Kardiovaskuläre Risikopatienten in der Zahnchirurgie
Herzpatienten sicher einschätzen und behandeln: koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, Stent, Hypertonie, Herzinsuffizienz, Herzklappen, Endokarditisprophylaxe, Antikoagulation, Adrenalin und kardiovaskuläre Notfälle.
Kardiovaskuläre Risikopatienten: Nicht die Diagnose allein entscheidet
Ein Herzpatient ist nicht automatisch ein Hochrisikopatient. Das zahnchirurgische Risiko ergibt sich aus dem Zusammenspiel von aktueller Stabilität, funktioneller Belastbarkeit, Medikation, geplantem Eingriff und möglichem kardiovaskulärem Notfall.
Eine gut eingestellte Hypertonie, ein seit Jahren beschwerdefreier Koronarpatient und eine frisch dekompensierte Herzinsuffizienz dürfen nicht gleich behandelt werden. Ebenso ist eine kleine atraumatische Extraktion unter wirksamer Lokalanästhesie anders zu bewerten als eine längere Operation mit Sedierung, erheblichem Blutungsrisiko oder Nüchternheit.
| Dimension | Entscheidende Frage | Klinische Konsequenz |
|---|---|---|
| Kardiale Diagnose | Liegt KHK, Herzinsuffizienz, Arrhythmie, Klappenvitium oder eine andere relevante Erkrankung vor? | Erwartbare Komplikationen und nötige Rücksprache erkennen |
| Aktuelle Stabilität | Gibt es neue Beschwerden, kürzliche Verschlechterung, Ruheangina oder Luftnot? | Instabilität verschiebt die Entscheidung von Routine zu Notfall oder Klinik |
| Belastbarkeit | Werden alltägliche körperliche Belastungen ohne Thoraxschmerz oder Atemnot bewältigt? | Funktionelle Reserve realistischer beurteilen |
| Medikation | Welche Antithrombotika, Antihypertensiva und Herzinsuffizienzmedikamente werden eingenommen? | Blutstillung, Interaktionen und perioperative Planung anpassen |
| Eingriff und Umfeld | Wie invasiv, schmerzhaft, dringend und lang ist die Behandlung? | Ambulantes Setting, Überwachung oder stationäre Versorgung auswählen |
Prüfungsreif ist deshalb nicht die pauschale Aussage „Herzpatienten darf man nicht operieren“, sondern die begründete Entscheidung, welcher Patient unter welchen Voraussetzungen wo behandelt werden kann.
Kardiovaskuläre Anamnese vor einer Zahnoperation
Die Anamnese muss eine Diagnose in konkrete klinische Informationen übersetzen. Besonders wichtig sind Ereigniszeitpunkte, Symptomverlauf und die tatsächliche Medikamenteneinnahme am Behandlungstag.
- Diagnosen: KHK, Herzinfarkt, Stent, Bypass, Herzinsuffizienz, Hypertonie, Vorhofflimmern, andere Arrhythmien, Klappenerkrankungen, Endokarditis, Schrittmacher oder ICD.
- Aktuelle Beschwerden: Thoraxschmerz, Belastungs- oder Ruhedyspnoe, Orthopnoe, Palpitationen, Schwindel, Synkopen, Ödeme und abnehmende Belastbarkeit.
- Zeitachse: Wann waren Infarkt, Stentimplantation, Klappenersatz, Schlaganfall, stationäre Aufnahme oder letzte Verschlechterung?
- Medikamente: ASS, Clopidogrel, Prasugrel, Ticagrelor, Phenprocoumon, Warfarin, Apixaban, Rivaroxaban, Edoxaban, Dabigatran, Betablocker, Nitrate, Diuretika und weitere Herzmedikation.
- Unterlagen: Medikationsplan, Stent-, Klappen-, Antikoagulations- oder Geräteausweis sowie aktuelle Befunde und gegebenenfalls INR.
