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Verlagerung von Wurzelresten in den Sinus maxillaris – Behandlung
1) Sofortmaßnahmen nach dem Ereignis
- Ruhig bleiben, kein „Blindfischen“ im Alveolus (Verschleppungs- und Infektionsgefahr).
- Atemtest (Nasenblasen) nur vorsichtig → Hinweis auf oroantrale Verbindung (OAV).
- Röntgen zur Lokalisation: OPG, bei Unklarheit DVT.
- Antibiotikaprophylaxe (z. B. Amoxicillin ± Clavulansäure; bei Allergie Clindamycin).
- Abschwellendes Nasenspray, Nies-/Schneuzverbot, weiche Kost.
2) Therapieentscheidung – abhängig von Lage & Zeitpunkt
A) Frische Verlagerung, Wurzel nahe Extraktionsalveole
Transalveoläre Bergung
- Erweiterung der Alveole (Knochenfenster), ggf. vorsichtiges Absaugen.
- Anschließend dichter OAV-Verschluss (z. B. vestibulärer Verschiebelappen).
- Vorteil: sofortige Lösung, minimalinvasiv bei günstiger Lage.
B) Wurzel frei im Sinus / nicht alveolennah
Endoskopische Entfernung (FESS)
- Minimalinvasiv über den mittleren Nasengang.
- Heute Goldstandard bei frei liegenden Fremdkörpern.
- Vorteil: geringe Morbidität, gute Übersicht, gleichzeitige Sinussanierung.
C) Großer Fremdkörper, chronische Sinusitis, schlechte endoskopische Erreichbarkeit
Caldwell-Luc-Operation
- Transorale Kieferhöhleneröffnung über die Fossa canina.
- Heute Reserveverfahren.
- Nachteile: höhere Morbidität, Sensibilitätsstörungen möglich.
3) Umgang mit der oroantralen Verbindung (OAV)
- Kleine OAV (< 2–3 mm): oft spontane Heilung möglich (Naht, Schonung).
- Größere OAV: plastischer Verschluss
- Vestibulärer Verschiebelappen (Standard)
- Palatinaler Rotationslappen (bei Bedarf)
- Immer Kombination mit Infektprophylaxe und postoperativen Verhaltensregeln.
4) Nachsorge & Medikation
- Antibiotikum 5–7 Tage (je nach Befund).
- Nasenspray (abschwellend) 5–7 Tage.
- Analgetika (kein ASS).
- Kontrolle klinisch + ggf. radiologisch.
- Bei persistierenden Symptomen → HNO-Konsil.
5) Typische Prüfungsfragen (KP)
Warum darf man nicht „blind“ im Sinus suchen?
→ Gefahr der weiteren Verlagerung, Schleimhautschädigung, Infektion.
Standardtherapie bei frei liegendem Wurzelrest im Sinus?
→ Endoskopische Entfernung (FESS).
Wann Caldwell-Luc?
→ Große Fremdkörper, chronische Sinusitis, Versagen der Endoskopie.
Was ist zwingend mit zu behandeln?
→ Oroantrale Verbindung + Infektprophylaxe.
6) Merksatz (KP-tauglich)
Verlagerte Wurzelreste im Sinus maxillaris müssen entfernt werden – bevorzugt endoskopisch; eine begleitende OAV ist stets dicht zu verschließen.