Kenntnisprüfung Zahnmedizin · Speicheldrüsen

Speicheldrüsen – KP-Prüfungsfragen mit Musterantworten

41 interaktive Prüfungsfragen und klinische Fälle zu Anatomie, Bildgebung, Sialolithiasis, Sialadenitis, Ranula, Xerostomie und Tumoren.

KP NiedersachsenFrage & Antwort9 LernabschnitteStand August 2026
00 · Prüfungsstrategie

Prüfungsfragen – Speicheldrüsen

Die Antworten sind bewusst als kurze, begründete Sprechtexte formuliert. In der Prüfung sollte zuerst die klinische Entscheidung genannt und anschließend begründet werden.

01 · Grundlagen

Anatomie und Physiologie

1. Welche drei großen Speicheldrüsen gibt es?

Glandula parotis, Glandula submandibularis und Glandula sublingualis. Zusätzlich existieren zahlreiche kleine Speicheldrüsen in Lippen, Wangen, Gaumen, Zunge, Mundboden und Retromolarregion.

2. Welche Drüse produziert den größten Anteil des Ruhespeichels?

Die Glandula submandibularis. Unter starker Stimulation steigt der relative Anteil der Parotis deutlich an.

3. Wo mündet der Ductus parotideus?

An der Papilla parotidea der Wangenschleimhaut gegenüber dem oberen zweiten Molaren. Er zieht zuvor über den Masseter und durchbohrt den Buccinator.

4. Wo mündet der Ductus submandibularis?

An der Caruncula sublingualis beidseits des Frenulum linguae.

5. Wie verläuft der N. lingualis zum Wharton-Gang?

Der N. lingualis liegt zunächst lateral des Gangs, zieht dann unter ihm hindurch und verläuft weiter anterior medial davon. Diese Beziehung ist bei transoraler Steinchirurgie wichtig.

6. Innerviert der N. facialis die Parotis sekretomotorisch?

Nein. Er durchläuft die Parotis und ist chirurgisch gefährdet. Die parasympathische Sekretomotorik stammt vom N. glossopharyngeus über N. petrosus minor, Ganglion oticum und N. auriculotemporalis.

02 · Methodenwahl

Diagnostik und Bildgebung

7. Welche Untersuchung kommt bei einer Speicheldrüsenschwellung zuerst?

Zuerst Anamnese und klinische Untersuchung mit Inspektion der Papille, Palpation, Sekretbeurteilung und gegebenenfalls Fazialisprüfung. Bei vielen Erkrankungen großer Drüsen ist anschließend die Sonographie die erste apparative Methode.

8. Wann wählen Sie eine CT?

Vor allem bei sonographisch unklarem Stein, Verkalkung, Knocheninfiltration oder akuter tiefer Infektion beziehungsweise Abszessverdacht. Das Protokoll richtet sich nach der Fragestellung.

9. Wann ist die MRT besonders wichtig?

Bei Tumorverdacht, tiefem Parotislappen, parapharyngealer Ausdehnung und möglichem perineuralem Wachstum.

10. Ist die Sialendoskopie eine reine Bildgebung?

Nein. Sie ermöglicht die direkte Untersuchung des Gangsystems und häufig gleichzeitig therapeutische Maßnahmen wie Steinextraktion, Spülung oder Stenosendilatation.

11. Wann ist eine konventionelle Sialographie ungeeignet?

Insbesondere bei akuter eitriger Sialadenitis, weil die retrograde Instrumentation und Kontrastmittelinjektion die Entzündung verschlechtern können.

03 · Obstruktion

Sialolithiasis

12. Was ist das Leitsymptom eines Speichelsteins?

Eine mahlzeitenabhängige schmerzhafte Schwellung. Sie entsteht, weil die stimulierte Sekretion gegen eine Abflussbehinderung arbeitet.

13. Welche Drüse ist am häufigsten betroffen?

Die Glandula submandibularis. Begünstigend sind der lange, gekrümmte Gang, visköseres Mischsekret und relativ langsamer Ruhespeichelfluss.

14. Reicht ein unauffälliges OPG zum Ausschluss eines Steins?

Nein. Überlagerungen und nicht sicher röntgendichte Steine begrenzen die Aussage. Sonographie und bei Bedarf native CT oder Sialendoskopie sind wesentlich aussagekräftiger.

15. Ist die Sialendoskopie bei jedem Stein automatisch Therapie der Wahl?

Nein. Die Strategie hängt von Drüse, Steinlage, Größe, Form, Mobilität, Gangweite, Stenose und Expertise ab. Es kommen rein endoskopische, transorale, lithotriptische und kombinierte Verfahren infrage.