- Basisparameter: Blutdruck, Pulsfrequenz und -regelmäßigkeit; bei auffälliger Atmung oder klinischer Beeinträchtigung Sauerstoffsättigung und strukturierte Akutbeurteilung.
Ein unbekannter „Blutverdünner“ genügt nicht als dokumentierte Information. Wirkstoff, Indikation, letzte Einnahme, Kombinationstherapie und bei DOAK gegebenenfalls Nierenfunktion beeinflussen die Planung erheblich.
Körperliche Belastbarkeit: Was bedeutet die 4-MET-Grenze?
Die funktionelle Kapazität beschreibt, wie gut der Patient körperliche Belastung toleriert. Als praktische Orientierung entsprechen ungefähr 4 metabolische Äquivalente, MET, etwa dem selbstständigen Treppensteigen über zwei Stockwerke oder vergleichbarer alltäglicher Belastung.
Kann eine Person solche Aktivitäten ohne Thoraxschmerz, erhebliche Dyspnoe oder Erschöpfung bewältigen, spricht dies für eine günstigere Belastbarkeit. Beschwerden bereits bei geringer Anstrengung oder in Ruhe sind dagegen ein Warnsignal.
Die 4-MET-Schwelle ist kein isolierter Freigabeschein. Orthopädische Beschwerden, Frailty, neurologische Einschränkungen und fehlende Trainingsmöglichkeiten können die Belastbarkeit unabhängig vom Herzen begrenzen. Bei kleinen zahnärztlichen Eingriffen ist zudem der tatsächliche physiologische Stress meist deutlich geringer als bei größeren nichtkardialen Operationen.
ASA-Klassifikation bei kardiovaskulären Patienten
Die ASA-Klassifikation beschreibt den allgemeinen Gesundheitszustand und unterstützt die Kommunikation zwischen Zahnmedizin, Anästhesie und Kardiologie. Sie ersetzt weder Anamnese noch die Prüfung der aktuellen Stabilität.
| Klasse | Grundprinzip | Mögliche kardiovaskuläre Beispiele | Zahnchirurgische Bedeutung |
|---|---|---|---|
| ASA I | Keine relevante systemische Erkrankung | Kardiovaskulär gesunde Person | Übliche Behandlungsvoraussetzungen |
| ASA II | Leichte, gut kontrollierte Systemerkrankung | Gut eingestellte Hypertonie ohne relevante Funktionseinschränkung | Regelhaft ambulant; Basisparameter und Medikation beachten |
| ASA III | Schwere Systemerkrankung mit funktioneller Relevanz | Stabile bedeutsame KHK, implantierter Schrittmacher, länger zurückliegender Infarkt oder Stent je nach Gesamtsituation | Individualisierte Planung, Stressreduktion und gegebenenfalls fachärztliche Abstimmung |
| ASA IV | Schwere Systemerkrankung mit ständiger Lebensbedrohung | Instabile Ischämie, kürzliches relevantes kardiales Ereignis oder schwere dekompensierte Insuffizienz | Keine elektive Routineversorgung; notwendige Behandlung im geeigneten klinischen Setting |
Die konkrete ASA-Einstufung bleibt eine klinische Einzelfallentscheidung. Ein implantierter Stent macht den Patienten weder automatisch ASA II noch automatisch lebenslang ASA IV. Auch ein ASA-III-Patient kann für einen kurzen, gut geplanten Eingriff geeigneter sein als ein formal niedriger eingestufter, aktuell instabiler Patient.
Wann ist ein kardiovaskulärer Patient nicht stabil?
Eine elektive Behandlung wird nicht begonnen, wenn Symptome auf eine akute kardiale Verschlechterung hindeuten. Besonders relevant sind neu aufgetretene oder zunehmende Beschwerden und eine erkennbare Änderung gegenüber dem bekannten Ausgangszustand.
