung und Ansatztyp anpassen; feine subgingivale Ansätze meist nicht mit maximaler Leistung betreiben.
  • Kühlung: ausreichenden Wasserfluss sichtbar prüfen; er kühlt Spitze/Gewebe und spült gelöste Partikel aus.
  • Kontakt: laterale Fläche anlegen, Spitze vermeiden, leichter Druck und ständige Bewegung.
  • Verschleiß: verkürzte oder deformierte Ansätze verlieren Effizienz und verändern ihre Wirkung; Schablone/Herstellergrenze nutzen.
  • Patientenreaktion: Schmerz oder Hitzegefühl sofort ernst nehmen; Anästhesie, Leistung, Kühlung und Kontaktpunkt kontrollieren.
Gefahr: Hohe Leistung + wenig Wasser + hoher Druck + stehende Spitze erhöht das Risiko für Wärme-, Wurzel- und Weichgewebsschäden.
33 · Infektionsschutz

Aerosol wird kontrolliert – nicht durch pauschale Patientenausschlüsse

Schall-/Ultraschallinstrumente und Air-Polishing erzeugen Spritznebel beziehungsweise Aerosol. Das Team bewertet Infektionsstatus, Atemwegssituation und lokale Vorgaben, trägt geeignete Schutzausrüstung und reduziert die Verbreitung technisch.

Absaugung

Nah an der Quelle

Hochvolumige Absaugung durch eingespielte Assistenz; Spiegel-/Wangenretraktion und Arbeitsrichtung abstimmen.

Arbeitsweise

Gezielt statt ununterbrochen

Gerät nur im Mund aktivieren, Wasserleistung korrekt einstellen und unnötige Spraydauer vermeiden.

Alternative

Bei begründetem Bedarf

Wenn Aerosol klinisch vermieden werden muss, können Handinstrumente verwendet werden – sofern Zugang und Behandlungssicherheit erhalten bleiben.

Hygiene

Standardmaßnahmen für alle

Aufbereitung, Flächendesinfektion, Wasserhygiene und PSA unabhängig von bekanntem Blutinfektionsstatus zuverlässig durchführen.

34 · Pulverstrahl

Subgingivales Air-Polishing entfernt Biofilm, aber kein massives Konkrement

Mit dafür zugelassenem Gerät, speziellem subgingivalem Ansatz und niedrigabrasivem Pulver wie Glycin oder Erythritol kann weicher Biofilm schonend reduziert werden. Die Methode ist besonders bei Biofilmkontrolle und UPT relevant; harte mineralisierte Ablagerungen erfordern geeignete Instrumente.

GeeignetNicht ausreichend/ungeeignetSicherheitsprinzip
Weicher subgingivaler Biofilm, geeignete Tasche, intakte zugelassene DüseMassives Konkrement, unklarer Zugang, Anwendung außerhalb der HerstellerindikationNur vorgesehene Pulver/Ansätze; Düse ohne Gewalt einführen und ständig kontrolliert führen.
Schonende Wiederholungsbehandlung ausgewählter StellenErsatz für Diagnose, Küretten/Ultraschall bei hartem Belag oder chirurgischen ZugangRisiko eines Weichgewebsemphysems beachten; nicht in ungeeignete Gewebe-/Wundsituation applizieren.
Implantate: Material- und oberflächenspezifische Instrumentierung an Implantaten wird nicht hier verallgemeinert, sondern in Kapitel 13 behandelt.
35 · Klinische Strategie

Kombinieren heißt befundbezogen ergänzen, nicht doppelt traumatisieren

Ein praktikables Vorgehen beginnt häufig mit maschineller Reduktion ausgedehnter Biofilme und Konkremente. Danach werden schwierige Flächen taktil kontrolliert und nur dort gezielt mit Handinstrumenten ergänzt, wo Restablagerung oder besondere Anatomie dies erfordert.

A
Grobe Last reduzierenPassenden maschinellen Ansatz oder supragingivalen Scaler wählen.
B
Subgingivale Flächen systematisch bearbeitenSchlanke Ansätze und/oder Küretten nach Taschen- und Wurzelanatomie einsetzen.
C
Taktil differenzierenNicht pauschal jeden Bereich „noch einmal“ instrumentieren, sondern Reststellen lokalisieren.
D
Gezielt finishenNur notwendige Areale ergänzen; Endpunkt ist ausreichende Dekontamination bei minimalem Trauma.
36 · Minimal invasiv

Wiederholte Instrumentierung trägt Wurzeloberfläche ab

Zement ist dünn und biologisch wertvoll. Jede mechanische Bearbeitung kann Substanz entfernen; unnötige Wiederholungszüge erhöhen das Risiko für Dentineröffnung, Hypersensibilität und Oberflächenschäden.

  • Ablagerung lokalisieren, bevor hoher lateraler Druck angewendet wird.
  • Instrument, Leistung und Zugzahl an Biofilm, Konkrement und Oberfläche anpassen.
  • Flache entzündungsfreie Stellen nicht „vorsorglich tief scalen“.
  • Bei der Reevaluation nur aktive/problematische Reststellen reinstrumentieren.
  • Eine anatomische Rauigkeit nicht automatisch als verbliebenen Zahnstein interpretieren.

„Mein Endpunkt ist nicht maximaler Substanzabtrag, sondern eine biologisch verträgliche, entzündungskontrollierte Oberfläche. Der Grund dafür ist, dass übermäßiges Root Planing Zement und Dentin unnötig schädigen kann.“

37 · Paradigmenwechsel

„Wurzelglättung“ bedeutet heute nicht planmäßige Zemententfernung

Historische Konzepte gingen davon aus, bakteriell „imprägniertes“ Zement müsse umfangreich entfernt und die Wurzel glasartig geglättet werden. Moderne subgingivale Instrumentierung fokussiert auf Biofilmdisruption und die Entfernung klinisch erreichbarer Konkremente bei Erhalt möglichst vieler gesunder Wurzelanteile.

Historisch

Planieren bis hart und glatt

Starker Fokus auf Endotoxine im Zement und ausgedehnte Oberflächenabtragung.

Heute

Cause-related und substanzschonend

Adhärenten Biofilm stören, erreichbare Konkremente entfernen und Gewebeheilung ermöglichen.

Sprachlich für die KP: Wenn der Prüfer „Scaling und Root Planing“ sagt, können Sie den bekannten Begriff übernehmen und ergänzen, dass die Bearbeitung heute gezielt und zementerhaltend erfolgt.
38 · Abgrenzung

Eine routinemäßige Entfernung des Taschenepithels ist nicht erforderlich

Bei der geschlossenen Weichgewebskürettage werden Taschenepithel und entzündliches Gewebe absichtlich ausgeschabt. Für eine routinemäßige zusätzliche Kürettage gegenüber sorgfältiger subgingivaler Instrumentierung ist kein überzeugender Zusatznutzen belegt; sie erhöht hingegen das Gewebetrauma.

HandlungBewertung
Unvermeidbarer Kontakt mit entzündeter Tascheninnenwand während der InstrumentierungKann auftreten; kein eigenständiges Therapieziel.
Systematisches „Ausschälen“ jeder TaschenwandNicht routinemäßig indiziert.
Entfernung pathologischen Gewebes unter chirurgischer SichtTeil einer spezifisch indizierten Operation, nicht der Standard-AIT.
Begriffsfehler vermeiden: „Geschlossene Kürettage“ wird umgangssprachlich oft für nichtchirurgisches Scaling/Root Planing benutzt. In der Prüfung präzisieren: Ich entferne subgingivalen Biofilm und Konkremente, nicht routinemäßig das Taschenepithel.
39 · Adjuvanz

Spülung entfernt Partikel – ein Antiseptikum ersetzt keine Mechanik

Während und nach der Instrumentierung unterstützen Wasser beziehungsweise sterile/physiologische Spüllösungen Kühlung, Sicht und Abtransport gelöster Bestandteile. Eine kurzzeitige antimikrobielle Maßnahme kann in ausgewählten Situationen erwogen werden, ist aber weder Voraussetzung noch Ersatz für vollständige mechanische Biofilmkontrolle.