16. Wann geben Sie bei Sialolithiasis Antibiotika?

Nur bei zusätzlicher bakterieller Infektion. Ein mechanischer Stein ohne Infektionszeichen ist keine Antibiotikaindikation.

17. Wann wird die Drüse entfernt?

Nur als Reservemaßnahme, etwa bei schwer geschädigter Drüse, ungeeigneter Anatomie oder Versagen angemessener drüsenerhaltender Verfahren.

04 · Entzündung

Sialadenitis

18. Was spricht für eine akute bakterielle Sialadenitis?

Einseitige schmerzhafte Schwellung, Druckdolenz, Fieber und besonders trübes oder eitriges Sekret aus der Gangpapille. Häufig bestehen Hyposalivation, Dehydratation oder eine Obstruktion.

19. Wie behandeln Sie eine akute bakterielle Sialadenitis?

Ich beurteile zuerst Atemweg, Sepsis und Abszess. Danach kombiniere ich Rehydratation, Mundpflege, vorsichtige Massage, geeignete Speichelstimulation, Analgesie und eine risikoadaptierte Antibiotikatherapie. Abszess und Abflussstörung werden gezielt behandelt.

20. Muss ein Speicheldrüsenabszess immer intraoral eröffnet werden?

Nein. Der Drainageweg richtet sich nach Drüse, Lage und Nachbarstrukturen. Bei der Parotis muss besonders der N. facialis berücksichtigt werden.

21. Was tun Sie bei wiederholten Sialadenitiden?

Ich suche nach Stein, Stenose und chronischer Gang- oder Parenchymerkrankung. Sonographie, MR-Sialographie und Sialendoskopie werden abhängig vom Befund eingesetzt.

05 · Mundboden

Ranula

22. Was ist eine Ranula?

Meist eine Schleimextravasations-Pseudozyste aus dem Bereich der Glandula sublingualis. Sie zeigt sich als fluktuierende Mundbodenschwellung.

23. Was ist eine plunging Ranula?

Eine Ranula, deren Schleimansammlung sich durch beziehungsweise um den M. mylohyoideus in den submandibulären oder zervikalen Raum ausbreitet. Der intraorale Befund kann klein sein.

24. Muss jede Ranula durch Entfernung der Sublingualdrüse behandelt werden?

Nein. Die Therapie hängt von Alter, Ausdehnung, Beschwerden und Rezidiv ab. Die Evidenz zeigt keine für alle Situationen eindeutig überlegene Methode; bei rezidivierender oder plunging Ranula wird die Sublingualdrüse jedoch häufig einbezogen.

06 · Funktion & Systemik

Sialadenose und Xerostomie

25. Was ist eine Sialadenose?

Eine nicht entzündliche, nicht neoplastische, häufig beidseitige schmerzlose Drüsenvergrößerung, meist der Parotis. Sie kann mit metabolischen, nutritiven oder toxischen Faktoren assoziiert sein und ist eine Ausschlussdiagnose.

26. Was ist der Unterschied zwischen Xerostomie und Hyposalivation?

Xerostomie ist das subjektive Trockenheitsgefühl; Hyposalivation ist ein objektiv verminderter Speichelfluss. Beide können gemeinsam oder unabhängig auftreten.

27. Wie messen Sie Speichelmangel?

Durch standardisierte Sialometrie des unstimulierten und gegebenenfalls stimulierten Gesamtspeichels. Ein unstimulierter Wert von höchstens 0,1 ml/min ist deutlich vermindert und Teil der Sjögren-Klassifikationskriterien.

28. Was ist zahnärztlich die wichtigste Therapie bei Hyposalivation?

Neben Ursachenbehandlung ist eine konsequente Kariesprävention entscheidend: intensive Fluoridanwendung, Plaquekontrolle, zuckerarme Ernährung und engmaschige Kontrollen.

29. Warum sind Zitronenbonbons keine ideale Standardempfehlung?

Sie stimulieren zwar Speichel, erhöhen bei häufiger Anwendung aber Säureexposition und Erosionsrisiko. Zuckerfreie, möglichst nicht saure Reize sind zahnschonender.

30. Wie diagnostizieren Sie ein Sjögren-Syndrom?

Interdisziplinär anhand von Klinik, Speichelfluss, Augenuntersuchung, Anti-SSA/Ro und gegebenenfalls Lippenbiopsie. Ein einzelner Antikörper oder subjektive Mundtrockenheit allein beweist die Diagnose nicht.