- Brustschmerz in Ruhe, neuartige Angina, zunehmende Angina oder Verdacht auf akutes Koronarsyndrom.
- Ruhedyspnoe, Orthopnoe, schaumiger Auswurf oder Hinweise auf akute kardiale Dekompensation.
- Neu aufgetretene Synkope, schwere Palpitationen, symptomatische Tachy- oder Bradykardie.
- Erheblich erhöhte Blutdruckwerte zusammen mit Thoraxschmerz, neurologischen Defiziten, Atemnot oder Bewusstseinsstörung.
- Kürzliches kardiales Ereignis, frische Stentimplantation oder Veränderung der Antithrombotika ohne geklärtes Behandlungskonzept.
- Fieber, Allgemeinzustandsverschlechterung und Endokarditisverdacht bei entsprechender kardialer Risikokonstellation.
Bei akuten lebensbedrohlichen Symptomen ist nicht lediglich eine „kardiologische Freigabe“ einzuholen: Es erfolgt die sofortige Notfalleinschätzung und gegebenenfalls Alarmierung über 112.
Warum Schmerz und Angst für Herzpatienten gefährlich sein können
Angst, Schmerzen und längere belastende Eingriffe steigern die endogene Katecholaminfreisetzung. Dadurch können Herzfrequenz, Blutdruck und myokardialer Sauerstoffbedarf zunehmen. Bei eingeschränkter koronarer Durchblutung oder instabilem Rhythmus kann diese Stressreaktion klinisch relevanter sein als eine vorsichtig dosierte Lokalanästhesie mit Vasokonstriktor.
Hilfreich sind ein ruhiges Gespräch, kurze überschaubare Termine, ausreichend wirksame Anästhesie, eine bequeme Lagerung und regelmäßige Kontrolle relevanter Vitalparameter. Die gewohnte Dauermedikation darf nicht eigenmächtig ausgelassen werden. Bei Herzinsuffizienz oder Orthopnoe kann eine halb aufrechte Position notwendig sein.
Sedierung oder Lachgas können bei geeigneter Indikation den Stress reduzieren, setzen aber passende Qualifikation, Überwachung und eine individuelle Risikoabwägung voraus. Schwere respiratorische Erkrankung, relevante Schlafapnoe, hämodynamische Instabilität oder Arzneimittelinteraktionen können gegen bestimmte Verfahren sprechen.
Koronare Herzkrankheit: Stabilität vor Eingriffsumfang
Bei der koronaren Herzkrankheit vermindern atherosklerotische Veränderungen die Durchblutungsreserve des Herzmuskels. Klinisch entscheidend ist, ob ein stabiles chronisches Koronarsyndrom vorliegt oder Hinweise auf eine akute oder progrediente Ischämie bestehen.
Ein stabiler Patient kennt sein Beschwerdeprofil, toleriert seine übliche Alltagsbelastung und berichtet keine neu aufgetretene Ruheangina. Zahnchirurgische Eingriffe sind bei geeigneter Planung häufig ambulant möglich. Dazu gehören Stressreduktion, sichere Analgesie, Beachtung der antithrombotischen Therapie und ein erreichbares Notfallkonzept.
Fragen Sie nach Belastungsangina, Nitratgebrauch, Veränderungen in Häufigkeit oder Schwere der Beschwerden sowie zurückliegenden Infarkten, Revaskularisationen und Krankenhausaufenthalten. Eine plötzliche Zunahme des Nitratbedarfs ist ein Warnsignal.
