Kenntnisprüfung Zahnmedizin · Parodontologie · Kapitel 6

Parodontale Diagnostik – Befund, Screening, PA-Status und Bildgebung

Vom schnellen PSI zum vollständigen, reproduzierbaren Gesamtbefund: Sondierungstiefe, CAL, BOP, Furkation, Beweglichkeit und Röntgenbefund korrekt erheben, zusammenführen und differenzialdiagnostisch bewerten.

KP NiedersachsenParodontologie68 LernabschnitteStand September 2026
01 · Eine Zahl ist noch keine Diagnose

Der klinische Einstieg

Ein 52-jähriger Patient ist beschwerdefrei. Der PSI zeigt in einem Sextanten Code 4. Bedeutet das automatisch „schwere Parodontitis“?

Screening

PSI Code 4

Die schwarze Markierung der Sonde verschwindet an mindestens einer Stelle: Es liegt eine Sondierungstiefe über 5,5 mm vor.

Diagnose

Noch offen

Eine Pseudotasche, ein parodontaler Attachmentverlust, eine endodontische Drainage oder eine vertikale Wurzelfraktur können ähnlich sondierbar sein.

Leitsatz: Die Diagnose stelle ich anhand der Gesamtbefundung. Der PSI entscheidet, ob weiter untersucht werden muss; er ersetzt weder den vollständigen PA-Status noch die Differenzialdiagnose.

02 · Von der Frage zur Diagnose

Die diagnostische Denkfolge

1
Anamnese und AnlassBeschwerden, Vorgeschichte, Risiken, Medikamente und bisherige Befunde erfassen.
2
ScreeningMit dem PSI Behandlungs- und weiterführenden Untersuchungsbedarf erkennen.
3
Vollständiger klinischer StatusSechs Stellen pro Zahn, CAL, BOP, Plaque, Furkation, Beweglichkeit und lokale Faktoren dokumentieren.
4
BildgebungRechtfertigend indizierte, auswertbare Aufnahmen mit klinischem Befund korrelieren.
5
DifferenzialdiagnoseNicht parodontitisbedingte Ursachen für CAL, tiefe isolierte Taschen und Knochenabbau ausschließen.
6
Diagnose und DokumentationFalldefinition, Ausmaß, Staging/Grading, Akuität und behandlungsrelevante Einzelbefunde zusammenführen.
Merkkette: A–S–K–B–D–D = Anamnese, Screening, Klinik, Bildgebung, Differenzialdiagnose, Diagnose.
03 · Was am Ende sitzen muss

Lernziele für die Kenntnisprüfung

  • PSI korrekt erheben, codieren und seine Grenzen benennen.
  • Einen reproduzierbaren parodontalen Full-Mouth-Status anlegen.
  • Sondierungstiefe, Gingivarandlage und klinischen Attachmentlevel unterscheiden und berechnen.
  • BOP, Suppuration, Plaque, Furkation und Zahnbeweglichkeit interpretieren.
  • Röntgenaufnahmen auswählen, Knochenabbau beschreiben und RBL/Alter bestimmen.
  • Vertikale Fraktur, endodontische Läsion, Rezession, Pseudotasche und andere Ursachen abgrenzen.
  • Den klinischen Komplettbefund von den Mindestangaben der deutschen PAR-Richtlinie unterscheiden.
04 · Zwei verschiedene Aufgaben

Screening ist nicht Diagnostik

ScreeningDiagnostik
ZielVerdächtige Personen oder Sextanten rasch erkennen.Erkrankung bestätigen, Ursache abgrenzen und Ausmaß erfassen.
InstrumentPSI mit höchstem Code je Sextant.Vollständiger klinischer Status, Bildgebung und gezielte Zusatzbefunde.
ErgebnisHandlungsbedarf, keine abschließende Diagnose.Gesicherte Diagnose und Grundlage der Therapieplanung.
DetailgradInformation wird bewusst verdichtet.Stellen- und zahnbezogene Information bleibt erhalten.
Prüfungsfalle: „PSI 4 = schwere Parodontitis“ ist falsch. Code 4 bedeutet zunächst nur: An mindestens einer Stelle ist die Sondierungstiefe größer als 5,5 mm; jetzt ist eine vollständige Abklärung erforderlich.
05 · Patient, Zahn und Messstelle

Drei Ebenen müssen zusammenpassen

Patient

Falldiagnose

Parodontal gesund, Gingivitis, Parodontitis oder andere parodontale Erkrankung; bei Parodontitis zusätzlich Stadium, Grad und Ausmaß.

Zahn

Prognostische Einheit

Attachment, Knochenstütze, Furkation, Mobilität, Endodont, Restaurierbarkeit und strategischer Wert.

Stelle

Aktueller Messort

PD, Gingivarand, CAL, BOP, Suppuration und Plaque an einem definierten Punkt.

Zeit

Verlauf

Erst Vergleich standardisierter Befunde zeigt echte Stabilität, Progression oder Therapieantwort.

Ein Patient kann eine generalisierte Falldiagnose haben, während nur einzelne Stellen behandlungsbedürftig aktiv erscheinen. Umgekehrt beweist eine einzelne tiefe Stelle noch keine generalisierte Krankheit.

06 · Vor der Sonde kommt die Anamnese

Allgemeinanamnese mit parodontaler Relevanz

  • Erkrankungen: Diabetes, kardiovaskuläre, immunologische, hämatologische und renale Erkrankungen; Schwangerschaft.
  • Medikation: Antithrombotika, Immunsuppressiva, Antiresorptiva, Kortikosteroide sowie gingivavergrößernde oder xerogene Medikamente.
  • Allergien und Infektionsrisiken: relevant für sichere Untersuchung und spätere Therapie.
  • Tabak/Nikotin: Produkt, Menge, Dauer und aktueller Status.
  • Behandlungsfähigkeit: Blutungsrisiko, Kreislauf, Belastbarkeit, Notfallrisiken und ärztliche Mitbehandlung.

Die strukturierte Risikoeinordnung ist in Kapitel 5 ausführlich dargestellt.

07 · Krankheit ist mehr als der heutige Befund

Parodontale und zahnärztliche Anamnese

  • Beginn und Dauer von Blutung, Schwellung, Schmerz, Eiteraustritt, Mundgeruch, Lockerung oder Zahnwanderung.
  • Frühere PAR-Diagnosen, Instrumentierungen, Operationen und UPT; letzte Behandlung und Recall-Adhärenz.
  • Frühere Extraktionen mit Ursache: Parodontitis, Karies, Trauma, Endodont oder unbekannt.
  • Familienanamnese mit frühem Zahnverlust oder rascher Destruktion.
  • Mundhygienehilfsmittel, Häufigkeit, Interdentalpflege, professionelle Betreuung und subjektive Barrieren.
  • Vorhandene alte PA-Statusblätter und diagnostisch verwertbare Röntgenbilder für den direkten Progressionsnachweis.

KP-Satz: Für das Grading ist ein echter zeitlicher Vergleich stärker als jede Momentaufnahme. Deshalb frage ich gezielt nach alten Befunden und kläre die Ursachen fehlender Zähne.

08 · Befund und Risiko getrennt erfassen

Das Risikoprofil ergänzt die Diagnose

Rauchen, Hyperglykämie, frühere Progression, Adhärenz und lokale Reinigungsfähigkeit verändern die Interpretation des Befunds und die Planung. Sie ersetzen aber nicht die klinische Falldefinition. Umgekehrt kann ein Patient trotz geringer aktueller BOP-Werte aufgrund behandelter Parodontitis ein lebenslang erhöhtes Rezidivrisiko behalten.

Wichtig: Rauchen kann Rötung und Sondierungsblutung maskieren. Ein niedriger BOP-Wert wird deshalb nie ohne CAL, PD, Röntgenbefund und Verlauf als Entwarnung gewertet.
09 · Beschwerdefrei schließt Krankheit nicht aus

Leitsymptome und dringliche Befunde

BefundMögliche BedeutungSofortige Frage
Spontanschmerz, Schwellung, SuppurationParodontalabszess, Endo-Paro-Läsion oder akute Exazerbation.Fluktuation, Fieber, Ausbreitung, Vitalität und Drainageweg?
Ulzeration, Papillennekrose, FoetorNekrotisierende parodontale Erkrankung.Immunsuppression, Allgemeinsymptome, Ernährung, Stress?
Isolierte tiefe Tasche am wurzelgefüllten ZahnVertikale Wurzelfraktur oder endodontischer Drainageweg.Ist der Befund schmal, lokalisiert und mit Sinus tract oder J-förmiger Aufhellung verbunden?
Rasch zunehmende Schwellung mit Schluck-/AtembeschwerdenAusbreitende odontogene Infektion.Atemweg und Allgemeinzustand sichern; dringliche Weiterbehandlung.
10 · Der Mund gehört zum Patienten

Extraorale Untersuchung

Beurteilt werden Gesichtsasymmetrie, Schwellung, Hautveränderungen, Lymphknoten, Mundöffnung und bei Beschwerden die Kaumuskulatur beziehungsweise Kiefergelenke. Bei akuter Infektion kommen Allgemeinzustand, Temperatur, Schluck- und Atemfunktion hinzu.