Sicher

Mechanik bleibt Basis

Biofilmstruktur wird durch Instrumentation disruptiert; bloßes „Ausspülen“ erreicht adhärenten Biofilm und Konkrement nicht zuverlässig.

Selektiv

Antiseptikum nach Indikation

Wirkstoff, Konzentration, Dauer, Allergien, Schleimhaut und mögliche Nebenwirkungen individuell berücksichtigen.

Nicht routinemäßig

Keine Dauerverordnung

Verfärbung, Geschmacksstörung und Schleimhautreaktion sind beispielsweise bei Chlorhexidin relevant; Nutzen und Dauer klar begrenzen.

GKV

Leistungsumfang unterscheiden

Lokale Antibiotikatherapie und mikrobiologische Diagnostik sind nach der PAR-Richtlinie nicht Bestandteil der vertragszahnärztlichen PAR-Versorgung.

Vertiefung: Konzentrationen, Indikationen und Nebenwirkungen von Chlorhexidin sowie lokale Wirkstoffsysteme folgen in Kapitel 12.
40 · Evidenzgrenze

Laser und photodynamische Therapie sind kein Routinezusatz

Die EFP-S3-Leitlinie empfiehlt weder Laser noch antimikrobielle photodynamische Therapie als regelhaften Zusatz zur subgingivalen Instrumentierung unbehandelter Parodontitis.

BehauptungPräzise Einordnung
„Laser sterilisiert die Tasche.“Biologisch unrealistisch und kein belegter klinischer Routineendpunkt.
„Laser ersetzt Kürette/Ultraschall.“Nicht als Standard ableitbar; mechanische subgingivale Instrumentierung bleibt die Basis.
„Zusatztechnik ist moderner und daher besser.“Technische Neuheit ist kein Wirksamkeitsbeleg; Zusatzkosten und mögliche Schäden gehören in die Abwägung.
„Man darf Laser nie einsetzen.“Zu absolut. Spezifische Verfahren können besondere Indikationen haben, sind aber nicht pauschal als überlegene AIT zu empfehlen.

„Ich führe zunächst die evidenzbasierte mechanische subgingivale Instrumentierung durch. Für einen routinemäßigen Zusatznutzen von Laser oder aPDT besteht keine ausreichende Grundlage.“

41 · Antibiotic Stewardship

Systemische Antibiotika werden nicht routinemäßig zur AIT gegeben

Die mechanische Instrumentierung ist die Basis. Wegen Nebenwirkungen, Resistenzentwicklung und Auswirkungen auf das Mikrobiom ist eine routinemäßige systemische Antibiotikagabe bei Parodontitis nicht empfohlen. Sie kann nur in eng ausgewählten Patientengruppen nach Diagnose, Nutzen-Risiko-Abwägung und korrektem Timing erwogen werden.

  • kein Antibiotikum allein gegen einen organisierten subgingivalen Biofilm,
  • keine Verordnung nur wegen „tiefer Taschen“ ohne Gesamtkontext,
  • keine mikrobiologische Testung als automatischer Standard vor jeder AIT,
  • bei Ausbreitung/Allgemeinzeichen einer akuten odontogenen Infektion separate Notfallindikation prüfen,
  • Regime, Kontraindikationen und Interaktionen nicht schematisch aus alten Lehrbuchtabellen übernehmen.
Wichtig: Konkrete Antibiotikaindikationen und Regime gehören vollständig in Kapitel 12. In diesem Kapitel genügt die sichere Grenze: nicht routinemäßig und nie als Ersatz für die mechanische Instrumentierung.
42 · Delivery

Ein- oder mehrzeitig: beide Wege können wirksam sein

Subgingivale Instrumentierung kann klassisch quadranten-/sextantenweise über mehrere Termine oder als Full-Mouth-Instrumentierung innerhalb von 24 Stunden erfolgen. Die EFP bewertet beide als mögliche Verfahren; ein allgemeiner klinischer Vorteil eines Schemas ist nicht belegt.

KriteriumSpricht eher für EtappenSpricht eher für Full Mouth
AllgemeingesundheitBegrenzte Belastbarkeit, relevante systemische RisikenGesund, lange Sitzung gut tolerierbar
Befund/UmfangSehr hoher Instrumentierungsaufwand, komplexe RegionenBehandelbarer Gesamtumfang in ein bis zwei eng terminierten Sitzungen
Anästhesie/ErnährungBegrenzung tauber Regionen und KauproblemePatient akzeptiert ausgedehnte Anästhesie und Nachsorge
OrganisationKürzere Termine, schrittweise TechnikoptimierungWenige Termine, schnelle Komplettierung
PräferenzPatient wünscht kleinere SchrittePatient wünscht konzentrierte Behandlung
43 · Etappen

Quadrantenweise Therapie verteilt Belastung und Lernschritte

Bei der traditionellen mehrzeitigen Behandlung werden definierte Quadranten oder Sextanten nacheinander instrumentiert. Zwischen den Terminen bleibt die häusliche Biofilmkontrolle im gesamten Mund aktiv.

Vorteil

Begrenzter Sitzungsumfang

Weniger ausgedehnte Anästhesie, leichteres Essen nach dem Termin und mehr Zeit für komplexe Regionen.

Vorteil

Rückmeldung möglich

Erfahrungen aus der ersten Sitzung können für Lagerung, Schmerzmanagement und Instrumentenauswahl genutzt werden.

Risiko

Unvollständige Strecke

Terminausfälle und lange Abstände können dazu führen, dass Teile unbehandelt bleiben. Abschluss innerhalb des geplanten Zeitfensters sichern.

Fehler

Nur behandelte Seite putzen

Mundhygiene und supragingivale Kontrolle gelten stets für das gesamte Gebiss.

44 · Kompaktverfahren

Full-Mouth-Instrumentierung ist eine Zeitstrategie, keine Überlegenheit

Bei der Full-Mouth-Instrumentierung wird die subgingivale Therapie des gesamten Gebisses in einer Sitzung oder innerhalb von 24 Stunden abgeschlossen. „Full-Mouth Disinfection“ bezeichnet zusätzliche antiseptische Protokolle; das ist nicht gleichbedeutend mit bloßer Full-Mouth-Instrumentierung.

  • Gesundheitsstatus und mögliche akute systemische Entzündungsreaktion berücksichtigen.
  • Sitzungsdauer, Anästhesieausdehnung, Essen/Trinken und Heimweg vorab besprechen.
  • Genügend Zeit und Personal einplanen – Schnelligkeit darf Gründlichkeit nicht ersetzen.
  • Bei medizinisch vulnerablen Patienten eher kleinere Belastungseinheiten erwägen.
  • Antiseptische Zusatzschritte nicht als automatisch wirksamere „Desinfektion“ versprechen.