Stabile Angina, instabile Angina und Infarktverdacht
| Situation | Typisches Muster | Konsequenz |
|---|---|---|
| Bekannte stabile Angina | Vorhersehbare Beschwerden unter Belastung; vergleichbares bekanntes Muster; Besserung nach Ruhe und gegebenenfalls verordnetem Nitrat | Behandlung unterbrechen, überwachen und nur nach vollständiger Stabilisierung über das weitere Vorgehen entscheiden |
| Instabile Angina | Neu aufgetretener, zunehmender oder in Ruhe bestehender Thoraxschmerz; geringere Belastungsschwelle als zuvor | Akutes Koronarsyndrom vermuten; Notruf und notfallmedizinische Abklärung |
| Infarktverdacht | Anhaltender Druck, Enge oder Schmerz; Ausstrahlung in Arm, Rücken, Hals oder Kiefer; Dyspnoe, Schweißausbruch, Übelkeit oder Kreislaufinstabilität | 112, ABCDE, Monitoring, AED-Bereitschaft und Übergabe an den Rettungsdienst |
Koronare Beschwerden können atypisch sein, insbesondere bei älteren Menschen, Diabetes mellitus und teilweise bei Frauen. Luftnot, Schwäche, Übelkeit oder neuartige Kieferschmerzen können im passenden Kontext eine kardiale Ursache haben. Ein fehlender „klassischer“ Armschmerz schließt ein akutes Koronarsyndrom nicht aus.
Brustschmerz im Behandlungsstuhl: Sofortmaßnahmen
Die Behandlung wird sofort beendet. Der Patient wird beruhigt, in einer individuell angenehmen, häufig halb sitzenden Position gelagert und nach dem ABCDE-Prinzip beurteilt. Bei anhaltendem, neuem oder ungewöhnlichem Thoraxschmerz wird frühzeitig der Rettungsdienst über 112 verständigt.
Ein vorhandenes, ärztlich verordnetes Nitrospray kann bei geeigneter Kreislaufsituation und entsprechendem Notfallprotokoll unterstützt werden. Nicht anwenden bei Hypotonie, Kreislaufinstabilität oder relevanter gleichzeitiger beziehungsweise kürzlich zurückliegender Einnahme von PDE-5-Hemmern; auch schwere Aortenstenose oder andere besondere Kreislaufkonstellationen erfordern Zurückhaltung.
Sauerstoff wird bei Hypoxämie oder ausgeprägter respiratorischer Beeinträchtigung eingesetzt, nicht reflexhaft bei jedem stabil atmenden Brustschmerzpatienten. Ob ASS gegeben wird, hängt von Kontraindikationen, bestehender Medikation und den Anweisungen des Rettungsdienstes beziehungsweise lokalen Notfallprotokolls ab.
Entscheidender Sicherheitsgrundsatz: Persistierender oder neuartiger Brustschmerz ist kein Anlass, den Eingriff „schnell zu beenden“. Behandlung abbrechen, 112 alarmieren, Vitalfunktionen überwachen und den AED verfügbar halten.
Bei Bewusstlosigkeit ohne normale Atmung werden sofort Herzdruckmassage und automatisierter externer Defibrillator entsprechend der aktuellen Reanimationsschulung eingesetzt.
Zahnbehandlung nach Herzinfarkt oder Koronarstent
Nach akutem Koronarsyndrom oder perkutaner Koronarintervention hängt die Behandlungsfähigkeit von der klinischen Stabilität, dem Ereigniszeitpunkt, der Stentindikation, der Medikation und der Dringlichkeit des zahnärztlichen Eingriffs ab.
Die perioperative kardiologische Leitlinienlogik empfiehlt für größere elektive nichtkardiale Operationen, bei denen eine antithrombotische Therapie unterbrochen werden müsste, nach medikamentenbeschichtetem Stent häufig längere Wartezeiten: nach akutem Koronarsyndrom typischerweise etwa zwölf Monate, bei chronischem Koronarsyndrom häufig sechs Monate. Zeitkritische Operationen können in ausgewählten Situationen früher erwogen werden.
Diese Zeitfenster dürfen nicht undifferenziert auf jede atraumatische Zahnextraktion übertragen werden. Ein dringlicher, kleiner zahnärztlicher Eingriff kann häufig unter fortgeführter Thrombozytenhemmung und nach kardiologischer Abstimmung erfolgen. Je frischer der Stent und je komplexer die Koronarsituation, desto wichtiger ist die Rücksprache.