Grenze: Die routinemäßige parodontale Diagnose ist überwiegend intraoral. Extraorale Zeichen werden besonders wichtig, wenn Schmerz, akute Schwellung, systemische Symptome oder eine andere Erkrankung als Differenzialdiagnose vorliegen.
11 · Erst sehen, dann messen

Systematischer intraoraler Überblick

  • Zahnzahl, Zahndurchbruch, Fehlstellungen, Diastemata, Migration und okklusale Verhältnisse.
  • Schleimhäute, Zunge, Mundboden, Speichelmenge und auffällige Läsionen.
  • Plaque, Zahnstein, Verfärbungen, Karies, iatrogene Überhänge und prothetische Reinigbarkeit.
  • Gingivafarbe, Kontur, Konsistenz, Oberflächenstruktur, Volumen und Ulzerationen.
  • Rezessionen, mukogingivale Probleme, Fisteln, Suppuration und akute Schwellungen.
Implantatgrenze: Implantate werden beim intraoralen Überblick mit erfasst. Die spezifischen periimplantären Referenzmessungen, Diagnosen und Bildgebungsregeln werden jedoch gebündelt in Kapitel 13 behandelt.
12 · Die Gingiva beschreiben, nicht nur „entzündet“ nennen

Inspektionsbefund der Gingiva

MerkmalUnauffälligMögliche Veränderung
FarbeIndividuell blassrosa bis physiologisch pigmentiert.Erythem, livide Färbung, Weißveränderung oder Pigmentstörung.
KonturSchlanker, girlandenförmiger Verlauf; Papille füllt den Interdentalraum.Ödematös, gerollt, hyperplastisch, kraterförmig oder rezessiv.
KonsistenzFest und resilient.Weich-ödematös oder fibrotisch derb.
OberflächeJe nach Region glatt oder gestippelt.Glänzend, ulzeriert, desquamiert oder nekrotisch.

Die Farbe allein ist unspezifisch. Eine definitive Entzündungseinschätzung stützt sich auf BOP und Gesamtbefund.

13 · Wenige Instrumente, klare Funktionen

Instrumentarium der parodontalen Befunderhebung

Screening

WHO-/PSI-Sonde

Kugelspitze mit 0,5 mm Durchmesser und schwarzem Band von 3,5 bis 5,5 mm; erleichtert PSI-Codierung.

Status

Millimeterskalierte Sonde

Zum Ablesen von PD, Gingivarandlage und CAL; verwendetes Modell konsistent dokumentieren.

Furkation

Nabers-Sonde

Gebogene Sonde zur horizontalen Exploration von Furkationseingängen.

Ergänzung

Spiegel, Pinzette, Sonde

Inspektion, Plaque-/Zahnsteinbeurteilung, Karies- und Restaurationskontrolle; bei Bedarf Mobilitätsprüfung mit zwei starren Griffen.

14 · Messsystem konstant halten

Sondenwahl und Untersucherkalibrierung

Unterschiedliche Sonden besitzen verschiedene Durchmesser, Spitzenformen und Skalierungen. Für Verlaufskontrollen sollten möglichst dieselbe Sondenart, dieselben Messstellen, vergleichbarer Druck und eine standardisierte Dokumentation verwendet werden. Kalibrierung bedeutet, wiederholt identische Stellen zu messen und Abweichungen zu erkennen.

  • Skalierung vor Beginn sicher kennen; Farbband nicht mit Millimeterzahlen verwechseln.
  • Sonde auf Beschädigung, Abrieb und Lesbarkeit prüfen.
  • Bei digitaler oder druckkontrollierter Sonde Funktionskontrolle durchführen.
  • Bei mehreren Untersuchenden gemeinsame Messregeln trainieren.
15 · Ein Zahn hat keine einzelne Taschentiefe

Sechs Stellen pro Zahn

Für den klinisch vollständigen Full-Mouth-Status werden pro Zahn sechs Stellen untersucht: mesiobukkal, bukkal, distobukkal, mesiooral, oral und distooral. Approximal wird die Sonde unter dem Kontaktpunkt so weit wie anatomisch möglich in Richtung der Col geführt.

BukkalOral/lingual/palatinal
Mesiobukkal · bukkal · distobukkalMesiooral · oral · distooral
Prüfungsfalle: Zwei Messstellen pro Zahn sind die formale Mindestanforderung des deutschen GKV-PAR-Status, nicht der diagnostische Goldstandard eines vollständigen Sechs-Punkt-Befunds.
16 · Parallel, gleitend, kontrolliert

Die korrekte Sondierungstechnik

  1. Sonde vorsichtig in den Sulkus einführen, Spitze in Kontakt mit der Zahnoberfläche.
  2. Sondenschaft möglichst parallel zur Zahnachse halten; an Approximalflächen leicht unter den Kontaktpunkt neigen.
  3. Mit kurzen „walking strokes“ zirkulär gleiten und die tiefste Stelle des jeweiligen Messbereichs erfassen.
  4. Millimeterwert auf Höhe des Gingivarands ablesen; nicht schätzen und nicht den Mittelwert dokumentieren.
  5. BOP nach standardisiertem Zeitfenster erfassen und getrennt vom Tiefenwert eintragen.

Bei ausgeprägten Konturen, Furkationen und Fehlstellungen wird die Sonde der Wurzelanatomie angepasst, ohne den Druck zu erhöhen.

17 · Sanft heißt reproduzierbar

Der Sondierungsdruck

Als Referenz gilt ein leichter Druck von ungefähr 0,2–0,25 N. Praktisch entspricht das etwa 20–25 g. Zu hoher Druck kann entzündetes Taschenepithel durchdringen, Schmerzen und falsch hohe Werte erzeugen; zu geringer Druck unterschätzt die Tiefe.

KP-Satz: Ich sondiere mit ungefähr 0,25 N, halte die Sonde wurzelparallel und erfasse sechs Stellen pro Zahn. Der Grund dafür ist, dass Druck, Winkel und Gewebeentzündung die Messung beeinflussen.

18 · Millimeterwerte sind Messwerte, keine Naturkonstanten

Fehlerquellen und Reproduzierbarkeit

EinflussMöglicher EffektKontrolle
SondierungsdruckZu tief oder zu flach.Leichter standardisierter Druck.
Winkel und ZugangTiefste Stelle wird verfehlt.Walking strokes, Approximalneigung, gute Sicht.
EntzündungSonde dringt leichter apikal in das Gewebe ein.BOP dokumentieren; Therapiezeitpunkt berücksichtigen.
Zahnstein/ÜberhangSonde wird koronal gestoppt oder abgelenkt.Lokalen Faktor notieren und nach Entfernung reevaluieren.
GingivarandlagePD verändert sich ohne echten Attachmentgewinn/-verlust.CAL beziehungsweise Gingivarandlage zusätzlich erfassen.
Untersucher/SondenmodellSystematische Unterschiede.Kalibrieren und Messsystem konstant halten.

Nach Entzündungsreduktion kann die PD sinken, weil Ödem zurückgeht, Gewebe fester wird und der Gingivarand apikal wandert. Das ist nicht automatisch histologische Regeneration.

19 · Beweglicher Referenzpunkt

Sondierungstiefe: Gingivarand bis Taschenboden

Die Sondierungstiefe (probing depth, PD) ist die Distanz vom freien Gingivarand bis zum klinisch sondierbaren Sulkus- beziehungsweise Taschenboden. Sie beschreibt den aktuellen Zugang und ist für Instrumentierbarkeit und Therapiekontrolle wichtig.

Grenze: Der Gingivarand kann durch Schwellung koronal oder durch Rezession apikal liegen. Deshalb beweist eine große PD allein keinen Attachmentverlust, und eine kleine PD schließt bei Rezession einen großen Attachmentverlust nicht aus.
20 · Die zweite Strecke

Gingivarandlage relativ zur Schmelz-Zement-Grenze

Die Schmelz-Zement-Grenze (SZG/CEJ) ist der feste anatomische Bezugspunkt. Die Lage des Gingivarands wird zur CEJ dokumentiert:

  • Apikal der CEJ: klinische Rezession; der Wert wird zur PD addiert.
  • Auf Höhe der CEJ: keine Korrektur; CAL entspricht PD.
  • Koronal der CEJ: Gingivavergrößerung; die koronale Strecke wird von der PD abgezogen.

Ist die CEJ durch eine Restauration nicht tastbar, wird ein reproduzierbarer fester Referenzpunkt verwendet und ausdrücklich dokumentiert.

21 · Fester Referenzpunkt

Klinischer Attachmentlevel: CEJ bis Taschenboden

Der klinische Attachmentlevel (CAL) ist die Distanz von der CEJ zum sondierbaren Taschenboden. Er bildet den Verlust parodontaler Stützgewebe besser ab als die PD, weil sein koronaler Referenzpunkt fest ist.

PD

Aktuelle Taschentiefe

Relevant für Entzündungsnische, Instrumentierung und posttherapeutische Resttasche.

CAL

Kumulative Stützgewebsposition

Zentral für Falldefinition, Schweregrad und Verlaufsbeurteilung – sofern nicht parodontitisbedingte Ursachen ausgeschlossen sind.

22 · Drei klinische Situationen

CAL sicher berechnen

GingivarandBeispielBerechnungCAL
Apikal der CEJPD 5 mm, Rezession 3 mm5 + 38 mm
Auf CEJ-HöhePD 4 mm4 + 04 mm
2 mm koronal der CEJPD 6 mm, Gingivavergrößerung 2 mm6 − 24 mm

Prüfungsformel: CAL = PD + Gingivarandlage, wenn die Gingivarandlage mit Vorzeichen dokumentiert wird: apikal positiv, koronal negativ.

23 · Gleiche Tiefe, andere Biologie

Pseudotasche oder echte Parodontaltasche?

PseudotascheParodontaltasche
MechanismusKoronale Verlagerung beziehungsweise Vergrößerung der Gingiva.Apikale Verlagerung des epithelialen Attachments mit Stützgewebsverlust.
PDKann erhöht sein.Kann erhöht sein.
CALKein entsprechender entzündlicher Attachmentverlust.Attachmentverlust vorhanden.
RöntgenKein parodontitisbedingter Knochenverlust erforderlich.Je nach Stadium marginaler Knochenverlust sichtbar.
Der Grund dafür ist: Die PD benutzt den beweglichen Gingivarand als Referenz, der CAL die feste CEJ. Erst beide Strecken zusammen zeigen, ob Vertiefung und Attachmentverlust übereinstimmen.
24 · Entzündung am Taschenboden

Bleeding on Probing – BOP

Nach sanfter Sondierung wird jede Stelle dichotom als blutend oder nicht blutend dokumentiert. Der BOP-Prozentsatz lautet:

BOP % = blutende Messstellen ÷ alle untersuchten Messstellen × 100.