„Quadrantenweise und Full-Mouth-Instrumentierung sind mögliche Verfahren. Ich wähle nach Behandlungsumfang, Allgemeingesundheit, Organisation und Patientenpräferenz; ein genereller klinischer Vorteil ist nicht gesichert.“

45 · Gesamtprotokoll

Der vollständige Ablauf einer AIT-Sitzung

1
Identität, Region, PlanPatient, genehmigte Therapie, Zähne und heutiger Umfang prüfen.
2
Anamnese aktualisierenNeue Erkrankungen, Medikamente, Allergien, Infektzeichen, Blutungs- und Hypoglykämierisiko abfragen.
3
Einwilligung und FragenAblauf, Risiken, Alternativen und heutige Anästhesie nochmals klären.
4
Mundhygiene/Gewebe kurz kontrollierenNeue Barrieren, akute Läsionen und überraschende Befunde erkennen.
5
Arbeitsfeld vorbereitenPSA, Absaugung, Licht, Instrumente, Geräteleistung, Wasser und Schärfe kontrollieren.
6
LokalanästhesieIndividuell dosieren, aspirieren, langsam injizieren und Wirkung testen.
7
Supragingivaler ZugangBehindernde weiche/harte Beläge entfernen; Retentionsfaktoren berücksichtigen.
8
Subgingivale InstrumentierungAlle indizierten Flächen systematisch maschinell, manuell oder kombiniert bearbeiten.
9
Kontrolle und HämostaseErreichbare Restablagerungen ertasten, selektiv nacharbeiten, spülen/absaugen und Blutung kontrollieren.
10
Nachsorge und DokumentationErwartete Reaktionen, Warnzeichen, häusliche Reinigung, nächste Sitzung und spätere BEV erklären.
46 · Qualität

Vollständigkeit wird pro Fläche geprüft, Erfolg erst nach Heilung

EbeneUnmittelbar prüfbarSpäter prüfbar
TechnischAlle geplanten Zähne/Flächen bearbeitet, Zugang dokumentiert, tastbare Ablagerung gezielt entferntOb übersehene Retention klinisch relevant blieb
PatientSchmerz, Kreislauf, Blutung, Verständnis der NachsorgeHäusliche Biofilmkontrolle, Empfindlichkeit, Zufriedenheit
BiologischNicht zuverlässig in derselben SitzungBOP/Suppuration, TST, CAL, Rezession und Taschenverschluss
Qualitätsregel: Fehlende tastbare Rauigkeit ist nur ein technischer Hinweis. Die klinische Antwort nach der Heilungsphase entscheidet, ob die Therapie ausreichend war.
47 · Dokumentation

Dokumentiert wird so, dass der spätere Vergleich möglich bleibt

  • Datum, behandelter Quadrant/Sextant und konkrete Zähne,
  • Indikation auf Basis des Parodontalstatus,
  • aktualisierte Anamnese und besondere Risiken,
  • Aufklärung, Einwilligung und besprochene Alternativen,
  • Lokalanästhetikum, Konzentration, Vasokonstriktor, Menge und relevante Besonderheiten,
  • verwendete Instrumentengruppen und erschwerte Zugänge/Furkationen,
  • Blutung, Suppuration, besondere lokale Befunde oder Komplikationen,
  • postoperative Hinweise, verordnete/empfohlene Maßnahmen und Folgetermin,
  • geplanter Abschluss der AIT sowie Zeitraum der Befundevaluation.

Kurzes Dokumentationsbeispiel: „AIT regio 14–17 nach genehmigtem PAR-Plan; Anamnese unverändert; Aufklärung/Einwilligung bestätigt; LA Articain 1:200.000, 1,7 ml; supra-/subgingivale Instrumentierung mit piezoelektrischen Slim-Ansätzen und Gracey 11/12, 13/14; erschwerter distaler Zugang 17; Nachsorge erläutert, nächste AIT terminiert.“

48 · Nach der Sitzung

Häusliche Biofilmkontrolle wird fortgesetzt, nicht pausiert

Der Patient reinigt die Zähne weiterhin regelmäßig und atraumatisch. Bei lokaler Empfindlichkeit kann die Technik kurzfristig angepasst werden; ein vollständiger Reinigungsstopp fördert erneut Biofilm und Entzündung.

Heute

Anästhesie beachten

Bis zur vollständigen Rückkehr der Sensibilität nicht kauen, Temperatur vorsichtig prüfen und Bissverletzungen vermeiden.

Hygiene

Schonend weiterreinigen

Weiche Bürste, kontrollierter Druck und bekannte Interdentalhilfen; bei Trauma individuelle Anpassung statt generelles Aussetzen.

Beschwerden

Bedarfsorientiert behandeln

Analgetikum nur nach individueller Eignung; keine pauschale Antibiotika- oder Antiseptikaverordnung.

Kontakt

Warnzeichen nennen

Zunehmende Schwellung, Fieber, Schluck-/Atemprobleme, anhaltend starke Blutung oder unverhältnismäßiger Schmerz verlangen zeitnahe Abklärung.

49 · Erwartbares

Blutung, Druckgefühl, Rezession und offene Zwischenräume können auftreten

ReaktionEinordnungHandlung
Leichte Blutung/EmpfindlichkeitFrüh nach Instrumentierung häufig möglichSchonende Kompression/Hygiene; Verlauf beobachten.
Zahn wirkt länger, „schwarzes Dreieck“Entzündung geht zurück und geschwollenes Gewebe schrumpftVorher aufklären; Interdentalhilfe neu dimensionieren.
KälteempfindlichkeitFreiliegende Wurzel/Dentintubuli, meist vorübergehendAtraumatische Hygiene, desensibilisierende Fluoridprodukte; Differentialdiagnose bei Persistenz.
Vorübergehend erhöhte Mobilität wahrgenommenOkklusion, Entzündungsrückgang und veränderte Wahrnehmung prüfenKlinisch kontrollieren; nicht automatisch schienen.
Zunehmende Schwellung, Fieber, EiterNicht normale HeilungsreaktionDringende klinische Untersuchung, Ursache/Drainagebedarf klären.
50 · Nebenwirkung

Dentinhypersensibilität wird erklärt, differenziert und behandelt

Nach Entzündungsrückgang und Gingivaschrumpfung können Wurzeloberflächen freiliegen; zusätzlich kann Instrumentierung Tubuli eröffnen. Typisch ist ein kurzer scharfer Reizschmerz auf Kälte, Luft, Berührung oder Osmose.

1
Andere Ursachen ausschließenKaries, Pulpitis, Cracked Tooth, undichte Restauration, Trauma und Okklusion prüfen.
2
Trauma reduzierenPutzdruck, Bürste, Abrasivität und erosive Exposition optimieren.
3
DesensibilisierenGeeignete häusliche Wirkstoffzahnpasta und/oder professionelle Fluorid-/Desensibilisierung nach Indikation.
4
KontrollierenVerlauf dokumentieren; bei Persistenz Diagnose neu prüfen und weitere Optionen abwägen.
Nicht bagatellisieren: „Das ist normal“ reicht nicht. Erwartbarkeit erklären, Differentialdiagnosen prüfen und einen konkreten Plan anbieten.
51 · Biologie

Die klinische Verbesserung entsteht aus Entzündungsrückgang, Schrumpfung und Reparatur

Nach ausreichender Biofilmkontrolle nimmt das entzündliche Infiltrat ab, Ödem geht zurück und die Gingiva adaptiert sich enger an die Wurzeloberfläche.

Früh

Entzündung nimmt ab

Blutung, Rötung, Schwellung und Exsudation können sich rasch bessern, sofern die supragingivale Kontrolle stabil bleibt.

Tasche

TST sinkt zweifach

Durch gingivale Rezession und klinischen Attachmentgewinn wird die sondierbare Tiefe geringer.

Anheftung

Überwiegend Reparatur

Typisch ist ein langes Saumepithel mit Gewebeadaptation; vollständige Regeneration von Zement, Desmodont und Knochen ist nach AIT nicht das regelhafte Ergebnis.

Reifung

Zeit und Stabilität

Gewebeorganisation und Sondierbarkeit entwickeln sich über Wochen bis Monate; wiederholtes frühes Trauma vermeiden.

„Die Sondierungstiefe sinkt durch eine Kombination aus Rezession und Attachmentgewinn. Histologisch handelt es sich nach nichtchirurgischer Therapie überwiegend um Reparatur mit langem Saumepithel, nicht um vollständige parodontale Regeneration.“

52 · Ergebnis

Tiefere Taschen zeigen meist die größere Tiefenreduktion

In der für die EFP-Leitlinie ausgewerteten Evidenz wurden nach subgingivaler Instrumentierung im Mittel deutliche Verbesserungen beobachtet. Zahlen sind Gruppenmittelwerte aus Studien und keine Garantie für einen einzelnen Zahn.