Besonders gefährlich ist eine unkoordinierte Unterbrechung der antithrombotischen Therapie kurz nach Stentimplantation. Eine Stentthrombose kann unmittelbar lebensbedrohlich sein; eine lokale Nachblutung ist dagegen häufig beherrschbar.
Prüfungsfalle: Ein Koronarstent allein begründet keine antibiotische Endokarditisprophylaxe.
ASS, Clopidogrel, Ticagrelor und duale Plättchenhemmung
Thrombozytenaggregationshemmer wie ASS, Clopidogrel, Prasugrel oder Ticagrelor werden insbesondere bei koronarer Erkrankung, nach Stentimplantation oder nach vaskulären Ereignissen eingesetzt. Die Kombination von ASS mit einem P2Y12-Hemmer wird als duale Plättchenhemmung, DAPT, bezeichnet.
Nach akutem Koronarsyndrom ist eine zwölfmonatige duale Hemmung häufig der Ausgangspunkt der Therapieplanung. Allerdings können Blutungsrisiko, gleichzeitig notwendige orale Antikoagulation, Stenttyp und individuelle Kardiologieentscheidungen zu abweichenden, teilweise kürzeren Strategien führen.
Für viele kleinere oralchirurgische Eingriffe werden Thrombozytenhemmer nicht eigenständig pausiert. Stattdessen werden atraumatische Technik, begrenzter Operationsumfang, primäre Wundversorgung und lokale Blutstillung geplant.
Bei komplexeren Eingriffen, besonders frischem Stent, kombinierter Antikoagulation oder unklarer Indikation wird vorab die behandelnde kardiologische Stelle einbezogen. Der INR-Wert ist zur Beurteilung von ASS, Clopidogrel, Ticagrelor oder Prasugrel nicht geeignet.
Vitamin-K-Antagonisten, DOAK und INR in der Zahnchirurgie
Antikoagulanzien werden unter anderem bei Vorhofflimmern, venösen Thromboembolien und mechanischen Herzklappen eingesetzt. Die Planung richtet sich nach Wirkstoff, Indikation, Blutungsrisiko, Begleiterkrankungen und lokalen Behandlungsempfehlungen.
Vitamin-K-Antagonisten
Phenprocoumon und Warfarin werden über den INR-Wert überwacht. Für invasive dentale Eingriffe empfiehlt die SDCEP bei einem INR unter 4 grundsätzlich die Behandlung ohne Unterbrechung des Vitamin-K-Antagonisten, begleitet von sorgfältiger lokaler Blutstillung. Andere regionale Vorgaben oder Eingriffsarten können konservativere Grenzen vorsehen.
Der INR sollte möglichst innerhalb von 24 Stunden vor dem Eingriff vorliegen; bei nachweislich stabiler Einstellung kann ein Wert aus den letzten 72 Stunden ausreichen. Bei INR ab 4 wird die invasive Behandlung normalerweise verschoben und die antikoagulationsführende Stelle kontaktiert; dringliche Fälle gehören gegebenenfalls in eine geeignete Klinik.
Direkte orale Antikoagulanzien
Apixaban, Rivaroxaban, Edoxaban und Dabigatran werden nicht über den INR gesteuert. Bei Eingriffen mit geringem Blutungsrisiko können DOAK häufig ohne Änderung fortgeführt werden. Bei höherem Blutungsrisiko beschreibt die SDCEP für ausgewählte Situationen eine ausgelassene morgendliche Dosis von Apixaban oder Dabigatran beziehungsweise eine verzögerte morgendliche Gabe von Rivaroxaban oder Edoxaban.