  • Ein positiver BOP zeigt entzündetes, vulnerables Gewebe, ist aber allein kein sicherer Progressionsbeweis.
  • Wiederholt fehlender BOP besitzt einen hohen negativen Vorhersagewert für Stabilität.
  • Rauchen kann Blutungszeichen dämpfen; Sondierungsdruck und Trauma können sie verstärken.
  • Bei einem erfolgreich behandelten stabilen Parodontitispatienten gelten BOP <10 %, PD ≤4 mm und keine Stelle ≥4 mm mit BOP als klinisches Stabilitätsprofil.
Nicht verwechseln: BOP beschreibt Entzündung; CAL und RBL beschreiben bereits eingetretenen Stützgewebsverlust.
25 · Eiter ist ein Warnsignal

Suppuration erfassen und einordnen

Suppuration wird spontan oder nach vorsichtigem Druck beziehungsweise Sondierung am Sulkus sichtbar. Sie spricht für eine ausgeprägte lokale Entzündungsreaktion und hohe neutrophile Belastung, ist aber weder Voraussetzung noch alleiniger Beweis aktueller Progression.

  • Stelle, Menge, Schmerz, Schwellung und Drainageweg dokumentieren.
  • Parodontalabszess, endodontische Läsion, Perikoronitis und Fremdkörperreaktion abgrenzen.
  • Vitalität, Perkussion und Röntgenbefund ergänzen.
  • Bei Allgemeinsymptomen oder Ausbreitung die Dringlichkeit erhöhen.
26 · Ätiologie und Retention sichtbar machen

Plaque, Zahnstein und lokale Retentionsfaktoren

Weicher Biofilm wird sichtbar oder mit Sonde beziehungsweise Anfärbung erfasst. Supragingivaler und subgingivaler Zahnstein sowie Überhänge werden nach Ort dokumentiert. Plaque erklärt die aktuelle Hygienesituation, nicht automatisch das gesamte historische Ausmaß der Destruktion.

Biofilm

Modifizierbarer Initiator

Verteilung zeigt Risikostellen und ermöglicht individuelles Mundhygienetraining.

Zahnstein

Retentionsfaktor

Mineralisierte Ablagerung bietet raue Oberfläche; auf Röntgenbildern sichtbarer Zahnstein ist ein Hinweis, klinische Untersuchung bleibt nötig.

27 · Erfolg messbar machen

Plaqueindizes: PCR und API

IndexErhebungBerechnung und Nutzen
Plaque Control Record (PCR)Plaque meist an vier oder sechs definierten Flächen je Zahn; dichotom ja/nein.Positive Flächen ÷ untersuchte Flächen × 100; gut für individuelles Feedback und Verlauf.
Approximalraum-Plaque-Index (API)Plaque an Approximalräumen, häufig alternierend oral und vestibulär.Positive Approximalräume ÷ untersuchte Approximalräume × 100; fokussiert die interdentalen Risikozonen.

Das verwendete Protokoll muss benannt und bei Verlaufskontrollen beibehalten werden. Ein Prozentwert ohne definierte Messstellen ist nicht reproduzierbar.

28 · Blutung kann dichotom oder abgestuft erfasst werden

PBI, SBI, GI und BOP

IndexPrinzipPraktische Rolle
BOPBlutung nach Sondierung am Taschenboden, ja/nein.Zentraler stellenbezogener Entzündungs- und Verlaufsparameter.
PBIPapillenblutung nach Sulkuspassage, abgestuft.Motivation und Verlauf gingivaler Entzündung.
SBISulkusblutung, je nach Modifikation dichotom oder abgestuft.Gingivale Entzündung; Protokoll angeben.
Gingival IndexFarbe, Ödem und Blutung werden bewertet.Vor allem Lehre und Studien; subjektiver als ein klar definiertes BOP-Protokoll.
Prüfungstipp: Zuerst den Index ausschreiben und seine Messlogik nennen. Verschiedene Modifikationen besitzen unterschiedliche Flächen- und Bewertungsregeln.
29 · Periodontaler Screening-Index

Was der PSI leisten soll

Der PSI ist ein schneller, sextantenbezogener Suchtest. Er soll bei scheinbar gesunden oder beschwerdefreien Personen Auffälligkeiten erkennen, den weiterführenden Untersuchungsbedarf anzeigen und die Patienteninformation strukturieren.

  • Er komprimiert den schlechtesten Befund eines Sextanten in einen Code.
  • Er bildet keine vollständige Taschenkarte und keinen CAL-Verlauf ab.
  • Bei offensichtlicher Parodontalerkrankung kann direkt ein vollständiger Status erhoben werden; ein PSI ist keine diagnostische Eingangsvoraussetzung.
  • Im deutschen GKV-System ist das Ergebnis schriftlich zu erläutern und auf dem vorgesehenen Formular zu dokumentieren.
30 · Sechs Sextanten, höchster Code

PSI-Sonde und Untersuchungssystem

Die WHO-Sonde besitzt eine 0,5-mm-Kugelspitze und ein schwarzes Band zwischen 3,5 und 5,5 mm. Das Gebiss wird in sechs Sextanten eingeteilt. Bei Erwachsenen werden alle vorhandenen Zähne außer Weisheitszähnen an sechs Stellen sondiert; je Sextant wird nur der höchste Code dokumentiert.

SextantZahnbereich
S1 / S2 / S3Oberkiefer rechts posterior / Front / links posterior
S4 / S5 / S6Unterkiefer links posterior / Front / rechts posterior

Ist der höchstmögliche Befund eines Sextanten gefunden, darf die Suche dort beendet werden. Das spart Zeit, erklärt aber zugleich den Informationsverlust gegenüber dem Full-Mouth-Status.

31 · Schwarzes Band vollständig sichtbar

PSI-Code 0

Das schwarze Band bleibt vollständig sichtbar: Sondierungstiefe unter 3,5 mm. Zusätzlich bestehen keine Sondierungsblutung, kein Zahnstein und keine defekten Restaurationsränder.

Kurzantwort: Code 0 bedeutet im Sextanten kein BOP, keine harten Retentionsfaktoren und keine Sondierungstiefe ab 3,5 mm. Es ist der unauffälligste Screeningbefund.

32 · Blutung bei flachen Messwerten

PSI-Code 1

Das schwarze Band ist vollständig sichtbar, aber nach der Sondierung tritt Blutung auf. Zahnstein oder defekte Restaurationsränder, die Code 2 auslösen würden, liegen nicht vor.

Der Befund passt zu gingivaler Entzündung, beweist aber in der verdichteten PSI-Form weder deren Ausmaß noch ihre genaue Ursache. Anamnese, Plaqueverteilung und klinische Inspektion ergänzen die Einordnung.

33 · Retentionsfaktoren bei sichtbarem Band

PSI-Code 2

Das schwarze Band bleibt vollständig sichtbar, jedoch werden supra- oder subgingivaler Zahnstein und/oder defekte beziehungsweise überhängende Restaurationsränder festgestellt. BOP kann zusätzlich vorliegen, ändert den Sextantencode aber nicht weiter.

Prüfungsfalle: Code 2 bedeutet nicht „2 mm Tasche“. Die Zahl ist eine Befundkategorie und kein Millimeterwert.
34 · Band teilweise sichtbar

PSI-Code 3

Das schwarze Band ist nur teilweise sichtbar. Damit liegt die Sondierungstiefe an mindestens einer Stelle im Bereich von 3,5 bis 5,5 mm. Blutung, Zahnstein und Überhänge können zusätzlich vorhanden sein.

Bei Code 3 in zwei oder mehr Sextanten ist ein vollständiger Parodontalstatus angezeigt. Auch ein einzelner Code 3 kann bei zusätzlichen Risiken oder einem Sternbefund eine vertiefte Untersuchung verlangen.

35 · Band verschwindet vollständig

PSI-Code 4

Das schwarze Band verschwindet vollständig im Sulkus beziehungsweise in der Tasche. Die Sondierungstiefe beträgt damit mehr als 5,5 mm. Ein Code 4 in nur einem Sextanten reicht für die Indikation zum vollständigen Parodontalstatus.

Keine Diagnose: Auch Code 4 beweist noch keine Parodontitis. Besonders eine einzelne schmale tiefe Stelle verlangt die Abgrenzung von Pseudotasche, endodontischer Drainage, Wurzelfraktur, Resorption oder lokaler Anatomie.
36 · Zusatzzeichen bewahren wichtige Information

PSI-Stern und Kennzeichnung X

*

Sternbefund

Furkationsbeteiligung, mukogingivales Problem, Rezession ≥3,5 mm oder Zahnbeweglichkeit. Der gemessene Code bleibt dokumentiert; die Handlungsempfehlung wird eine Stufe höher eingeordnet.

X

Nicht wertbarer Sextant

Ein Sextant ohne Zähne oder mit nur einem Zahn wird X markiert. Ein einzelner Zahn wird bei der Messung dem benachbarten Sextanten zugeordnet.

Der Stern ist kein Ersatz für die genaue Gradangabe von Furkation, Rezession oder Mobilität im anschließenden Komplettbefund.

37 · Durchbruchspseudotaschen vermeiden, frühe Fälle nicht übersehen

PSI bei Kindern und Jugendlichen

Bis zur Vollendung des 18. Lebensjahrs wird die Erhebung an den Indexzähnen 16, 11, 26, 36, 31 und 46 beziehungsweise bei deren Fehlen an benachbarten bleibenden Zähnen empfohlen. Der Durchbruch sollte abgeschlossen sein. Im reinen Milchgebiss wird kein PSI berechnet.