Orientierungswerte der EFP-Evidenz nach etwa 6–8 Monaten
ParameterMittlerer beobachteter EffektInterpretation
Sondierungstiefenreduktion gesamtetwa 1,7 mmMittelwert über unterschiedliche Ausgangstiefen und Studienpopulationen.
Tiefe Ausgangstaschen >6 mmetwa 2,6 mm ReduktionJe tiefer initial, desto größer meist die mögliche Reduktion – bei zugleich schwierigerem Zugang.
Geschlossene Taschenim Mittel etwa 74 %Ein relevanter Anteil bleibt behandlungs-/überwachungsbedürftig.
BOP-Reduktionim Mittel etwa 63 %Entzündung nimmt deutlich ab, verschwindet aber nicht automatisch vollständig.
Nicht falsch versprechen: Ausgangstiefe, Rauchen, Diabeteskontrolle, Plaque, Furkation, Defektmorphologie, Instrumentenzugang und Nachsorge verändern die individuelle Antwort.
53 · Zeitpunkt

Die erste GKV-Befundevaluation erfolgt 3–6 Monate nach AIT

Nach § 11 PAR-Richtlinie wird die erste Befundevaluation drei bis sechs Monate nach Beendigung der antiinfektiösen Therapie durchgeführt.

ZeitpunktWas sinnvoll istWas nicht verwechselt werden darf
Frühe KontrolleBeschwerden, Hygiene, Wundreaktion, akute Probleme und Technik kontrollieren.Keine definitive vollständige BEV unmittelbar nach AIT.
3–6 Monate nach AIT-EndeBEVa mit vorgeschriebenem klinischen Befund, Vergleich und weiterer Planung.Frist beginnt nach Abschluss der gesamten AIT, nicht nach dem ersten Quadranten.
Nach chirurgischer TherapieErneute BEV nach 3–6 Monaten.Separater Schritt nach Kapitel 10.

„Ich kontrolliere Beschwerden und Mundhygiene bei Bedarf früher. Die formale Befundevaluation nach AIT erfolgt in der GKV jedoch nach drei bis sechs Monaten, damit ich die ausgeheilte klinische Antwort beurteilen kann.“

54 · BEVa

Reevaluation bedeutet erneuter strukturierter Befund – nicht nur Taschen messen

  • aktuelle Anamnese, Rauchen/Nikotin, Diabeteskontrolle und neue Medikamente,
  • Beschwerden, Empfindlichkeit, Funktion und patientenberichtete Veränderung,
  • plaque-/mundhygienebezogener Befund und lokale Retentionsfaktoren,
  • Sondierungstiefen und Sondierungsblutung reproduzierbar erfassen,
  • Suppuration gesondert dokumentieren,
  • Rezession und klinisches Attachmentniveau zur Interpretation heranziehen,
  • Zahnlockerung und Furkationsbefall erneut beurteilen,
  • röntgenologischen Knochenabbau und Knochenabbau/Alter in der vorgeschriebenen Dokumentation berücksichtigen,
  • Prognose, Patientenwunsch und Erhaltungsstrategie aktualisieren.
PAR-Richtlinie: Der dokumentierte BEV-Befund umfasst mindestens TST und BOP an zwei Stellen pro Zahn – eine mesioapproximal und eine distoapproximal – sowie Lockerung, Furkation und Röntgenbefund. Für eine hochwertige klinische Steuerung ist eine vollständige Mehrstellenmessung konsistent zum Ausgangsbefund besonders aussagekräftig.
55 · Longitudinal

Nur vergleichbare Messungen zeigen echte Veränderung

Messwerte hängen von Sondentyp, Kraft, Angulation, Referenzpunkt, Entzündung und Untersucher ab. Deshalb werden möglichst dieselben Stellen, dieselbe Systematik und dokumentierte Rezessionswerte verwendet.

ParameterVerbesserungWarnsignal
PlaqueWeniger, besonders an früheren ProblemstellenUnverändert hohe lokale Plaque bei Resttasche
BOP/SuppurationRückgang oder AbwesenheitPersistierende Blutung, besonders mit Suppuration
TSTReduktion und TaschenverschlussPersistenz ≥6 mm oder erneute Zunahme
CAL/RezessionStabilität oder AttachmentgewinnWeiterer Attachmentverlust
Mobilität/FurkationStabil oder verbessertProgression trotz Therapie

„Die Diagnose beziehungsweise den Therapieerfolg beurteile ich anhand der Gesamtbefundung. Eine einzelne Millimeterzahl reicht nicht; ich vergleiche TST, BOP, Suppuration, CAL, Plaque, Furkation, Mobilität und Risiken.“

56 · Treat to target

Ziel ist: keine blutende Tasche über 4 mm und keine tiefe Tasche ab 6 mm

Die EFP beschreibt die patientenbezogenen Endpunkte so, dass keine Tasche >4 mm mit BOP und keine tiefe Tasche ≥6 mm verbleibt. Der stellenbezogene Taschenverschluss ist als TST ≤4 mm ohne BOP definiert.

Geschlossen

≤4 mm ohne BOP

Günstiges lokales Ergebnis; bei stabiler Gesamtsituation Übergang in UPT.

Mäßig

4–5 mm mit Entzündungszeichen

Ursache prüfen und in der Regel erneut subgingival instrumentieren.

Beobachten

5 mm ohne BOP

Kein perfekter Taschenverschluss, aber nicht automatisch Operationsindikation; Plaque, Verlauf, Defekt und Risiko eng beurteilen.

Tief

≥6 mm

Komplexität und chirurgische Therapie prüfen; in der deutschen GKV kann dies nach BEV eine CPT-Indikation begründen.

Kein Zahlenautomat: Die Schwelle führt zur strukturierten Entscheidung, nicht blind zur Operation. Ästhetik, Zahnprognose, Defektmorphologie, Risiken, Hygienefähigkeit, Expertise und Patientenwunsch gehören dazu.
57 · Anschluss

Bei 4–5-mm-Resttaschen wird gezielt Ursachenbehebung und Reinstrumentierung erwogen

Die EFP empfiehlt bei moderat tiefen Resttaschen von 4–5 mm nach Stufe 2 eine wiederholte subgingivale Instrumentierung, besonders wenn BOP oder andere Entzündungszeichen bestehen.

1
Messung bestätigenSondierkraft, Angulation und Referenzpunkt prüfen; Suppuration und CAL ergänzen.
2
Supragingivale Ursache prüfenPlaque, Interdentalzugang, überstehende Ränder und häusliche Technik korrigieren.
3
Subgingivale Ursache prüfenRestkonkrement, Wurzeleinziehung, Furkation oder unvollständig behandelte Fläche suchen.
4
Selektiv reinstrumentierenNur indizierte aktive Stelle mit passendem Instrument substanzschonend behandeln.
5
Verlauf kontrollierenErneute Heilungsantwort bewerten und anschließend UPT beziehungsweise weitere Therapie planen.

„Bei einer 4–5 mm tiefen Resttasche mit Blutung suche ich zuerst die Ursache und instrumentiere die Stelle gezielt erneut. Ich behandle nicht pauschal das gesamte Gebiss noch einmal.“

58 · Anschluss

Ab 6 mm wird der chirurgische Zugang ernsthaft geprüft

Persistierende tiefe Taschen sind geschlossen häufig nur unvollständig erreichbar und bergen ein erhöhtes Progressionsrisiko. Nach der deutschen PAR-Richtlinie kann bei einer TST ≥6 mm in der BEV ein offenes Vorgehen angezeigt sein; die EFP empfiehlt bei tiefen Resttaschen nach adäquaten Stufen 1 und 2 insbesondere im Stadium III die Prüfung eines Zugangslappens.