Dieses Vorgehen ist abhängig von Dosierungszeitpunkt, Nierenfunktion, Indikation, Thromboserisiko und lokaler SOP; es ist keine pauschale Empfehlung zum mehrtägigen Absetzen. Frische Thrombosen, spezielle Hochdosisphasen oder geplante Kardioversionen können eine möglichst ununterbrochene Antikoagulation erfordern.
Mechanische Herzklappen werden grundsätzlich mit geeigneten Vitamin-K-Antagonisten behandelt; DOAK sind hierfür in der Regel nicht die richtige Standardtherapie. Ein routinemäßiges Heparin-Bridging vor kleinen zahnchirurgischen Eingriffen ist nicht sinnvoll und kann das Blutungsrisiko erhöhen. Besonders komplexe Situationen werden fachärztlich entschieden.
Lokale Blutstillung unter Antithrombotika
Die zentrale Strategie besteht darin, die kardiovaskulär notwendige Medikation möglichst zu erhalten und die lokale Blutung kontrolliert zu behandeln.
- Kurzer, atraumatischer und möglichst überschaubarer Eingriff; gegebenenfalls Behandlung in mehreren Sitzungen.
- Sorgfältige Kürettage nur soweit indiziert und konsequente mechanische Kompression.
- Primärer Wundverschluss und Naht, sofern anatomisch und chirurgisch sinnvoll.
- Lokale Hämostyptika wie geeignete Kollagenmaterialien, oxidierte Cellulose oder andere verfügbare Wundauflagen.
- Tranexamsäurehaltige lokale Maßnahmen, wenn sie verfügbar, indiziert und mit der lokalen SOP vereinbar sind.
- Entlassung erst nach gesicherter Hämostase sowie klare schriftliche Hinweise für Nachblutung und Erreichbarkeit.
Eine verlängerte Blutung nach einer Zahnextraktion ist meist lokal beherrschbar. Das thromboembolische Risiko durch unüberlegtes Absetzen kann dagegen Herzinfarkt, Schlaganfall, Klappenthrombose oder Stentthrombose verursachen.
Arterielle Hypertonie: Welche Werte sind zahnärztlich relevant?
Ein einzelner hoher Praxiswert bedeutet nicht automatisch eine hypertensive Krise. Schmerz, Aufregung, volle Blase, ungeeignete Manschettengröße und unzureichende Ruhezeit können den Blutdruck vorübergehend erhöhen. Deshalb wird nach kurzer Ruhe korrekt erneut gemessen.
| Wert und Situation | Elektive Zahnchirurgie | Dringliche Zahnbehandlung |
|---|---|---|
| Unter 160/100 mmHg und klinisch stabil | Häufig regulär möglich; individuelles Herz-Kreislauf-Risiko berücksichtigen | In der Regel möglich, wenn keine zusätzliche Instabilität besteht |
| Wiederholt etwa 160–179/100–109 mmHg, keine Alarmsymptome | Messung wiederholen, medizinische Mitbehandlung berücksichtigen und elektiven Eingriff gegebenenfalls verschieben | Bei schmerz- oder infektionsbedingter Dringlichkeit individuelle Behandlung mit Stressreduktion und engmaschiger Kontrolle möglich |
| Ab etwa 180 systolisch oder 110 diastolisch, keine akuten Organsymptome | Elektive Versorgung verschieben und zeitnahe ärztliche Abklärung organisieren | Nur nach individueller ärztlicher Abstimmung oder im geeigneten klinischen Setting |
| Hoher Blutdruck mit Thoraxschmerz, Dyspnoe, neurologischem Defizit oder Bewusstseinsstörung | Keine Zahnbehandlung | Notfallversorgung und 112; akute Organschädigung vermuten |
Diese Werte sind praxisbezogene Orientierungen und keine vollständig evidenzgesicherten, universellen Abbruchgrenzen. Die Entscheidung hängt von Beschwerden, Grunderkrankungen, Ausgangswerten, Behandlungsumfang und lokaler Notfallstruktur ab.