  • Unvollständig durchgebrochene Zähne können physiologisch vertiefte Sulci vortäuschen.
  • Die Indexzahnstrategie kann lokalisierte Erkrankung unterschätzen.
  • Bei Familienbelastung, auffälliger Gingiva, Migration oder Knochenabbau ist eine individuell breitere Untersuchung sinnvoll.
38 · Aus dem Code folgt eine Handlung

PSI-Befund in die nächste Entscheidung übersetzen

BefundmusterNächster Schritt
Code 0Gesundheit erhalten, Prävention risikoadaptiert fortführen.
Code 1Plaque-/Entzündungsursache erfassen, Mundhygiene optimieren und Verlauf kontrollieren.
Code 2Retentionsfaktoren und Zahnstein behandeln, Hygiene instruieren, reevaluieren.
Code 3 in einem SextantenSextant und individuelle Risiken genauer beurteilen; bei Sternbefund oder Verdacht vollständigen Status erheben.
Code 3 in ≥2 Sextanten oder Code 4 in ≥1 SextantVollständiger Parodontalstatus und weitere Diagnostik.
Beliebiger Code mit SternZusatzbefund detailliert abklären; Handlungsebene höher ansetzen.
39 · Was bei der Verdichtung verloren geht

Grenzen des PSI

  • Nur der höchste Sextantencode bleibt erhalten; Zahl und Ort weiterer Läsionen verschwinden.
  • CAL, Rezessionsausmaß, vollständige BOP-Verteilung und genaue Taschenkarte fehlen.
  • Der PSI unterscheidet nicht sicher Pseudotasche, parodontale Tasche und andere isolierte Ursachen.
  • Therapieerfolg und UPT dürfen nicht mit dem PSI überwacht werden; dafür braucht es stellenbezogene Messwerte.
  • Ein unauffälliger PSI kann bei Rauchern, Indexzahnuntersuchung oder Messfehlern klinisch relevante Probleme unterschätzen.

KP-Satz: Der PSI ist sensitiv für weiterführenden Bedarf, aber zu grob für Diagnose, Staging, Therapieplanung und Verlaufskontrolle.

40 · Stellenbezogene Karte des gesamten Gebisses

Der vollständige parodontale Full-Mouth-Status

Ein diagnostisch vollständiger Status erfasst an sechs Stellen jedes vorhandenen Zahns mindestens PD, Gingivarandlage beziehungsweise CAL und BOP. Hinzu kommen Plaque, Suppuration, Furkation, Mobilität, Zahnverlustursachen und relevante lokale Befunde.

ParameterEbeneWarum wichtig?
PD, Gingivarand, CAL, BOP, SuppurationMessstelleEntzündung, Zugänglichkeit, Stützgewebsverlust und Verlauf.
Furkation, Mobilität, Vitalität, RestaurierbarkeitZahnKomplexität, Differenzialdiagnose und Prognose.
Plaque/BOP-Prozent, Zahnverlust, RisikenPatientFalldiagnose, Ausmaß, Grad und Langzeitplanung.

Datum, Untersucher, Sondentyp und Besonderheiten gehören zur Dokumentation, damit spätere Vergleiche interpretierbar bleiben.

41 · Klinische Vollständigkeit und Richtlinienminimum trennen

Der deutsche GKV-PAR-Status

Nach aktueller PAR-Richtlinie werden Sondierungstiefen und Sondierungsblutung an mindestens zwei Stellen pro Zahn erhoben, darunter eine mesioapproximal und eine distoapproximal. Sondierungstiefen werden auf den nächstgelegenen ganzen Millimeter gerundet: unter 0,5 mm ab-, ab 0,5 mm aufrunden.

  • Anamnese einschließlich Diabetes und bei bekanntem Diabetes, soweit bekannt, HbA1c.
  • Furkationsbefall, Zahnbeweglichkeit und parodontitisbedingter Zahnverlust.
  • Aktueller auswertbarer Röntgenbefund mit RBL und RBL/Alter; Aufnahmen in der Regel nicht älter als zwölf Monate.
  • Diagnose, Stadium, Grad und Ausmaß nach aktueller Klassifikation.
Wichtig: Die Richtlinie definiert ein Leistungs- und Dokumentationsminimum. Für präzise Instrumentierungsplanung, Rezessionsdiagnostik und Verlaufsbeurteilung ist ein Sechs-Punkt-Status klinisch überlegen.
42 · Freiliegende Wurzeloberfläche exakt messen

Gingivale Rezessionen

Die Rezession ist die apikale Verlagerung des Gingivarands zur CEJ und wird als Distanz CEJ–Gingivarand in Millimetern gemessen. Zusätzlich werden Lokalisation, Breite, Interdentalattachment, Sensibilität, Wurzelkaries, keilförmige Defekte und ästhetische Beschwerden dokumentiert.

Nicht jede Rezession ist Parodontitis: Traumatische Mundhygiene, Zahnfehlstellung, dünner Phänotyp, kieferorthopädische Bewegung oder chirurgische Kronenverlängerung können CAL ohne entzündliche Parodontitis erzeugen.

Die ausführliche Rezessionsklassifikation und Deckungstherapie folgen in Kapitel 11.

43 · Gewebedimension und Morphologie

Keratinisierte Gingiva und parodontaler Phänotyp

Die Breite der keratinisierten Gingiva reicht vom freien Gingivarand bis zur mukogingivalen Grenze. Die Breite der befestigten Gingiva ergibt sich klinisch näherungsweise aus keratinisierter Gingiva minus Sondierungstiefe. Der Phänotyp beschreibt unter anderem Gingivadicke und knöcherne Morphologie.

  • Transparenz der Sonde durch die Gingiva kann als klinischer Hinweis auf einen dünnen Phänotyp dienen.
  • Eine geringe Breite allein ist keine automatische Operationsindikation.
  • Entscheidend sind Entzündungskontrolle, Progression, Reinigungsfähigkeit, Beschwerden und geplante Zahnbewegung beziehungsweise Restauration.
44 · Funktion vor Zahl

Mukogingivale Diagnostik

Erfasst werden Vestibulumtiefe, hoch ansetzende Lippen- und Wangenbändchen, Zug am Gingivarand, keratinisierte Gewebebreite, Phänotyp, Rezession und die Möglichkeit atraumatischer häuslicher Reinigung.

Funktionstest

Zug beobachten

Lippe oder Wange vorsichtig mobilisieren; Bewegung oder Blanching des marginalen Gewebes dokumentieren.

Entscheidung

Beschwerde und Progression

Eine anatomische Variante wird erst durch Entzündung, fortschreitende Rezession, Schmerzen oder fehlende Hygienefähigkeit behandlungsrelevant.

45 · Horizontal sondieren

Furkationsbefall

Bei mehrwurzeligen Zähnen wird jeder anatomisch mögliche Furkationseingang mit der gebogenen Nabers-Sonde untersucht. Die Sonde folgt der Wurzelkontur; gemessen wird die horizontale Eindringtiefe.

GradKlinischer BefundBedeutung
0Keine Furkationsbeteiligung sondierbar.Furkation klinisch nicht zugänglich.
IBis 3 mm horizontal sondierbar.Beginnende Beteiligung.
IIMehr als 3 mm, aber nicht durchgängig sondierbar.Blindsack mit erhöhter Therapiekomplexität.
IIIDurchgängig sondierbar.Vollständige horizontale Verbindung.

Zusätzlich können vertikale Komponenten, Eingangslokalisation und klinische Sichtbarkeit beschrieben werden. Zahnstein, Wurzelstamm, Wurzelkonvergenz und Gingivaverlauf beeinflussen die Erreichbarkeit.

Prüfungsfalle: Das Röntgenbild kann einen Furkationsbefall vermuten lassen, aber die klinische Nabers-Sondierung bestimmt den Grad. Fehlende radiologische Aufhellung schließt Furkationsbefall nicht aus.
46 · Support, Entzündung und Belastung

Zahnbeweglichkeit prüfen

Der Zahn wird zwischen zwei starren Instrumentengriffen oder einem Instrument und dem Finger kontrolliert in horizontaler Richtung belastet; eine axiale Beweglichkeit wird gesondert geprüft.

GradBefund
0Physiologische Beweglichkeit.
IBis etwa 1 mm horizontal.
IIMehr als 1 bis 2 mm horizontal.
IIIMehr als 2 mm horizontal und/oder axial eindrückbar.

Mobilität kann durch reduzierten Knochenhalt, akute Entzündung, okklusale Überlastung, periapikale Prozesse oder Trauma steigen. Sie ist ein Komplexitäts- und Prognosefaktor, aber allein keine Extraktionsindikation.

47 · Funktionelle Folgen dokumentieren

Zahnwanderung, Okklusion und funktionelle Instabilität

  • Fächerstellung, Diastemabildung, Elongation, Kippung und Verlust posteriorer Abstützung.
  • Fremdkontakte, traumatische Beweglichkeit, Fremitus und Beschwerden beim Kauen.
  • Bruxismuszeichen, Abrasionen, Frakturen und muskuläre Beschwerden als separate funktionelle Befunde.
  • Okklusionsanalyse immer mit Entzündung, Restknochen und Zahnstellung korrelieren.
Keine Monokausalität: Okklusale Kräfte initiieren keine plaqueassoziierte Parodontitis. Sie können bei reduziertem und entzündetem Parodont jedoch Mobilität und funktionelle Komplexität erhöhen.
48 · Warum gerade diese Stelle?

Lokale prädisponierende und retentive Faktoren

Zahn

Anatomie

Furkationen, Wurzelrillen, Schmelzperlen, zervikale Schmelzprojektionen, enge Wurzelabstände und Zahnfehlstellungen.

Restauration

Iatrogen

Überhänge, offene oder überkonturierte Kronenränder, subgingivale Stufen, schlecht reinigbare Brückenglieder und Zementüberschüsse.

Läsion

Zahnhartsubstanz

Zervikale Karies, Wurzelkaries, keilförmige Defekte, Fraktur und Resorption können CAL oder Sondierbarkeit verändern.

Weichgewebe

Zugang

Frenulumzug, flaches Vestibulum, Schwellung, Phänotyp und Schmerz bestimmen die Hygienefähigkeit.

Lokale Faktoren werden nicht nur aufgelistet: Es wird erklärt, ob sie Plaqueretention, Messung, Instrumentierung, Heilung oder Prognose konkret beeinflussen.

49 · Die Pulpa mitdenken

Vitalitätsprüfung, Perkussion und Palpation

Bei isolierter tiefer Tasche, apikaler oder lateraler Aufhellung, Schmerz, Fistel oder vorausgegangener endodontischer Therapie gehört die endodontische Basisdiagnostik dazu.

