Kenntnisprüfung Zahnmedizin · Speicheldrüsen

Sialadenose – nicht entzündliche, nicht neoplastische Drüsenvergrößerung

Beidseitige schmerzlose Parotisschwellung, metabolische und nutritive Ursachen, Ausschlussdiagnostik und Therapie.

KP NiedersachsenSialadenose7 LernabschnitteStand August 2026
00 · Klinische Orientierung

Sialadenose – nicht entzündliche, nicht neoplastische Drüsenvergrößerung

Die Sialadenose, auch Sialose genannt, ist eine meist chronische, schmerzlose und häufig beidseitige Vergrößerung großer Speicheldrüsen, besonders der Parotis. Sie ist weder primär entzündlich noch neoplastisch. Histologisch kann eine Vergrößerung der Azinuszellen im Vordergrund stehen.

Klinischer Leitsatz: „Beidseitig und schmerzlos“ macht eine Sialadenose plausibel, beweist sie aber nicht. Autoimmunerkrankung, Medikamenteneffekt, HIV-assoziierte Erkrankung, Lymphom und andere Raumforderungen müssen nach Befund ausgeschlossen werden.

01 · Systembezug

Assoziierte Erkrankungen und Faktoren

Beschriebene Zusammenhänge bestehen unter anderem mit:

  • Diabetes mellitus und anderen Stoffwechselstörungen;
  • chronischer Lebererkrankung und erheblichem Alkoholgebrauch;
  • Mangelernährung;
  • Anorexia nervosa und Bulimia nervosa;
  • endokrinen Störungen;
  • autonomer Neuropathie;
  • einzelnen Medikamenten.

Diese Liste ersetzt keine Kausalitätsprüfung. Bei Essstörungen können wiederholtes Erbrechen, Zahnerosionen, Mundtrockenheit und Elektrolytstörungen zusätzliche Hinweise geben. Die Anamnese wird sensibel und nicht wertend geführt.

02 · Klinisches Muster

Klinik

Typisch sind:

  • langsame, diffuse Drüsenvergrößerung;
  • häufig symmetrische Parotisschwellung;
  • keine ausgeprägte Druckdolenz;
  • keine Hautrötung und kein Fieber;
  • kein eitriges Gangsekret;
  • je nach Ursache normaler oder veränderter Speichelfluss.

Eine harte, knotige, asymmetrische oder progrediente Komponente passt nicht gut zu einer unkomplizierten Sialadenose und verlangt weitere Abklärung.

03 · Ausschlussdiagnostik

Diagnostik

Anamnese

  • Gewichtsverlauf, Ernährungsstatus und Essverhalten;
  • Alkohol und andere Noxen;
  • Diabetes, Leber-, Schilddrüsen- und neurologische Erkrankungen;
  • Medikamente;
  • Sicca-Symptome, rezidivierende Entzündungen und B-Symptomatik.

Untersuchung

Es werden Symmetrie, Konsistenz, Gangsekret, Fazialisfunktion und Halslymphknoten beurteilt. Sonographisch zeigt sich häufig eine diffuse Drüsenvergrößerung ohne fokalen Tumor; Echogenität und Struktur können je nach Ursache variieren. „Homogen“ ist kein obligates Einzelkriterium.

Laboruntersuchungen werden gezielt nach Verdacht gewählt, beispielsweise Glukosestoffwechsel, Leber- und Schilddrüsenparameter sowie Ernährungsmarker. Bei atypischer oder fokaler Läsion folgen MRT und/oder geplante Gewebediagnostik. Die Sialadenose ist damit eine klinische Ausschlussdiagnose.

04 · Klinische Abgrenzung

Differenzialdiagnosen

Differenzialdiagnose Abgrenzender Hinweis
akute Sialadenitis Schmerz, Fieber, Entzündungszeichen, gegebenenfalls Eiter
Sialolithiasis mahlzeitenabhängige Beschwerden, Stein/Gangdilatation
Sjögren-Syndrom Sicca-Symptome, autoimmune/systemische Befunde, strukturelle Drüsenveränderung
virale Parotitis akuter Beginn, Infektionskontext, oft Schmerzen
Warthin-Tumor oder anderer Tumor fokal oder asymmetrisch; Gewebediagnostik erforderlich
Lymphom persistierende asymmetrische Vergrößerung, Lymphknoten, B-Symptomatik möglich
Masseterhypertrophie muskuläre statt glanduläre Vergrößerung
05 · Ursachenbehandlung

Therapie

Behandelt wird primär die zugrunde liegende Erkrankung beziehungsweise der auslösende Faktor. Möglich sind internistische Stoffwechselbehandlung, suchtmedizinische Unterstützung, ernährungsmedizinische Therapie oder multiprofessionelle Behandlung einer Essstörung. Medikamente werden nur gemeinsam mit der verordnenden Ärztin oder dem verordnenden Arzt verändert.

Bei gleichzeitigem Speichelmangel erfolgen symptomatische Maßnahmen und intensive Kariesprävention. Eine Operation behandelt nicht die systemische Ursache und ist deshalb nur in seltenen, sorgfältig ausgewählten Situationen bei erheblicher funktioneller oder psychosozialer Belastung vertretbar.

06 · Prüfungsantwort

Prüfungsantwort

„Die Sialadenose ist eine nicht entzündliche und nicht neoplastische, meist beidseitige schmerzlose Vergrößerung insbesondere der Parotis. Sie kann mit Stoffwechselerkrankungen, Lebererkrankung, Alkoholgebrauch, Mangelernährung oder Essstörungen assoziiert sein. Ich erhebe eine gezielte systemische Anamnese, untersuche Gangsekret, Fazialis und Lymphknoten und führe eine Sonographie durch. Die Diagnose ist eine Ausschlussdiagnose; bei Asymmetrie oder fokalem Befund muss ich vor allem Tumor, Autoimmunerkrankung und Lymphom abklären. Die Therapie richtet sich nach der Grunderkrankung.“

Nächstes Kapitel: Xerostomie und Hyposalivation

Vertiefe subjektive Mundtrockenheit, objektive Speichelminderung, Ursachen, Diagnostik und Kariesprävention.

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