Kenntnisprüfung Zahnmedizin · Speicheldrüsen

Glandula submandibularis – Ruhespeichel, Gangsystem und Sialolithiasis

Oberflächlicher und tiefer Drüsenanteil, Wharton-Gang, N. lingualis, Speichelsteine, Untersuchung und chirurgische Risiken.

KP NiedersachsenGlandula submandibularis8 LernabschnitteStand August 2026
00 · Klinische Orientierung

Glandula submandibularis – Ruhespeichel, Gangsystem und Sialolithiasis

Die Glandula submandibularis ist eine gemischte, überwiegend seröse Drüse und der wichtigste Produzent des unstimulierten Gesamtspeichels. Sie liegt mit einem großen oberflächlichen Anteil im Trigonum submandibulare und einem kleineren tiefen Anteil im Mundboden.

Klinischer Leitsatz: Der hintere Rand des M. mylohyoideus verbindet oberflächlichen und tiefen Drüsenanteil. Im Mundboden besteht eine enge, für Operationen entscheidende Beziehung zwischen Wharton-Gang und N. lingualis.

01 · Topografie

Anatomie

Der oberflächliche Anteil liegt unterhalb des M. mylohyoideus im submandibulären Raum. Die Drüse umgreift dessen freien Hinterrand; der tiefe Anteil liegt oberhalb des Mylohyoideus im sublingualen Raum zwischen Mylohyoideus lateral beziehungsweise inferior und Hyoglossus/Genioglossus medial.

Die A. facialis steht in enger Beziehung zur Drüse. Bei der Drüsenexstirpation sind vor allem der Ramus marginalis mandibulae des N. facialis, der N. lingualis und der N. hypoglossus gefährdet.

02 · Ausführungsgang

Ductus submandibularis nach Wharton

Der Gang entspringt aus dem tiefen Drüsenanteil und zieht nach anterior im Mundboden. Der N. lingualis verläuft zunächst lateral des Gangs, zieht dann unter ihm hindurch und liegt weiter anterior medial davon. Der Gang mündet an der Caruncula sublingualis neben dem Zungenbändchen.

Diese dreidimensionale Beziehung erklärt das Risiko für Zungensensibilitäts- und Geschmacksstörungen bei transoralen Eingriffen.

03 · Pathophysiologie

Warum entstehen hier so häufig Speichelsteine?

Der größte Teil der klinisch relevanten Sialolithiasis betrifft das submandibuläre System. Begünstigend wirken wahrscheinlich mehrere Faktoren gemeinsam:

  • relativ langer und teilweise gekrümmter Gang;
  • Verlauf vom tiefen Drüsenanteil nach anterior und kranial;
  • eher visköses, mukin- und mineralreiches Mischsekret;
  • physiologische Engstellen und mögliche Gangstenosen;
  • langsamerer Ruhespeichelfluss.

Die populäre Erklärung „der Gang läuft gegen die Schwerkraft“ ist allein nicht ausreichend.

04 · Klinisches Muster

Klinisches Bild der Obstruktion

Typisch sind Druckschmerz und Schwellung während oder kurz nach einer Mahlzeit. Nach Ende des Speichelreizes kann die Schwellung zurückgehen. Bei Sekundärinfektion treten Dauerschmerz, Rötung, Fieber und trübes oder eitriges Sekret hinzu.

Die Untersuchung umfasst:

1
Inspektion der Caruncula sublingualis;
2
bimanuelle Palpation von Drüse und Mundboden;
3
vorsichtiges Ausstreichen des Gangs;
4
Beurteilung von Sekretmenge und -qualität;
5
Sonographie als erste apparative Methode.
05 · Operative Anatomie

Chirurgische Risiken

Transoraler Gang- oder Steinzugang

  • N. lingualis: allgemeine Sensibilität der vorderen zwei Zungendrittel; mitgeführte Chorda-tympani-Fasern für Geschmack und Sekretomotorik;
  • Ductus submandibularis: Stenose, Fistel oder erneute Obstruktion;
  • Mundbodengefäße: Nachblutung;
  • mögliche Ranula durch Verletzung sublingualer Drüsenanteile.

Zervikale Submandibulektomie

  • Ramus marginalis mandibulae: Asymmetrie der Unterlippe;
  • N. lingualis: Sensibilitäts- und Geschmacksstörung;
  • N. hypoglossus: Störung der Zungenmotorik;
  • A. facialis und weitere Gefäße: Blutungsrisiko.

Die Entfernung der gesamten Drüse ist bei Sialolithiasis heute eine Reservemaßnahme. Vorher werden, sofern verfügbar und sinnvoll, drüsenerhaltende endoskopische, transorale, kombinierte oder lithotriptische Verfahren geprüft.

06 · Prüfungsantwort

Prüfungsantwort

„Die Glandula submandibularis besteht aus einem oberflächlichen und einem tiefen Anteil, die den Hinterrand des M. mylohyoideus umgreifen. Ihr Wharton-Gang zieht im Mundboden zur Caruncula sublingualis. Der N. lingualis kreuzt den Gang, indem er von lateral unter ihm nach medial zieht. Klinisch ist die Drüse der Hauptproduzent des Ruhespeichels und am häufigsten von Sialolithiasis betroffen. Typisch sind mahlzeitenabhängige Schmerzen und Schwellung. Ich untersuche die Papille, palpiere den Mundboden bimanuell und führe als erste Bildgebung meist eine Sonographie durch. Die Therapie soll die Drüse möglichst erhalten.“

07 · Lernpfad

Weiterführende Seiten

Nächstes Kapitel: Glandula sublingualis

Vertiefe Plica sublingualis, Ausführungsgänge, Ranula und die operativ wichtigen Beziehungen im Mundboden.

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