PrüffrageBedeutung für die Entscheidung
Ist die Stelle entzündet?BOP, Suppuration, Plaque und Verlauf bestimmen Aktivität und Dringlichkeit.
Ist die AIT wirklich adäquat erfolgt?Übersehene Fläche/Restkonkrement kann zunächst gezielte Reinstrumentierung rechtfertigen.
Welche Anatomie liegt vor?Intraossärer Defekt, Furkation, Konkavität und Restknochen bestimmen Zugang, Regeneration oder Resektion.
Ist der Zahn erhaltungswürdig?Endodontie, Fraktur, Karies, Mobilität, prothetischer Wert und Patientenwunsch einbeziehen.
Ist der Patient operationsfähig und nachsorgebereit?Medizinisches Risiko, Rauchen, Diabetes, Mundhygiene und UPT-Adhärenz prüfen.
Weiterführung: Zugangslappen, resektive/regenerative Verfahren und Furkationschirurgie stehen vollständig in Kapitel 10.
59 · Problemklärung

Eine persistierende Tasche ist ein Befund, keine Diagnose

„Therapieresistent“ darf erst gesagt werden, wenn Diagnose, Behandlung, Patienteneinfluss, lokale Anatomie und Messung kritisch geprüft wurden.

Messung

Ist die Veränderung real?

Sondierkraft, Messstelle, Entzündungszustand und Referenzpunkt können Werte verändern.

Therapie

War die Fläche erreichbar?

Unbehandelte Fläche, Restkonkrement, zu kurzes Arbeitsende oder fehlender Furkationszugang prüfen.

Biologie

Bleibt die Exposition bestehen?

Plaque, Nikotin, unzureichend kontrollierter Diabetes oder fehlende UPT begünstigen persistierende Entzündung.

Diagnose

Ist es wirklich primär Parodontitis?

Endo-Paro-Läsion, vertikale Wurzelfraktur, Zementabriss, Karies, Fremdkörper oder andere Erkrankung ausschließen.

„Bei einer Nonresponse wiederhole ich nicht blind dieselbe Behandlung. Ich prüfe zuerst Messung, Plaquekontrolle, Risikofaktoren, Instrumentierungszugang, lokale Retention und Differentialdiagnosen.“

60 · Patientenseite

Persistierende Entzündung verlangt eine respektvolle Adhärenzanalyse

Die Frage lautet nicht „Hat der Patient gehorcht?“, sondern: Welche Stellen bleiben belegt, welche Handlung wurde nicht umgesetzt und warum? Sichtbefund und praktische Demonstration sind aussagekräftiger als ein pauschales „Ich putze gut“.

BeobachtungMögliche BarriereKonkrete Anpassung
Plaque vor allem interdentalFalsche Größe, Blutungsangst, fehlende TechnikRäume neu messen, Anwendung im Mund üben, Blutung erklären.
Orale Seitenzahnflächen belegtSystematik/Zugang fehlenKleiner Kopf, Reihenfolge, Spiegelposition und langsame Führung trainieren.
Gute Technik, seltene AnwendungRoutine-/ZeitproblemWenn-dann-Plan und kleinere Mindesthandlung vereinbaren.
Generalisiert gute Pflege, einzelne ReststelleLokale Anatomie/RetentionNicht pauschal motivieren; Stelle professionell diagnostizieren.
Vertiefung: COM-B, OARS, Teach-back und Rückfallmanagement stehen in Kapitel 8.
61 · Zahnbezogen

Lokale Ursachen müssen vor der nächsten Instrumentierung identifiziert werden

UrsacheHinweisKonsequenz
RestkonkrementTaktil/radiologisch verdächtig, lokales BOP, schwerer ZugangGezielte Instrumentierung mit passendem Ansatz.
Überstehender RestaurationsrandPlaqueretention, Faden reißt, tastbare StufeGlätten oder Restauration erneuern, sofern möglich.
Wurzeleinziehung/FurkationAnatomisch typische Stelle, horizontaler SondenbefundMehrdirektionaler Zugang; gegebenenfalls chirurgisch.
Endodontische LäsionNegativer/auffälliger Sensibilitätstest, apikaler Befund, schmale tiefe TascheEndodontische Diagnose und Therapiepriorität klären.
Vertikale WurzelfrakturIsolierte schmale Tasche, J-förmige Aufhellung, Fistel, restaurierter endodontischer ZahnFrakturdiagnostik; Instrumentierung löst Ursache nicht.
Karies/Resorption/ZementabrissLokalisierte Rauigkeit oder Defekt, Bildgebung/ExplorationSpezifische Diagnose und Therapie.
Okklusales TraumaMobilität, Fremitus, BeschwerdenMitbeurteilen; ist allein nicht die Ursache plaqueinduzierter Parodontitis.

„Die Diagnose stelle ich anhand der Gesamtbefundung. Eine isolierte tiefe Resttasche kann zum Beispiel durch eine Wurzelfraktur oder eine endodontische Läsion bedingt sein und darf nicht automatisch erneut gescalt werden.“

62 · Praxisalgorithmus

Von der BEV zur nächsten Therapiestufe

1
Gesamtantwort prüfenPatientenrisiko, Plaque, BOP/Suppuration, TST, CAL, Furkation, Mobilität und Röntgenbefund vergleichen.
2
Erfolgreiche Endpunkte?Keine blutende Tasche >4 mm und keine Tasche ≥6 mm: UPT beginnen; einzelne 5-mm-Stelle ohne BOP risikobezogen überwachen.
3
4–5 mm mit BOP?Adhärenz, Retention und Zugang korrigieren; selektiv reinstrumentieren und Heilung erneut beurteilen.
4
≥6 mm oder komplexer Defekt?Erhaltungswürdigkeit, intraossären Defekt beziehungsweise Furkation, Ästhetik, Risiko und Operationsfähigkeit beurteilen; CPT beziehungsweise Überweisung erörtern.
5
Unplausible Nonresponse?Differentialdiagnosen und unvollständige AIT klären, bevor weitere irreversible Therapie erfolgt.
6
Patient entscheidet mitNutzen, Risiken, Alternativen und Folgen des Nichtbehandelns verständlich besprechen und Entscheidung dokumentieren.
Kernlogik: Die BEV sortiert nicht Patienten in „Erfolg/Misserfolg“, sondern einzelne Stellen in stabil, erneut nichtchirurgisch behandelbar, chirurgisch zu prüfen oder diagnostisch neu zu klären.
63 · KP-Fall A

Generalisiertes Stadium III, Grad C – AIT planen

Fall: 39-jähriger Patient, 15 Zigaretten/Tag, generalisierte TST 5–7 mm, BOP 58 %, horizontale und lokale vertikale Defekte, Furkation Grad I an 36/46. MHU wurde durchgeführt; approximale Plaque besteht noch stellenweise. Keine relevanten internistischen Kontraindikationen.

Diagnose

Stufe 2 ist indiziert

Genehmigter Plan und Taschen ≥4 mm begründen die geschlossene AIT. Die restliche Plaque wird parallel weiter trainiert; es gibt keine starre AIT-Sperre.

Plan

Umfang individuell

Quadrantenweise oder Full Mouth möglich. Wegen großer Fläche können zwei bis vier ausreichend lange Sitzungen binnen vier Wochen sinnvoll sein.

Technik

Kombiniert instrumentieren

Nach LA schlanke Ultraschallansätze für flächige Reduktion, Gracey 11/12 und 13/14 beziehungsweise Miniinstrumente für Approximalflächen/Furkation.

Risiko

Rauchstopp bleibt aktiv

Kurzintervention und Weiterleitung anbieten; Rauchen kann Blutung maskieren und Heilung/Prognose verschlechtern.