  • Sensibilitätsprüfung: meist Kältetest mit Kontrollzähnen; zeigt nervale Reaktion, nicht unmittelbar histologische Vitalität.
  • Perkussion: axial und lateral vergleichen; positiver Befund weist auf Desmodontreizung hin, ist aber unspezifisch.
  • Palpation: vestibuläre apikale Druckdolenz und Schwellung erfassen.
  • Fisteltracing: bei Indikation kann ein röntgendichter Stift den Ursprung eines Sinus tract lokalisieren.

KP-Satz: Eine schmale isolierte tiefe Tasche ist ein Muster, keine Diagnose. Ich prüfe Vitalität, Perkussion, Röntgenbefund, Restaurierbarkeit und Frakturzeichen.

50 · Adjuvant und rechtfertigend indiziert

Wann braucht die parodontale Diagnostik Röntgenbilder?

Röntgenaufnahmen ergänzen die klinische Untersuchung bei Verdacht auf Stützgewebsverlust, zur Beurteilung von Knochenhöhe und Defektmuster, für Staging/Grading, Differenzialdiagnose und ausgewählte Verlaufskontrollen. Jede Aufnahme benötigt eine individuelle rechtfertigende Indikation; vorhandene verwertbare Bilder werden zuerst geprüft.

Deutsche PAR-Richtlinie: Für den PAR-Status wird ein aktueller, auswertbarer Röntgenbefund gefordert. Die Bilder sind in der Regel nicht älter als zwölf Monate und müssen die zahntragenden Bereiche sowie Interdentalräume beurteilbar darstellen.
Röntgen allein diagnostiziert keine Parodontitis: Früher Attachmentverlust kann radiologisch unauffällig bleiben; Aktivität und Taschenentzündung sind klinische Befunde.
51 · Technik nach Fragestellung wählen

Panorama, Zahnfilm und Bitewing

VerfahrenStärkeGrenze
PanoramaschichtaufnahmeÜbersicht über beide Kiefer, Zahnzahl, grobe Knochenverteilung und Begleitbefunde.Vergrößerung, Überlagerung und geringere Detailauflösung; Front- und Interdentalbereiche können unzureichend sein.
Intraoraler Zahnfilm in ParalleltechnikHohe Detailauflösung, periapikale und marginale Strukturen; bei guter Technik geometrisch günstig.Begrenztes Feld; mehrere Aufnahmen für vollständigen Status.
Vertikaler BitewingInterdentale Knochenhöhe bei moderatem Knochenverlust und gleichzeitig Kariesdiagnostik.Apices und bei starkem Abbau tiefe Defektanteile möglicherweise nicht erfasst.
DVTDreidimensionale Darstellung ausgewählter komplexer Defekte.Höhere Exposition, Artefakte und keine Routineindikation.

Ein OPG ist nicht automatisch ausreichend oder unzureichend. Entscheidend ist, ob es die konkrete diagnostische Frage in allen benötigten Bereichen mit genügender Qualität beantwortet.

52 · Erst Qualität prüfen, dann messen

Projektionsfehler und Auswertbarkeit

  • Approximalkontakte sollten für marginale Knochenbeurteilung möglichst überlagerungsarm sein.
  • CEJ, Alveolarkamm und Apex müssen für prozentuale Messungen erkennbar sein.
  • Verkürzung, Verlängerung, Bewegung, Unschärfe und falsche Positionierung können scheinbaren Knochenstand verändern.
  • Panoramaaufnahmen zeigen positionsabhängige Vergrößerung sowie Doppel- und Geisterbilder.
  • Bei unzureichender Darstellung wird nicht „hineininterpretiert“, sondern eine passend indizierte Ergänzungsaufnahme erwogen.

Für Verlaufskontrollen sind reproduzierbare Projektion und vergleichbare Aufnahmeparameter wichtiger als eine scheinbar exakte Zehntelmillimetermessung auf unterschiedlich projizierten Bildern.

53 · Von CEJ bis Alveolarkamm

Radiologischen Knochenabbau erkennen

Beurteilt werden Kontinuität der Lamina dura, Form und Lage des interdentalen Alveolarkamms, Periodontalspalt, Furkationen und Defektverteilung. Der physiologische Abstand zwischen CEJ und Alveolarkamm liegt häufig ungefähr im Bereich von 1–2 mm; Projektion, Alter, Zahnposition und Anatomie sind zu berücksichtigen.

  • Koronale Begrenzung: CEJ beziehungsweise definierter restaurativer Bezugspunkt.
  • Aktueller Knochenstand: der am stärksten apikal liegende klar erkennbare marginale Knochenrand.
  • Verteilung: lokalisiert oder generalisiert, symmetrisch oder asymmetrisch, molar-inzisiv betont oder untypisch.
  • Begleitbefunde: periapikale Läsion, Wurzelrest, Karies, Resorption, Zahnstein, Überhang und anatomische Überlagerung.
54 · Anteil der Wurzellänge

Radiographic Bone Loss – RBL in Prozent

Für das Staging wird der marginale Knochenverlust am am stärksten betroffenen parodontitisbedingt geschädigten Zahn als Anteil der Wurzellänge geschätzt. Praktisch:

RBL % ≈ Strecke CEJ–Knochenrand ÷ Strecke CEJ–Apex × 100.

Der normale suprakrestale Abstand und projektionsbedingte Unsicherheit werden klinisch berücksichtigt. Bei mehrwurzeligen Zähnen wird eine klar nachvollziehbare Wurzel beziehungsweise Fläche verwendet und dokumentiert. RBL ist eine Schätzung, keine histologische Messung.

RBLOrientierung im Staging
Koronales Drittel, <15 %Kompatibel mit Stadium I, sofern keine höherstufenden Faktoren bestehen.
Koronales Drittel, 15–33 %Kompatibel mit Stadium II.
Bis mittleres oder apikales WurzeldrittelKompatibel mit Stadium III/IV; Komplexität und Zahnverlust entscheiden weiter.
55 · Indirekter Progressionshinweis

Knochenabbau in Relation zum Alter

Fehlen auswertbare longitudinale Daten, dient der Knochenabbau/Alter-Quotient als indirekter Hinweis für das Grading:

RBL/Alter = höchster parodontitisbedingter RBL-Prozentwert ÷ Lebensalter in Jahren.

QuotientPrimäre Gradeinschätzung
<0,25Grad A
0,25–1,0Grad B
>1,0Grad C

Beispiel: 40 % RBL bei 40 Jahren ergibt 1,0 und damit zunächst Grad B; erst ein Wert über 1,0 liegt im Grad-C-Bereich. Direkte Progressionsdaten und Modifikatoren durch aktuelles Rauchen beziehungsweise Diabeteskontrolle können die endgültige Einstufung verändern. Die vollständige Systematik steht in Kapitel 4.

56 · Defektmorphologie beschreiben

Horizontaler und vertikaler Knochenabbau

Horizontal

Kamm annähernd parallel

Die Höhe des Alveolarkamms ist reduziert, bleibt aber ungefähr parallel zur Verbindung benachbarter CEJs.

Vertikal/angular

Schräger Defektverlauf

Der Defekt reicht an einer Wurzelfläche deutlich weiter apikal; eine knöcherne Wand bleibt koronal stehen.

Die Bezeichnung beschreibt das zweidimensionale Erscheinungsbild. Die tatsächliche dreidimensionale Zahl der Defektwände kann auf einem Einzelbild nicht sicher bestimmt werden.

57 · Therapieentscheidende Morphologie

Intraossäre Defekte

Ein intraossärer Defekt liegt vor, wenn der Taschenboden apikal des umgebenden Alveolarkamms liegt. Chirurgisch wird nach verbleibenden knöchernen Wänden unterschieden: ein-, zwei- oder dreiwandig sowie Kombinationen.

MerkmalDiagnostische Bedeutung
TiefeAusmaß der vertikalen Komponente; klinisch und radiologisch korrelieren.
WinkelSchmale tiefe Defekte können für regenerative Ansätze günstiger sein als breite flache.
WandzahlMehr erhaltene Wände verbessern Blutversorgung und Stabilität, sind 2D aber nur begrenzt bestimmbar.
LokalisationApproximal besser sichtbar; bukkale und orale Wände überlagern sich.
Vorläufige Diagnose: Auf dem 2D-Röntgenbild beschreibe ich einen angulären Defekt. Die definitive dreidimensionale Morphologie zeigt sich gegebenenfalls erst bei chirurgischer Darstellung oder in ausgewählten Fällen einer indizierten DVT.
58 · Überlagerung erschwert die Beurteilung

Furkationen im Röntgenbild

Eine interradikuläre Aufhellung, verminderte Knochendichte oder ein Verlust der Lamina-dura-Kontur können Furkationsbefall anzeigen. Besonders im Oberkiefer überlagern Wurzeln und palatinale Strukturen den Bereich.

  • Positive radiologische Zeichen erhöhen den Verdacht.
  • Ein unauffälliges Bild schließt einen klinischen Grad I oder II nicht aus.
  • Klinischer Zugang, Wurzelstamm, Sondierungsbefund und Röntgenbild werden gemeinsam beurteilt.
  • DVT nur, wenn die 3D-Information eine konkrete Therapieentscheidung in einem ausgewählten komplexen Fall verändert.
59 · Progression braucht Zeitinformation

Serielle Befunde richtig vergleichen

Direkte Progression wird anhand vergleichbarer älterer und aktueller CAL- oder RBL-Daten beurteilt. Kleine Unterschiede können aus Mess- oder Projektionsfehlern entstehen; relevant ist ein konsistentes Muster über definierte Zeit.

1
Identität prüfenGleicher Zahn, gleiche Fläche und plausibler Zeitabstand.
2
Technik vergleichenSonde, Untersucher, Entzündungszustand beziehungsweise Röntgenprojektion berücksichtigen.
3
Änderung quantifizierenCAL- oder RBL-Differenz mit Datum dokumentieren.
4
Klinisch bestätigenBOP, PD, Suppuration, Mobilität und neue lokale Faktoren prüfen.

