Speicheldrüsen – Gesamtzusammenfassung für die KP
Anatomie, klinische Muster, Bildgebung, Sialolithiasis, Sialadenitis, Ranula, Xerostomie und Tumor-Red-Flags kompakt wiederholen.
Speicheldrüsen – schnelle klinische Wiederholung
Diese Seite ist für die letzte Wiederholung gedacht. Die ausführlichen Begründungen stehen in den verlinkten Fachseiten.
Anatomie in einer Tabelle
| Drüse | Sekret | Gang und Mündung | Klinischer Prüfpunkt |
|---|---|---|---|
| Parotis | serös | Stensen-Gang gegenüber dem oberen zweiten Molaren | N. facialis durchläuft Drüse; Sekretomotorik über N. IX |
| Submandibularis | gemischt, überwiegend serös | Wharton-Gang an Caruncula sublingualis | Hauptanteil Ruhespeichel; N. lingualis kreuzt Gang |
| Sublingualis | gemischt, überwiegend mukös | Rivinus-Gänge an Plica; variabler Bartholin-Gang | Ranula; enge Beziehung zu Wharton-Gang und N. lingualis |
Fünf Leitsymptome
Red Flags
- Atemwegsgefährdung oder rasch zunehmende Mundboden-/Halsschwellung;
- Sepsis oder tiefer Abszess;
- Fazialisparese;
- rasches Tumorwachstum, Fixierung oder Hautinfiltration;
- neue Sensibilitäts- oder andere Hirnnervenstörung;
- suspekte Halslymphknoten;
- persistierende asymmetrische Drüsenschwellung bei Sjögren.
Bildgebung
| Frage | Methode |
|---|---|
| oberflächliche große Drüse, Stein, Entzündung | Sonographie zuerst |
| Verkalkung, Knochen, tiefe akute Infektion | CT |
| Tumorausdehnung, tiefer Parotislappen, Nerven | MRT |
| Gangarchitektur ohne Katheter | MR-Sialographie |
| direkte Gangdiagnostik plus Therapie | Sialendoskopie |
| Tumorgewebe | bildgesteuerte FNA oder Core-Needle-Biopsie |
Sialolithiasis
- häufigste symptomatische obstruktive Erkrankung;
- überwiegend Glandula submandibularis;
- Klinik: Schwellung und Schmerz beim Essen;
- Untersuchung: Papille, Sekret, bimanuelle Palpation;
- Sonographie zuerst, native CT bei Unklarheit;
- Behandlung nach Ort, Größe, Mobilität, Gang und Entzündung;
- endoskopisch, transoral, lithotriptisch oder kombiniert;
- Drüsenentfernung als Reserve;
- Antibiotika nur bei bakterieller Sekundärinfektion.
Sialadenitis
Bakteriell
- meist aufsteigend bei Stase oder Hyposalivation;
- häufig S. aureus, Streptokokken und orale Anaerobier;
- Schmerz, Fieber, Druckdolenz und Eiter;
- Hydratation, Mundpflege, Massage, geeignete Stimulation, Analgesie und Antibiotika;
- Abszess anatomiegerecht drainieren;
- Stein oder Stenose mitbehandeln.
Viral
- Mumps klassisch parotidär und häufig bilateral;
- kein typisches eitriges Gangsekret;
- supportiv, infektiologische Vorgaben beachten;
- keine Antibiotika ohne bakterielle Superinfektion.
Chronisch
- nach Obstruktion, Stenose oder Parenchymschaden;
- Ursache suchen;
- drüsenerhaltende Behandlung anstreben.
Ranula
- meist Schleimextravasations-Pseudozyste der Sublingualdrüse;
- orale Form im Mundboden;
- plunging Form im submandibulären/zervikalen Raum;
- Klinik und Sonographie, bei tiefer Ausdehnung MRT;
- Therapie individuell; keine Methode ist für alle Fälle eindeutig überlegen;
- N. lingualis und Wharton-Gang schützen.
Sialadenose
- nicht entzündlich und nicht neoplastisch;
- meist bilateral, schmerzlos und parotidär;
- metabolische, nutritive, toxische oder autonome Zusammenhänge;
- Tumor, Sjögren, Lymphom und Infektion ausschließen;
- Grunderkrankung behandeln.
Xerostomie und Hyposalivation
- Xerostomie = subjektiv;
- Hyposalivation = objektiv messbar;
- häufig Medikamente und anticholinerge Gesamtlast;
- weitere Ursachen: Dehydratation, Sjögren, Bestrahlung, Radiojod, Diabetes;
- Folgen: Wurzel-/Glattflächenkaries, Candidose, Brennen, Dysphagie, Prothesenprobleme;
- Sialometrie: unstimuliert ≤0,1 ml/min stark vermindert;
- Therapie: Ursache, Medikamentenreview, Stimulation, Ersatzmittel, intensive Fluoridprophylaxe;
- keine pauschale Empfehlung saurer Bonbons.
Tumoren
- Mehrzahl in Parotis, dort überwiegend benign;
- relativer Malignitätsanteil steigt in kleineren Drüsen;
- pleomorphes Adenom häufigster benigner Tumor;
- Warthin-Tumor: Parotis, Rauchen, bilateral/multifokal möglich;
- adenoid-zystisches Karzinom: perineural, späte Rezidive/Fernmetastasen;
- Fazialisfunktion und Halslymphknoten immer dokumentieren;
- Sonographie, MRT nach Befund, geplante FNA/CNB;
- keine ungezielte offene Parotisbiopsie;
- Operation ist meist Grundlage; Radiotherapie und Systemtherapie risikoadaptiert.
Die perfekte 60-Sekunden-Antwort
„Bei einer Speicheldrüsenschwellung prüfe ich zunächst Notfallzeichen. Danach unterscheide ich akut oder chronisch, schmerzhaft oder schmerzlos, ein- oder beidseitig und frage nach einem Mahlzeitenbezug. Prandiale Beschwerden sprechen für Stein oder Stenose, Fieber und eitriges Sekret für bakterielle Sialadenitis, eine beidseitige schmerzlose Schwellung für Sialadenose oder Systemerkrankung und ein persistierender einseitiger schmerzloser Knoten für einen Tumor. Ich inspiziere die Papillen, palpiere Drüse und Mundboden und dokumentiere bei Parotisbefunden die Fazialisfunktion. Sonographie ist häufig die erste Bildgebung, CT nutze ich für Kalk, Knochen und tiefe Infektion, MRT für Tumor und perineurales Wachstum. Die Therapie soll die Ursache behandeln und die Drüse möglichst erhalten.“
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