Nachsorge

Reaktionen erklären

Rezession, offene Zwischenräume und Sensibilität vorab erklären; Interdentalgrößen später neu anpassen.

BEV

Nach 3–6 Monaten

Kompletter Vergleich; 4–5 mm mit BOP gezielt reinstrumentieren, ≥6 mm einschließlich Defekt/Furkation chirurgisch prüfen.

Mündliche Kurzantwort: „Ich aktualisiere zunächst Anamnese und Befund, überprüfe Aufklärung, MHU und Risikokontrolle und führe dann unter Lokalanästhesie die AIT an allen Taschen ab 4 mm durch. Ich kombiniere schlanke Ultraschallansätze mit flächenspezifischen Küretten, arbeite systematisch und substanzschonend und schließe die Strecke möglichst innerhalb von vier Wochen ab. Nach drei bis sechs Monaten folgt die BEV.“

64 · KP-Fall B

Isolierte 7-mm-Resttasche distal 16 nach guter Gesamtantwort

Fall: Drei Monate nach abgeschlossener AIT: Full-Mouth-Plaquescore niedrig, BOP von 42 % auf 9 % reduziert. Fast alle Stellen ≤4 mm ohne BOP. Distal 16 persistieren 7 mm mit BOP und Suppuration; Furkation bukkal Grad II, mesialer Röntgenbefund unauffällig.

Nicht vorschnell

Messung und Diagnose prüfen

TST reproduzieren, Suppuration bestätigen, Sensibilität/Perkussion, Restaurationsrand, Frakturzeichen und Wurzelanatomie beurteilen.

Lokal

Zugang wahrscheinlich begrenzt

Distale Molarenfläche und Furkation sind anatomisch schwierig; übersehene Ablagerung oder komplexe Defektmorphologie möglich.

Entscheidung

CPT erörtern

Bei bestätigter erhaltungswürdiger ≥6-mm-Resttasche chirurgischen Zugang und Furkationsstrategie nach Aufklärung prüfen.

Alternative

Wenn Operation nicht möglich

Gezielte Reinstrumentierung und engmaschige UPT als Mindeststrategie; Grenzen und Prognose transparent dokumentieren.

„Die gute Gesamtantwort spricht gegen ein generelles Adhärenzproblem. Ich kläre die isolierte Stelle differentialdiagnostisch. Bei bestätigter 7-mm-Resttasche mit Entzündung und Furkationsbefall prüfe ich wegen des begrenzten geschlossenen Zugangs ein offenes Vorgehen.“

65 · Fehleranalyse

Typische Fehler – und die präzise Korrektur

FehlerWarum problematisch?Korrektur
AIT = „Zahnstein wegkratzen“Biofilm, Entzündung, Risikofaktoren und Reevaluation fehlen.Stufenweise Ursache-Wirkungs-Logik erklären.
Jede Wurzel „glasglatt“ hobelnUnnötiger Zement-/Dentinabtrag und Sensibilität.Substanzschonende Biofilm-/Konkrementkontrolle.
Scaler tief subgingival einsetzenSpitze und Querschnitt traumatisieren Gewebe.Kürette oder geeigneten schlanken Ansatz wählen.
Gracey 11/12 distal verwendenFalsche Flächenadaptation.11/12 mesial, 13/14 distal.
Arbeitsende vollständig anlegenZehe hebt ab; Gewebetrauma.Nur vorderes Drittel adaptieren.
Mit geschlossenem Winkel scalenKonkrement wird brüniert.Zum Arbeiten ungefähr 70–80° einstellen.
Ultraschallspitze punktuell drückenWärme und Substanzschaden, gedämpfte Schwingung.Laterale Fläche, leichter Druck, ständige Bewegung, Wasser.
Antibiotikum routinemäßigNebenwirkungen und Resistenzen ohne sichere Indikation.Nur eng ausgewählt und nie als Ersatz für die mechanische Instrumentierung.
Laser als automatische AufwertungKein belegter routinemäßiger Zusatznutzen.Mechanische Instrumentierung als Standard.
BEV nach sechs Wochen als GKV-RegelAktuelle PAR-Richtlinie verlangt 3–6 Monate.Frühe Kontrolle von formaler BEVa unterscheiden.
Jede 5-mm-Stelle operierenEntzündung und Verlauf werden ignoriert.5 mm ohne BOP überwachen; 4–5 mm mit BOP Ursachen/reinstrumentieren.
Jede ≥6-mm-Stelle blind operierenDiagnose, Erhaltbarkeit, Ästhetik, Risiko und Patientenwunsch fehlen.CPT strukturiert prüfen und gemeinsam entscheiden.
66 · Mündliche Prüfung

Die 90-Sekunden-Antwort

„Die nichtchirurgische Parodontaltherapie ist die zweite Stufe der systematischen Behandlung. Voraussetzung sind eine gesicherte Diagnose mit Parodontalstatus, Aufklärung, patientenindividuelle Mundhygieneunterweisung und die Kontrolle beeinflussbarer Risiken. In der GKV erfolgt die antiinfektiöse Therapie geschlossen an Taschen mit einer Sondierungstiefe ab 4 mm und soll möglichst innerhalb von vier Wochen abgeschlossen werden.

Nach Aktualisierung der Anamnese und ausreichender Lokalanästhesie entferne beziehungsweise reduziere ich subgingivalen Biofilm und klinisch erreichbare Konkremente. Dafür kann ich Handinstrumente, Schall-/Ultraschallinstrumente oder eine Kombination verwenden; klinisch ist keine Instrumentengruppe generell überlegen. Bei Gracey-Küretten verwende ich beispielsweise 11/12 mesial und 13/14 distal, adaptiere nur das vordere Drittel und arbeite mit kontrollierten überlappenden Zügen. Ziel ist eine substanzschonende Infektionskontrolle, nicht die aggressive Entfernung des Wurzelzements. Routinemäßige Weichgewebskürettage, Antibiotika, Laser oder aPDT sind kein Standard.

Nach der Heilung führe ich in der GKV drei bis sechs Monate nach AIT die Befundevaluation durch. Ich vergleiche insbesondere TST, BOP, Suppuration, CAL, Plaque, Mobilität und Furkation. Ziel sind keine blutenden Taschen über 4 mm und keine Taschen ab 6 mm. 4–5-mm-Resttaschen mit Entzündung instrumentiere ich nach Ursachenprüfung gezielt erneut; bei bestätigten tiefen Resttaschen ab 6 mm prüfe ich eine chirurgische Therapie. Bei erreichtem Endpunkt geht der Patient in die UPT.“

Sprechzeit bei ruhigem Prüfungstempo ungefähr 90–110 Sekunden. Bei Rückfragen zuerst Instrumententechnik, dann Reevaluation vertiefen.