Ein nach Therapie geringerer PD-Wert kann durch Rezession und erhöhte Gewebefestigkeit entstehen; echter Attachmentgewinn wird über den CEJ-bezogenen CAL beurteilt.

60 · Dreidimensional nur bei konkretem Zusatznutzen

DVT in der Parodontaldiagnostik

Die aktuelle deutsche S2k-Leitlinie empfiehlt ausdrücklich, die DVT nicht routinemäßig zur parodontalen Diagnostik einzusetzen. Eine kleinvolumige hochauflösende DVT kann in Einzelfällen indiziert sein, wenn Klinik und zweidimensionale Aufnahmen für eine konkrete Therapieentscheidung nicht ausreichen – insbesondere bei komplexen Knochentaschen oder Furkationsdefekten.

Vor einer DVTBegründungsfrage
Klinische Untersuchung vollständig?Welche offene Frage bleibt nach PA-Status, Vitalität und Furkationssondierung?
2D-Bildgebung auswertbar?Kann eine gezielte intraorale Aufnahme die Frage ausreichend beantworten?
Therapiekonsequenz vorhanden?Würde die 3D-Information tatsächlich Operation, Zahnerhalt oder Zugang verändern?
Dosis optimiert?Kleinstes ausreichendes Field of View und passende Qualität nach ALARA.
Keine DVT auf Vorrat: Mehr Bildinformation rechtfertigt die Strahlenexposition nicht automatisch. Außerdem begrenzen Metallartefakte und nicht standardisierte Grauwerte bestimmte Aussagen; eine quantitative „Knochendichtemessung“ aus DVT-Grauwerten ist nicht vorgesehen.
61 · Erst Ursache zuordnen, dann als CAL zählen

Differenzialdiagnostik des Attachmentverlusts

Für die Periodontitis-Falldefinition zählt nur Attachmentverlust, der durch Parodontitis erklärbar ist. Typische auszuschließende Ursachen sind:

  • traumatische gingivale Rezession,
  • zervikal reichende Karies,
  • distaler CAL am zweiten Molaren durch Fehlstellung oder Extraktion eines Weisheitszahns,
  • endodontische Läsion mit Drainage über das marginale Parodont,
  • vertikale Wurzelfraktur,
  • Restaurationsrand, Perforation, Resorption oder lokale anatomische Entwicklungsstörung.

Falldefinition: Ein Patient gilt als Parodontitisfall, wenn interdentaler CAL an mindestens zwei nicht benachbarten Zähnen nachweisbar ist oder bukkaler/oraler CAL ≥3 mm mit Taschenbildung >3 mm an mindestens zwei Zähnen besteht – sofern keine nicht parodontitisbedingte Ursache vorliegt.

62 · Muster erkennen, Tests kombinieren

Endo-Paro-Läsion, Fraktur und Resorption

BefundmusterVerdachtGezielte Abklärung
Breite parodontale Taschen, generalisierter CAL/RBL, vitale PulpaPrimär parodontal.Full-Mouth-Status, RBL-Verteilung, Risiken.
Nicht vitaler Zahn, apikale Läsion, schmaler DrainagewegPrimär endodontisch oder kombiniert.Kälte-/elektrischer Test, Perkussion, periapikale Aufnahme.
Sehr schmale isolierte tiefe Tasche an wurzelgefülltem Zahn, Schmerz, J-förmige AufhellungVertikale Wurzelfraktur.Vergrößerung, Transillumination, Entfernung störender Restaurationen, selektive Bildgebung; Befund oft erst direkt sicher.
Irregulärer Wurzeldefekt, unerklärliche Blutung oder Pink spotInterne/externe Resorption.Vitalität, Verlauf, gezielte 2D-Aufnahme; DVT nur bei relevanter offener Planungsfrage.
Wichtig: Kein Einzelzeichen ist pathognomonisch. Auch eine J-förmige Aufhellung kann andere Ursachen haben; die Diagnose entsteht aus der Konvergenz mehrerer Befunde.
63 · Akuität verändert die Priorität

Parodontalabszess und nekrotisierende Erkrankung

Abszess

Lokalisierte eitrige Entzündung

Rasche Schwellung, Schmerz, Suppuration, tiefe Tasche, Perkussionsempfindlichkeit und eventuell Mobilität. Vitalität und endodontische Ursache prüfen.

Nekrotisierend

Papillennekrose und Schmerz

Typisch sind „ausgestanzte“ nekrotische Papillen, spontane Blutung, Schmerz und Foetor; Allgemeinzustand und Immunsuppression beurteilen.

Diese Diagnosen werden primär klinisch gestellt. Bildgebung ergänzt bei Verdacht auf Knochenbeteiligung oder alternative odontogene Ursache, darf dringliche Behandlung aber nicht unnötig verzögern.

64 · Ergänzen, nicht ersetzen

Mikrobiologische, genetische, Biomarker- und digitale Tests

TestMöglicher NutzenGrenze
MikrobiologieAusgewählte ungewöhnliche, therapierefraktäre oder antibiotisch relevante Situationen.Biofilm ist polymikrobiell; Keimnachweis allein diagnostiziert keine Parodontitis und ersetzt keinen klinischen Befund.
GentestForschung oder seltene syndromale Fragestellung.Kommerzielle Einzelvarianten-Tests steuern die Routinebehandlung der häufigen Parodontitis nicht zuverlässig.
Speichel-/GCF-BiomarkerPotenzial für Risiko- oder Aktivitätsschätzung.Noch kein Ersatz für standardisierten PA-Status und longitudinalen Verlauf.
Digitale/AI-AuswertungDokumentation, Segmentierung, Messhilfe und Vergleich.Abhängig von Bildqualität, Referenzstandard und Software; klinische Verantwortung bleibt beim Zahnarzt.
Implantate: Baseline-Sondierungswerte und Ausgangsröntgen nach prothetischer Versorgung sind für spätere periimplantäre Diagnostik wichtig. Die Definitionen von periimplantärer Gesundheit, Mukositis und Periimplantitis bleiben bewusst Kapitel 13 vorbehalten.
65 · Ein reproduzierbarer Ablauf

Diagnostischer Algorithmus für Klinik und Prüfung

1
Anamnese aktualisierenHauptanliegen, Symptome, Risiken, Medikamente, Vorbehandlungen, Zahnverlustursachen und alte Befunde.
2
Inspektion und ScreeningExtra-/intraorale Auffälligkeiten erfassen; PSI bei geeigneter Screening-Situation korrekt codieren.
3
Full-Mouth-StatusSechs Stellen pro Zahn: PD, Gingivarand/CAL, BOP; zusätzlich Plaque, Suppuration, Furkation und Mobilität.
4
Zahnbezogene ErgänzungKaries, Restauration, Vitalität, Perkussion, Okklusion, Fraktur- und Resorptionszeichen.
5
Bildgebung indizierenVorhandene Aufnahmen prüfen, passende 2D-Technik wählen; DVT nur bei entscheidungsrelevanter Restfrage.
6
Falldefinition prüfenCAL an nicht benachbarten Zähnen und nicht parodontitisbedingte Ursachen gegeneinander abgleichen.
7
Fall klassifizierenForm, Stadium, Grad und Ausmaß; akute und prognostische Einzelbefunde gesondert nennen.
8
Ausgangswert sichernDatum, Messsystem, Bildqualität und Unsicherheiten dokumentieren; daraus Therapieplanung und Reevaluation ableiten.

Prüfungsübergang: „Die Diagnose stelle ich anhand der Gesamtbefundung. Ich beginne mit Anamnese und klinischem Sechs-Punkt-Status, ergänze die rechtfertigend indizierte Bildgebung und schließe lokale nicht parodontitisbedingte Ursachen aus.“

66 · Fall A

PSI-Code 4 am wurzelgefüllten Einzelzahn

Situation: 48-jährige Patientin, sonst überwiegend PSI 0–1. Am wurzelgefüllten Zahn 46 verschwindet die schwarze Markierung distolingual. Dort besteht eine schmale 10-mm-Sondierungsstelle mit BOP und Suppuration; der Zahn ist auf Aufbiss empfindlich. Im Zahnfilm zeigt sich eine J-förmige lateroapikale Aufhellung.

SchrittBewertung
PSICode 4 fordert weiterführende Diagnostik, stellt aber keine Parodontitisdiagnose.
MusterExtrem schmale, isolierte Tasche an einem wurzelgefüllten Zahn ist für eine generalisierte plaqueassoziierte Parodontitis untypisch.
DifferenzialdiagnoseVertikale Wurzelfraktur vorrangig; daneben endodontische Persistenz, Perforation oder kombinierte Endo-Paro-Läsion.
Nächste TestsFull-Mouth-Status, Aufbiss-/Perkussionstest, Vergrößerung und Transillumination, Restaurations- und Endodontkontrolle; Bildgebung gezielt ergänzen.
Dokumentation„Verdacht auf vertikale Wurzelfraktur 46“ statt vorschnell „schwere Parodontitis“.

Prüfungsantwort: Der Grund für die weitere Abklärung ist die Diskrepanz zwischen isoliertem Code 4 und unauffälligem Restgebiss. Die endgültige Diagnose hängt von der Konvergenz der klinischen, endodontischen und bildgebenden Befunde ab.

67 · Fall B

Vom Gesamtbefund zur vollständigen Diagnose

Situation: 44-jähriger Patient, 8 Zigaretten täglich, kein Diabetes. BOP 38 %, generalisierte approximale PD von 5–7 mm, interdentaler CAL bis 6 mm, RBL maximal 40 % der Wurzellänge, Furkation Grad II an Zahn 36, keine parodontitisbedingt verlorenen Zähne. Mehr als 30 % der Zähne sind betroffen.