07 · Onkologie

Speicheldrüsentumoren

31. Was ist der häufigste benigne Speicheldrüsentumor?

Das pleomorphe Adenom.

32. Warum wird ein pleomorphes Adenom nicht enukleiert?

Wegen mikroskopischer Ausläufer und möglicher Satellitenknoten. Eine Enukleation erhöht Tumorruptur- und Rezidivrisiko.

33. Was ist typisch für einen Warthin-Tumor?

Er entsteht fast ausschließlich in der Parotis, häufig kaudal, ist mit Rauchen assoziiert und kann multifokal oder beidseitig auftreten.

34. Welche Befunde sprechen für Malignität?

Fazialisparese, rasches Wachstum, Schmerz, Fixierung, Hautinfiltration, Trismus, weitere Nervenstörungen und suspekte Halslymphknoten.

35. Wie gewinnen Sie Gewebe aus einer Parotisraumforderung?

Geplant und bildgesteuert durch FNA oder Core-Needle-Biopsie in einer spezialisierten Einheit. Eine ungezielte offene Biopsie wird vermieden.

36. Welcher Tumor wächst besonders häufig perineural?

Das adenoid-zystische Karzinom. Schmerzen oder Sensibilitätsstörungen können Hinweise sein; späte Rezidive und Lungenmetastasen begründen eine lange Nachsorge.

08 · Transfer

Klinische Fälle

Fall 1: Schwellung beim Essen

Situation: Ein 48-jähriger Patient berichtet über eine wiederkehrende schmerzhafte Schwellung unter dem rechten Unterkiefer während der Mahlzeiten. Antwort: „Ich vermute eine Obstruktion des submandibulären Systems, am ehesten Sialolithiasis. Ich inspiziere die Caruncula, palpiere den Mundboden bimanuell, prüfe das Sekret und führe eine Sonographie durch. Die definitive Therapie richtet sich nach Steinlage und Mobilität und soll die Drüse erhalten.“

Fall 2: Fieber und eitriges Sekret

Situation: Eine dehydrierte ältere Patientin hat eine akut schmerzhafte Parotisschwellung, Fieber und Eiter aus dem Stensen-Gang. Antwort: „Das spricht für eine akute bakterielle Parotitis. Ich prüfe Sepsis und Abszess, nehme möglichst eine mikrobiologische Probe, rehydriere, behandle Schmerzen und beginne eine geeignete empirische Antibiotikatherapie. Sonographie und bei Komplikationsverdacht CT ergänzen die Diagnostik.“

Fall 3: Schmerzloser Knoten

Situation: Ein 62-jähriger Patient bemerkt seit drei Monaten einen schmerzlosen Knoten in der Parotis. Antwort: „Eine persistierende einseitige schmerzlose Parotisraumforderung ist ein Tumorverdacht. Ich dokumentiere die Fazialisfunktion und Lymphknoten, veranlasse Sonographie, MRT nach Befund und bildgesteuerte Gewebediagnostik. Eine offene Biopsie in der Praxis unterlasse ich.“

Fall 4: Mundtrockenheit

Situation: Eine 70-jährige Patientin nimmt acht Medikamente, benötigt beim Essen Wasser und entwickelt rasch Wurzelkaries. Antwort: „Ich unterscheide Xerostomie von Hyposalivation durch Anamnese, klinischen Befund und Sialometrie. Der Medikamentenplan wird ärztlich auf anticholinerge Belastung geprüft. Parallel beginne ich Speichelstimulation oder -ersatz und eine intensive Fluorid- und Kariesprophylaxe mit engem Recall.“

Fall 5: Parotisparese

Situation: Eine Parotisraumforderung ist hart und mit neu aufgetretener Mundwinkelschwäche verbunden. Antwort: „Die Fazialisparese ist eine Red Flag für Malignität. Ich überweise dringlich in ein Kopf-Hals-Zentrum zur MRT-basierten Ausdehnungsdiagnostik und geplanten Gewebegewinnung. Eine Verzögerung oder offene Praxisbiopsie wäre falsch.“

Nächstes Kapitel: Speicheldrüsen – Gesamtzusammenfassung

Verbinde Anatomie, Diagnostik, entzündliche Erkrankungen, Obstruktion, Xerostomie und Tumoren zu einer kompakten Abschlusswiederholung.

Weiterlernen
Responses (0)
cancel