67 · Schnellprüfung

26 Prüfungsfragen und 26 KP-Sätze

26 häufige Prüfungsfragen mit Kurzantwort

1. Was bedeutet AIT?
AIT bedeutet antiinfektiöse Therapie. In der deutschen PAR-Richtlinie ist damit das geschlossene Vorgehen gemeint, bei dem an indizierten Taschen supra- und klinisch erreichbare subgingivale weiche und harte Beläge entfernt werden.
2. Was ist das Hauptziel der subgingivalen Instrumentierung?
Subgingivalen Biofilm disruptieren und klinisch erreichbare Konkremente entfernen beziehungsweise reduzieren, damit Entzündung, BOP, Suppuration, Sondierungstiefe und Zahl erkrankter Stellen abnehmen.
3. Ab welcher Sondierungstiefe erfolgt die AIT nach PAR-Richtlinie?
Bei Zahnfleischtaschen mit einer Sondierungstiefe von 4 mm und mehr.
4. In welchem Zeitraum sollte die AIT abgeschlossen werden?
Nach Möglichkeit innerhalb von vier Wochen.
5. Ist ein bestimmter Plaqueindex zwingende Voraussetzung für die AIT?
Nein. Die aktuelle PAR-Richtlinie nennt keinen starren Plaque-Grenzwert. Mundhygiene, Fähigkeit und Barrieren müssen trotzdem aktiv beurteilt und verbessert werden.
6. Sind Handinstrumente besser als Ultraschallinstrumente?
Nicht generell. EFP und systematische Evidenz zeigen klinisch vergleichbare Ergebnisse; Hand-, Schall-/Ultraschallinstrumente oder eine Kombination sind möglich.
7. Was unterscheidet Sichelscaler und Kürette?
Der Sichelscaler hat einen dreieckigen Querschnitt und eine spitze Zehe und wird primär supragingival eingesetzt. Die Kürette hat einen halbkreisförmigen Querschnitt und eine abgerundete Zehe und eignet sich besser subgingival.
8. Was unterscheidet Universal- und Gracey-Kürette?
Die Universalkürette hat zwei nutzbare Schneidekanten und ist an vielen Flächen einsetzbar. Die Gracey-Kürette ist flächenspezifisch abgewinkelt; nur die untere Schneidekante arbeitet.
9. Welche Gracey-Küretten verwende ich mesial und distal im Seitenzahnbereich?
Gracey 11/12 für mesiale und Gracey 13/14 für distale Seitenzahnflächen; 15/16 beziehungsweise 17/18 sind modifizierte Alternativen.
10. Welcher Teil der Kürette wird adaptiert?
Das vordere Drittel des Arbeitsendes beziehungsweise die ersten 1–2 mm der Schneidekante.
11. Wie groß ist der Arbeitswinkel beim Scaling?
Als Orientierung meist etwa 70–80° zwischen Fazialfläche und Zahnoberfläche. Zum Einführen wird der Winkel zunächst nahezu geschlossen.
12. Welche Arbeitszüge gibt es?
Leichte Explorationszüge, kurze kräftigere Scalingzüge zur Konkremententfernung und längere leichtere überlappende Züge zur Feinbearbeitung; Richtung vertikal, schräg oder horizontal.
13. Muss die Wurzel nach AIT spiegelglatt sein?
Nein. Ziel ist eine biologisch verträgliche, biofilm- und soweit erreichbar konkrementfreie Oberfläche bei maximaler Substanzschonung – kein unnötiger Zementabtrag.
14. Gehört eine Weichgewebskürettage routinemäßig dazu?
Nein. Das absichtliche Ausschaben des Taschenepithels zeigt keinen überzeugenden routinemäßigen Zusatznutzen zur sorgfältigen subgingivalen Instrumentierung.
15. Wird die AIT unter Lokalanästhesie durchgeführt?
Bei schmerzhafter subgingivaler Instrumentierung in der Regel ja, angepasst an Region, Umfang, Anamnese und Patientenbedarf. Schmerzfreiheit verbessert kontrolliertes Arbeiten.
16. Ist Full-Mouth-Instrumentierung besser als quadrantenweise Therapie?
Nein, nicht generell. Beide Verfahren können wirksam sein. Auswahl nach Allgemeingesundheit, Umfang, Belastbarkeit, Organisation und Präferenz.
17. Soll ein Laser routinemäßig zusätzlich eingesetzt werden?
Nein. Die EFP empfiehlt Laser nicht als routinemäßigen Zusatz zur subgingivalen Instrumentierung; ein überlegener Standardnutzen ist nicht belegt.
18. Bekommt jeder Patient Antibiotika zur AIT?
Nein. Routinegabe ist wegen Nebenwirkungen und Resistenzen nicht empfohlen. Nur spezielle Patientengruppen können nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung infrage kommen.
19. Kann Air-Polishing Konkremente entfernen?
Niedrigabrasives subgingivales Air-Polishing ist vor allem für Biofilm geeignet. Massives mineralisiertes Konkrement benötigt geeignete Hand- oder maschinelle Instrumente.
20. Welche klinischen Verbesserungen sind nach AIT zu erwarten?
Weniger BOP/Suppuration, geringere Sondierungstiefen, weniger erkrankte Stellen und häufig klinischer Attachmentgewinn. Tiefere Ausgangstaschen zeigen meist die größere Tiefenreduktion.
21. Warum entstehen nach AIT Rezessionen und offene Dreiecke?
Entzündliches Ödem geht zurück, die Gingiva schrumpft und adaptiert sich neu. Das ist oft Ausdruck der Entzündungsreduktion, muss aber vorab ästhetisch und funktionell erklärt werden.
22. Wann erfolgt die erste Befundevaluation in der GKV?
Drei bis sechs Monate nach Beendigung der AIT. Frühere Kontrollen können Beschwerden und Mundhygiene prüfen, ersetzen aber die BEVa nicht.
23. Was wird bei der Reevaluation beurteilt?
Mindestens TST/BOP, Lockerung, Furkation und Röntgenbefund nach PAR-Richtlinie; klinisch zusätzlich Plaque, Suppuration, Rezession/CAL, Risiken, Beschwerden und Prognose.
24. Wie ist Taschenverschluss definiert?
Stellenbezogen als Sondierungstiefe ≤4 mm ohne Blutung auf Sondieren.
25. Was tun bei einer 4–5-mm-Resttasche mit BOP?
Messung und Ursache prüfen, supragingivale/iatrogene Faktoren korrigieren und die betroffene Stelle in der Regel gezielt subgingival reinstrumentieren.
26. Was tun bei einer Resttasche ab 6 mm?
Diagnose, Erhaltungswürdigkeit, Defektmorphologie, Furkation, Risiken und Qualität der Vorbehandlung prüfen. Bei bestätigter tiefer entzündeter Resttasche eine chirurgische Therapie beziehungsweise Überweisung gemeinsam erörtern.

26 KP-Sätze zum schnellen Wiederholen

  1. Die AIT ist die antiinfektiöse Therapie im geschlossenen Vorgehen.
  2. Subgingivale Instrumentierung ist der moderne Oberbegriff für nichtchirurgische Bearbeitung subgingivaler Zahn- und Wurzeloberflächen.
  3. Der Grund dafür ist die mechanische Disruption des Biofilms und die Entfernung klinisch erreichbarer Konkremente.
  4. Nach der PAR-Richtlinie behandle ich Taschen ab einer Sondierungstiefe von 4 mm.
  5. Die gesamte AIT sollte nach Möglichkeit innerhalb von vier Wochen abgeschlossen werden.
  6. Ein starrer Plaque-Grenzwert ist keine Voraussetzung der AIT, die Mundhygienekontrolle bleibt aber essenziell.
  7. Hand-, Schall- und Ultraschallinstrumente können allein oder kombiniert eingesetzt werden.
  8. Die Instrumentenwahl richtet sich nach Taschentiefe, Ablagerung, Wurzelanatomie und Patientensituation.
  9. Der Sichelscaler ist wegen seiner spitzen Zehe primär ein supragingivales Instrument.
  10. Universalküretten besitzen zwei, Gracey-Küretten eine aktive Schneidekante.
  11. Gracey 11/12 verwende ich mesial und Gracey 13/14 distal an Seitenzähnen.
  12. Ich adaptiere nur das vordere Drittel des Arbeitsendes an die Wurzeloberfläche.
  13. Zum Einführen schließe ich den Winkel; zum Scaling arbeite ich ungefähr bei 70–80°.
  14. Kurze kräftige Züge lösen Konkrement, leichtere überlappende Züge dienen der Feinbearbeitung.
  15. Eine stumpfe Kürette erhöht den Kraftbedarf und kann Konkrement brünieren.
  16. Beim Ultraschall arbeite ich mit lateraler Ansatzfläche, leichtem Druck, ausreichender Kühlung und ständiger Bewegung.
  17. Das Therapieziel ist Infektionskontrolle bei maximaler Substanzschonung, nicht die Entfernung des gesamten Wurzelzements.
  18. Eine routinemäßige Weichgewebskürettage ist nicht erforderlich.
  19. Laser, aPDT und systemische Antibiotika sind kein routinemäßiger Ersatz oder Zusatz zur mechanischen Basistherapie.
  20. Quadrantenweise und Full-Mouth-Instrumentierung sind mögliche, klinisch nicht generell überlegene Sitzungskonzepte.
  21. Nach der AIT können Rezession, offene Interdentalräume und vorübergehende Hypersensibilität auftreten.
  22. Die Sondierungstiefe nimmt durch Gingivarezession und klinischen Attachmentgewinn ab.
  23. Die GKV-Befundevaluation erfolgt drei bis sechs Monate nach Abschluss der AIT.
  24. Die Diagnose des Therapieerfolgs stelle ich anhand der Gesamtbefundung und des Vergleichs mit dem Ausgangsbefund.
  25. Bei 4–5 mm mit BOP prüfe ich die Ursache und instrumentiere gezielt erneut; bei ≥6 mm prüfe ich die chirurgische Therapie.
  26. Ob es gut ausgeht, hängt von gründlicher Instrumentierung, wirksamer Selbstpflege, Risikokontrolle und konsequenter UPT ab.
68 · Abschluss