Diagnostische EbeneSchluss
FalldefinitionInterdentaler parodontitisbedingter CAL an mehreren nicht benachbarten Zähnen: Parodontitisfall bestätigt.
StadiumCAL ≥5 mm, RBL bis mittleres Wurzeldrittel, PD ≥6 mm und Furkation Grad II: Stadium III.
GradRBL/Alter = 40/44 = 0,91; Rauchen <10 Zigaretten/Tag: Grad B, sofern keine direkte schnellere Progression belegt ist.
AusmaßMehr als 30 % der Zähne betroffen: generalisiert.
Aktivität/EntzündungBOP 38 % und tiefe blutende Taschen zeigen hohe aktuelle Entzündungslast; „Aktivität“ wird nicht aus einem Einzelwert sicher vorhergesagt.

Diagnose: „Generalisierte Parodontitis, Stadium III, Grad B.“ Zusätzlich nenne ich Furkationsbefall Grad II an 36, die tiefe Resttaschenverteilung, BOP 38 % und aktuelles Rauchen als behandlungsrelevante Befunde.

Wie wird derselbe Patient nach erfolgreicher Therapie beschrieben?

Sinkt BOP auf 7 %, bestehen nur noch PD ≤4 mm und keine 4-mm-Stelle blutet, spricht dies klinisch für einen erfolgreich behandelten, stabilen Parodontitispatienten. Seine historische Diagnose und sein Stadium verschwinden nicht; er bleibt UPT-pflichtig und rezidivgefährdet.

68 · Befundketten statt Einzelzahlen

Prüfungsblock, Quellen und Zusammenfassung

Typische Fehler – und die präzise Korrektur

FehlerKorrektur
„PSI-Code 4 ist die Diagnose schwere Parodontitis.“Code 4 bedeutet PD >5,5 mm an mindestens einer Stelle. Erst vollständiger Status und Differenzialdiagnose bestätigen die Krankheit.
Beim PSI werden nur Indexzähne erwachsener Patienten gemessen.Bei Erwachsenen werden alle vorhandenen Zähne außer Weisheitszähnen an sechs Stellen sondiert; Indexzähne gelten bis zur Vollendung des 18. Lebensjahrs.
Ein PSI-Code sei gleich einer Millimeterangabe.Die Codes sind Kategorien. Nur Code 3 und 4 beziehen sich über das schwarze Band auf Tiefenbereiche.
Eine einzelne Taschentiefe repräsentiere den ganzen Zahn.Ein vollständiger Status benötigt sechs Stellen pro Zahn.
Zwei Messstellen seien immer der klinische Standard.Zwei Stellen sind das deutsche Richtlinienminimum des GKV-PAR-Status; diagnostisch liefert der Sechs-Punkt-Status mehr Information.
Hohe PD bedeute automatisch hohen CAL.Bei Gingivavergrößerung kann eine Pseudotasche ohne entsprechenden Attachmentverlust bestehen.
Kleine PD schließe schweren Stützgewebsverlust aus.Bei Rezession kann die PD klein und der CAL dennoch groß sein.
CAL werde vom Gingivarand gemessen.PD reicht vom Gingivarand zum Taschenboden; CAL von der CEJ zum Taschenboden.
Jede Rezession zähle als Parodontitis.Trauma, Zahnposition, Karies, Operation oder andere Ursachen müssen ausgeschlossen werden.
Positiver BOP beweise künftige Progression.BOP zeigt Entzündung, besitzt allein aber begrenzten positiven Vorhersagewert. Wiederholt fehlender BOP spricht stärker für Stabilität.
Niedriger BOP beim Raucher sei Entwarnung.Rauchen kann Blutungszeichen maskieren; CAL, PD, RBL und Verlauf bleiben entscheidend.
Suppuration sei gleich Parodontitisaktivität.Sie ist ein ernstes Entzündungszeichen, aber kein alleiniger Progressionsmarker und verlangt Differenzialdiagnostik.
Furkationsgrad werde aus dem Röntgenbild abgelesen.Die klinische horizontale Nabers-Sondierung definiert den Grad; Röntgen ergänzt.
Mobilität allein rechtfertige Extraktion.Ursache, Restknochen, Entzündung, Funktion, Endodont, Restaurierbarkeit und Therapierbarkeit entscheiden gemeinsam.
Röntgen zeige die aktuelle Entzündungsaktivität.Röntgen zeigt überwiegend mineralisierten historischen Stützgewebsverlust; BOP, Suppuration und Verlauf sind klinisch.
Ein unauffälliges Röntgenbild schließe frühe Parodontitis aus.Frühe klinische Attachmentverluste können radiologisch noch nicht sicher sichtbar sein.
Aus einer 2D-Aufnahme könne man sicher die Defektwandzahl bestimmen.Bukkale und orale Strukturen überlagern sich; Wandzahl ist häufig erst chirurgisch oder in ausgewählten DVT-Fällen sicherer beurteilbar.
Für Parodontitis sei routinemäßig eine DVT nötig.Die DVT ist keine Routine. Sie kommt nur bei entscheidungsrelevanter Restfrage nach Klinik und 2D-Bildgebung in Betracht.
RBL/Alter und RBL-Prozent seien dasselbe.RBL-Prozent beschreibt Schwere; erst Division durch das Alter liefert den indirekten Progressionsquotienten.
40 % RBL bei 40 Jahren sei Grad C.40/40 = 1,0 und liegt noch in Grad B; Grad C erfordert >1,0 oder andere höherstufende Evidenz.
Eine isolierte tiefe Tasche am wurzelgefüllten Zahn sei immer Parodontitis.Vertikale Fraktur, endodontischer Drainageweg, Perforation und Resorption müssen gezielt ausgeschlossen werden.
Ein Keimtest könne die Parodontitis diagnostizieren.Mikrobiologische Tests können ausgewählte Fragen ergänzen, ersetzen aber weder Falldefinition noch klinischen Status.

Die 90-Sekunden-Antwort

Musterantwort: Die parodontale Diagnostik beginnt mit allgemeiner und parodontaler Anamnese, Risikoprofil sowie extra- und intraoraler Inspektion. Der PSI ist nur ein Screening: Bei Erwachsenen sondiere ich alle Zähne außer Weisheitszähnen an sechs Stellen und dokumentiere je Sextant den höchsten Code. Code 3 bedeutet, dass das schwarze Band teilweise sichtbar ist, Code 4, dass es bei einer Sondierungstiefe über 5,5 mm vollständig verschwindet. Das ist noch keine Parodontitisdiagnose. Bei auffälligem Screening erhebe ich einen Full-Mouth-Status mit sechs Messstellen pro Zahn. Die PD reicht vom Gingivarand zum Taschenboden, der CAL von der CEJ zum Taschenboden. Bei Rezession addiere ich, bei koronal liegendem Gingivarand subtrahiere ich die Strecke. Zusätzlich erfasse ich BOP, Suppuration, Plaque, Furkation mit Nabers-Sonde, Beweglichkeit und lokale Faktoren. Röntgen ist adjuvant und rechtfertigend indiziert; ich beurteile RBL, Defektmuster und RBL/Alter. Die DVT ist keine Routine, sondern nur bei einer konkreten, mit Klinik und 2D-Bildern nicht lösbaren Therapiefrage gerechtfertigt. Abschließend prüfe ich, ob CAL an mindestens zwei nicht benachbarten Zähnen parodontitisbedingt ist, schließe etwa Trauma, Endo-Läsion und vertikale Fraktur aus und formuliere Diagnose, Stadium, Grad, Ausmaß und relevante Einzelzahnbefunde.