Fachquellen und Ultra-Kurz-Zusammenfassung

Ausgewählte Fachquellen

  1. Hellwig E, Schäfer E, Klimek J, Attin T. Einführung in die Zahnerhaltung: Prüfungswissen Kariologie, Endodontologie und Parodontologie. 8., überarbeitete Auflage. Deutscher Zahnärzte Verlag; 2023. Besonders die Abschnitte zur systematischen Parodontitistherapie, subgingivalen Instrumentierung, Instrumentenkunde und Reevaluation.
  2. Müller H-P. Checklisten der Zahnmedizin: Parodontologie. 3., aktualisierte Auflage. Thieme; 2012. Abschnitte zu Phase I, Hand- und Ultraschallinstrumenten, Scaling/Wurzelglättung, Furkationen und Erhaltungstherapie.
  3. Weber T. Memorix Zahnmedizin. 3. Auflage. Thieme; 2010. Prüfungsgrundlagen zu Scaler, Universal- und Gracey-Küretten, Instrumentenführung und parodontaler Therapie; historische Detailangaben wurden aktuell abgeglichen.
  4. Sanz M, Herrera D, Kebschull M, et al. Treatment of stage I–III periodontitis—The EFP S3 level clinical practice guideline. J Clin Periodontol. 2020;47(Suppl 22):4–60. doi:10.1111/jcpe.13290
  5. DG PARO, DGZMK. Die Behandlung von Parodontitis Stadium I bis III – deutsche Implementierung der EFP-S3-Leitlinie. AWMF-Registernummer 083-043. AWMF-Leitlinienseite. Die Fassung 2020–2025 befindet sich nach den Fachgesellschaftsangaben in Überarbeitung; aktuelle versorgungsrechtliche Details wurden daher mit der geltenden PAR-Richtlinie abgeglichen.
  6. Gemeinsamer Bundesausschuss. Richtlinie zur systematischen Behandlung von Parodontitis und anderer Parodontalerkrankungen (PAR-Richtlinie). Fassung vom 17.12.2020, zuletzt geändert am 19.12.2024; einschlägige Änderungen in Kraft seit 01.07.2025. G-BA PAR-Richtlinie
  7. Suvan J, Leira Y, Moreno Sancho FM, Graziani F, Derks J, Tomasi C. Subgingival instrumentation for treatment of periodontitis: a systematic review. J Clin Periodontol. 2020;47(Suppl 22):155–175. doi:10.1111/jcpe.13245
  8. Loos BG, Needleman I. Endpoints of active periodontal therapy. J Clin Periodontol. 2020;47(Suppl 22):61–71. doi:10.1111/jcpe.13253
  9. Sanz-Sánchez I, Montero E, Citterio F, Romano F, Molina A, Aimetti M. Efficacy of access flap procedures compared to subgingival debridement in the treatment of periodontitis: a systematic review and meta-analysis. J Clin Periodontol. 2020;47(Suppl 22):282–302. doi:10.1111/jcpe.13259
  10. Salvi GE, Stähli A, Schmidt JC, Ramseier CA, Sculean A, Walter C. Adjunctive laser or antimicrobial photodynamic therapy to non-surgical mechanical instrumentation in patients with untreated periodontitis: a systematic review and meta-analysis. J Clin Periodontol. 2020;47(Suppl 22):176–198. doi:10.1111/jcpe.13236
  11. Jervøe-Storm P-M, Eberhard J, Needleman I, Worthington HV, Jepsen S. Full-mouth treatment modalities (within 24 hours) for periodontitis in adults. Cochrane Database Syst Rev. 2022;6:CD004622. doi:10.1002/14651858.CD004622.pub4
  12. Cobb CM, Sottosanti JS. A re-evaluation of scaling and root planing. J Periodontol. 2021;92(10):1370–1378. doi:10.1002/JPER.20-0839
  13. Deutsche Gesellschaft für Parodontologie. Leitlinien und Richtlinien Parodontologie. Übersicht einschließlich formaler Gültigkeitsstände. DG PARO Leitlinienübersicht

Redaktioneller Hinweis: Dieses Kapitel wurde eigenständig für die zahnärztliche Kenntnisprüfung formuliert. Die drei bereitgestellten deutschsprachigen Lehrbücher bilden die didaktische und instrumentenkundliche Buchgrundlage. Ältere Aussagen – beispielsweise routinemäßig aggressives Root Planing, pauschale Kontraindikationen für Ultraschall, feste frühe Reevaluationsintervalle oder die routinemäßige Weichgewebskürettage – wurden nicht ungeprüft übernommen. Sie wurden mit der EFP-S3-Leitlinie, systematischen Reviews und der aktuell geltenden deutschen PAR-Richtlinie abgeglichen. Die Inhalte ersetzen keine patientenindividuelle Diagnostik, Aufklärung, Herstellerinformation oder Therapieentscheidung.

Ultra-Kurz-Zusammenfassung

Kern: Die nichtchirurgische Parodontaltherapie ist Therapiestufe 2. In der GKV werden im geschlossenen Vorgehen an Taschen ab 4 mm alle supra- und klinisch erreichbaren subgingivalen Biofilme und Konkremente entfernt; Abschluss möglichst innerhalb von vier Wochen. Handinstrumente, Schall-/Ultraschallgeräte oder ihre Kombination sind klinisch mögliche gleichwertige Wege. Scaler sind primär supragingival; Küretten haben eine abgerundete Zehe. Gracey 11/12 = mesial, 13/14 = distal. Vorderes Drittel adaptieren, zum Einführen Winkel schließen, zum Scaling etwa 70–80°, kontrolliert überlappend arbeiten. Ziel ist Infektionskontrolle bei Substanzerhalt – keine aggressive Zementabtragung und keine routinemäßige Weichgewebskürettage. Antibiotika, Laser und aPDT sind keine Routine. Nach AIT sind Entzündungsrückgang, TST-Reduktion durch Rezession plus Attachmentgewinn und vorübergehende Sensibilität möglich. Die BEVa folgt nach 3–6 Monaten. Endpunkt: keine blutende Tasche >4 mm und keine Tasche ≥6 mm. 4–5 mm mit BOP → Ursache prüfen und gezielt reinstrumentieren; ≥6 mm → chirurgischen Zugang strukturiert prüfen; bei Erfolg → UPT. Ob es gut ausgeht, hängt von vollständiger Instrumentierung, wirksamer Selbstpflege, Risikokontrolle und langfristiger UPT ab.
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