26 Prüfungsfragen mit Kurzantwort

1. Was ist der Unterschied zwischen Screening und Diagnostik?
Screening erkennt rasch einen Verdacht und weiterführenden Bedarf; Diagnostik bestätigt oder verwirft die Erkrankung, bestimmt ihr Ausmaß und grenzt Alternativen ab.
2. Ist der PSI eine Parodontitisdiagnose?
Nein. Er ist ein sextantenbezogener Screening-Index. Code 3 oder 4 zeigt vertiefte Sondierungswerte, deren Ursache anschließend geklärt werden muss.
3. Wie wird der PSI bei Erwachsenen erhoben?
An allen vorhandenen Zähnen außer Weisheitszähnen, zirkulär an sechs Stellen; dokumentiert wird der höchste Code jedes Sextanten.
4. Wie ist die WHO-/PSI-Sonde aufgebaut?
Sie besitzt eine 0,5-mm-Kugelspitze und ein schwarzes Band zwischen 3,5 und 5,5 mm.
5. Was bedeutet PSI-Code 0?
Band vollständig sichtbar, kein BOP, kein Zahnstein und keine defekten Restaurationsränder.
6. Was bedeutet PSI-Code 1?
Band vollständig sichtbar, aber Blutung nach Sondierung; kein für Code 2 relevanter Zahnstein oder defekter Rand.
7. Was bedeutet PSI-Code 2?
Band vollständig sichtbar, jedoch Zahnstein und/oder defekte beziehungsweise überhängende Restaurationsränder.
8. Was bedeutet PSI-Code 3?
Das schwarze Band ist teilweise sichtbar; die Sondierungstiefe liegt an mindestens einer Stelle zwischen 3,5 und 5,5 mm.
9. Was bedeutet PSI-Code 4?
Das schwarze Band verschwindet vollständig; die Sondierungstiefe liegt über 5,5 mm.
10. Wann wird beim PSI ein Stern vergeben?
Bei Furkationsbeteiligung, mukogingivalem Problem, Rezession ≥3,5 mm oder Zahnbeweglichkeit.
11. Wann ist nach PSI ein Full-Mouth-Status erforderlich?
Bei Code 3 in zwei oder mehr Sextanten und/oder Code 4 in mindestens einem Sextanten; individuelle Zusatzbefunde können ihn auch früher nötig machen.
12. Welche sechs Messstellen werden verwendet?
Mesiobukkal, bukkal, distobukkal, mesiooral, oral und distooral.
13. Mit welchem Druck wird sondiert?
Sanft und standardisiert mit ungefähr 0,2–0,25 N.
14. Was ist die Sondierungstiefe?
Die Distanz vom freien Gingivarand zum klinisch sondierbaren Sulkus- beziehungsweise Taschenboden.
15. Was ist der CAL?
Die Distanz von der CEJ zum sondierbaren Taschenboden; er beschreibt die klinische Position des Attachments an einem festen Referenzpunkt.
16. Wie berechnen Sie CAL bei 5 mm PD und 3 mm Rezession?
5 + 3 = 8 mm CAL.
17. Wie berechnen Sie CAL bei 6 mm PD und 2 mm koronaler Gingivavergrößerung?
6 − 2 = 4 mm CAL.
18. Was sagt BOP aus?
Es zeigt eine entzündlich vulnerable Stelle. Ein positiver Wert beweist nicht allein Progression; wiederholt fehlender BOP spricht deutlich für Stabilität.
19. Wie werden Furkationen graduiert?
Grad 0 keine Beteiligung, Grad I bis 3 mm horizontal, Grad II über 3 mm aber nicht durchgängig, Grad III durchgängig sondierbar.
20. Wie werden Zahnlockerungen graduiert?
Grad 0 physiologisch, Grad I bis 1 mm horizontal, Grad II über 1 bis 2 mm, Grad III über 2 mm und/oder axial.
21. Was verlangt die PAR-Richtlinie mindestens pro Zahn?
PD und BOP an mindestens zwei Stellen, darunter eine mesioapproximal und eine distoapproximal; klinisch ist der Sechs-Punkt-Status informativer.
22. Wie alt dürfen Röntgenaufnahmen im GKV-PAR-Status sein?
Sie müssen aktuell und auswertbar sein, in der Regel nicht älter als zwölf Monate; jede Neuaufnahme benötigt trotzdem eine rechtfertigende Indikation.
23. Wie berechnen Sie RBL/Alter?
Den höchsten parodontitisbedingten RBL-Prozentwert am am stärksten betroffenen Zahn durch das Lebensalter teilen.
24. Wann ist eine DVT in der Parodontologie indiziert?
Nicht routinemäßig, sondern in ausgewählten Fällen, wenn klinischer und zweidimensionaler Befund eine konkrete Therapieentscheidung zu Knochentasche oder Furkation nicht ausreichend ermöglichen.
25. Welche Ursachen müssen vor der Periodontitis-Falldiagnose ausgeschlossen werden?
Unter anderem traumatische Rezession, zervikale Karies, distal am zweiten Molaren liegende Drittmolarenproblematik, endodontische Drainage und vertikale Wurzelfraktur.
26. Wie lautet Ihr diagnostischer Schlusssatz?
Die Diagnose stelle ich anhand der Gesamtbefundung aus Anamnese, klinischem Full-Mouth-Status, indizierter Bildgebung, Differenzialdiagnose und longitudinalem Verlauf.

26 KP-Sätze zum schnellen Wiederholen

  1. Der PSI ist ein Screening und keine Diagnose.
  2. Bei Erwachsenen werden beim PSI alle Zähne außer Weisheitszähnen untersucht.
  3. Je PSI-Sextant wird nur der höchste Code dokumentiert.
  4. Das schwarze WHO-Sondenband reicht von 3,5 bis 5,5 mm.
  5. Code 3 bedeutet teilweise sichtbares Band.
  6. Code 4 bedeutet vollständig verschwundenes Band und PD >5,5 mm.
  7. Der PSI-Stern markiert Furkation, mukogingivales Problem, Rezession ≥3,5 mm oder Mobilität.
  8. Ein klinischer Full-Mouth-Status erfasst sechs Stellen pro Zahn.
  9. Die PD reicht vom Gingivarand zum Taschenboden.
  10. Der CAL reicht von der CEJ zum Taschenboden.
  11. Bei Rezession wird die Rezessionsstrecke zur PD addiert.
  12. Bei koronalem Gingivarand wird die Gingivavergrößerung von der PD abgezogen.
  13. Eine Pseudotasche kann tief sondierbar sein, ohne entsprechenden Attachmentverlust.
  14. BOP zeigt Entzündung, aber nicht sicher zukünftige Progression.
  15. Wiederholt fehlender BOP besitzt hohen Wert für die Stabilitätseinschätzung.
  16. Rauchen kann Sondierungsblutung maskieren.
  17. Furkationen werden klinisch horizontal mit der Nabers-Sonde graduiert.
  18. Zahnbeweglichkeit ist ein Befund und allein keine Extraktionsindikation.
  19. Röntgenbilder ergänzen die Klinik, ersetzen sie aber nicht.
  20. Röntgen zeigt überwiegend historischen mineralisierten Stützgewebsverlust, nicht aktuelle Aktivität.
  21. RBL-Prozent ist nicht dasselbe wie RBL/Alter.
  22. Ein Quotient von genau 1,0 liegt noch in Grad B.
  23. Die Zahl der Defektwände lässt sich zweidimensional häufig nicht sicher bestimmen.
  24. Die DVT ist keine routinemäßige parodontale Aufnahme.
  25. Eine isolierte tiefe Tasche verlangt Endo-, Fraktur- und Resorptionsdiagnostik.
  26. Die Diagnose entsteht aus Anamnese, Klinik, Bildgebung, Ausschlussdiagnostik und Verlauf.

Ausgewählte Fachquellen

  1. Hellwig E, Schäfer E, Klimek J, Attin T. Einführung in die Zahnerhaltung: Prüfungswissen Kariologie, Endodontologie und Parodontologie. 8., überarbeitete Auflage. Deutscher Zahnärzte Verlag; 2023. Besonders die Abschnitte zu Plaque-/Entzündungsindizes, PSI, klinischer Befunderhebung, Furkation, Mobilität und Bildgebung.
  2. Müller H-P. Checklisten der Zahnmedizin: Parodontologie. 3., aktualisierte Auflage. Thieme; 2012. Kapitel zur parodontalen Diagnostik, Sondierung, CAL, BOP, Furkation und vollständigem Parodontalstatus.
  3. Weber T. Memorix Zahnmedizin. 3. Auflage. Thieme; 2010. Grundlagen zu Plaque-/Gingivaindizes, PSI/CPI und klinischem Attachmentlevel; ältere Terminologie wurde aktuell abgeglichen.
  4. Gemeinsamer Bundesausschuss. Richtlinie zur systematischen Behandlung von Parodontitis und anderer Parodontalerkrankungen (PAR-Richtlinie). Aktuelle Fassung in Kraft seit 1. Juli 2025. G-BA PAR-Richtlinie
  5. Deutsche Gesellschaft für Parodontologie. PSI – Erhebung, Sonderzeichen, Konsequenzen und Grenzen. DG PARO: PSI
  6. Deutsche Gesellschaft für Parodontologie. Anamnese und Befund nach PAR-Richtlinie. Mindestmessstellen, Rundung, Röntgenbefund und DVT. DG PARO: Befund
  7. Papapanou PN, Sanz M, Buduneli N, et al. Periodontitis: Consensus report of workgroup 2 of the 2017 World Workshop. J Clin Periodontol. 2018;45(Suppl 20):S162–S170. doi:10.1111/jcpe.12946
  8. Tonetti MS, Greenwell H, Kornman KS. Staging and grading of periodontitis: Framework and proposal of a new classification and case definition. J Clin Periodontol. 2018;45(Suppl 20):S149–S161. doi:10.1111/jcpe.12945
  9. Chapple ILC, Mealey BL, Van Dyke TE, et al. Periodontal health and gingival diseases and conditions on an intact and a reduced periodontium. J Clin Periodontol. 2018;45(Suppl 20):S68–S77. doi:10.1111/jcpe.12940
  10. Lang NP, Joss A, Orsanic T, Gusberti FA, Siegrist BE. Bleeding on probing: A predictor for the progression of periodontal disease? J Clin Periodontol. 1986;13:590–596. doi:10.1111/j.1600-051X.1986.tb00852.x
  11. Arbeitsgemeinschaft für Röntgenologie, DGZMK. S2k-Leitlinie Dentale digitale Volumentomographie. Version 3.0, Stand Dezember 2022, AWMF-Registernr. 083-005. AWMF-Leitlinie DVT
  12. Sanz M, Herrera D, Kebschull M, et al. Treatment of stage I–III periodontitis—The EFP S3 level clinical practice guideline. J Clin Periodontol. 2020;47(Suppl 22):4–60. doi:10.1111/jcpe.13290

Redaktioneller Hinweis: Dieses Kapitel wurde eigenständig für die zahnärztliche Kenntnisprüfung formuliert. Die drei bereitgestellten deutschsprachigen Lehrbücher bilden die didaktische und fachliche Buchgrundlage. Angaben aus den älteren Auflagen wurden nicht ungeprüft übernommen: PSI-Interpretation, Falldefinition, GKV-Mindestmessstellen, Rundung, Alter der Röntgenaufnahmen und DVT-Indikation wurden mit der aktuellen PAR-Richtlinie, DG-PARO-Materialien, dem 2017/2018-Klassifikationskonsensus und der deutschen DVT-Leitlinie abgeglichen. Die Inhalte ersetzen keine patientenindividuelle Diagnostik oder rechtfertigende Indikation.

Ultra-Kurz-Zusammenfassung

Kern: Der PSI sucht Auffälligkeiten; er diagnostiziert keine Parodontitis. Code 3 = schwarzes Band teilweise sichtbar, Code 4 = Band vollständig verschwunden und PD >5,5 mm. Der vollständige Befund braucht sechs Stellen pro Zahn mit PD, Gingivarand/CAL und BOP sowie Plaque, Suppuration, Furkation, Mobilität und lokale Faktoren. PD wird vom Gingivarand, CAL von der CEJ gemessen. Röntgen ergänzt den klinischen Befund und liefert RBL, Defektmuster und RBL/Alter; es zeigt keine sichere aktuelle Aktivität. DVT ist keine Routine. Vor der Falldiagnose werden nicht parodontitisbedingte Ursachen wie Trauma, Karies, Endo-Läsion und vertikale Fraktur ausgeschlossen. Die Diagnose stelle ich anhand der Gesamtbefundung.
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