Wichtig: Ein Blutdruck von 150/95 mmHg ist nicht pauschal als „gut kontrolliert“ zu bezeichnen, auch wenn eine kurze notwendige Zahnbehandlung je nach Gesamtsituation möglich sein kann.
Hypertensiver Notfall ist mehr als eine hohe Zahl
Ein hypertensiver Notfall liegt vor, wenn eine erhebliche Blutdruckerhöhung mit Hinweisen auf eine akute Schädigung von Zielorganen einhergeht. Dazu zählen akutes Koronarsyndrom, Lungenödem, Schlaganfall, hypertensive Enzephalopathie oder andere schwere Organmanifestationen.
Warnzeichen sind starker Thoraxschmerz, neu aufgetretene Atemnot, fokal-neurologische Defizite, Sprachstörung, schwere Kopfschmerzen mit Bewusstseinsveränderung oder eine akute Sehverschlechterung. Ein hoher Messwert ohne solche Befunde ist ernst zu nehmen, aber nicht automatisch dasselbe wie ein hypertensiver Notfall.
Die zahnärztliche Aufgabe besteht in Behandlungsabbruch, ABCDE-Beurteilung, angemessener Lagerung, Monitoring und Notruf. Eine eigenständige rasche Blutdrucksenkung mit ungeeigneten Medikamenten kann gefährlich sein und gehört nicht zur improvisierten Standardmaßnahme in der Praxis.
Herzinsuffizienz und NYHA-Stadium
Herzinsuffizienz kann bei reduzierter, leicht reduzierter oder erhaltener linksventrikulärer Auswurffraktion bestehen. Für die Zahnarztpraxis ist besonders relevant, ob der Patient kompensiert ist oder aktuell unter Stauung, Luftnot und vermindertem Herzzeitvolumen leidet.
| NYHA | Funktionelle Situation | Praktische Konsequenz |
|---|---|---|
| I | Keine relevante Einschränkung bei gewöhnlicher Belastung | Bei Stabilität meist ambulante Routineplanung |
| II | Beschwerden bei stärkerer oder gewöhnlicher Belastung, in Ruhe beschwerdefrei | Kurze Termine, geeignete Lagerung und individuelle Stressreduktion |
| III | Beschwerden bereits bei geringer Belastung | Ausgeprägte Vorsicht; fachärztliche Rücksprache und gegebenenfalls spezialisiertes Setting |
| IV | Beschwerden in Ruhe oder bei minimaler Aktivität | Keine elektive ambulante Zahnchirurgie; dringende Versorgung klinisch abgestimmt |
Fragen Sie nach nächtlicher Atemnot, Anzahl der benötigten Kopfkissen, zunehmenden Beinödemen, unerklärter Gewichtszunahme, Hospitalisationen und Änderungen der Diuretikatherapie. Eine stabile NYHA-II-Situation ist anders zu beurteilen als ein Patient mit plötzlich neu aufgetretener Orthopnoe.
Diuretika können Mundtrockenheit, orthostatische Beschwerden und Elektrolytstörungen begünstigen. Betablocker, RAAS-Hemmer und weitere Medikamente werden nicht ohne fachärztlichen Grund eigenmächtig abgesetzt.
Orthopnoe, kardiale Atemnot und Lungenödem
Orthopnoe bezeichnet eine Atemnot, die im Liegen zunimmt und sich durch Aufrichten bessert. Sie kann bei Herzinsuffizienz auf relevante pulmonale Stauung hinweisen. Patienten mit ausgeprägter Orthopnoe tolerieren eine flache Behandlungsposition unter Umständen nicht.
Akutes Lungenödem kann sich durch schwere Luftnot, Tachypnoe, rasselnde Atmung, Unruhe, Kaltschweißigkeit und gelegentlich schaumigen Auswurf zeigen. Die Behandlung wird sofort beendet, der Patient aufrecht gelagert und der Rettungsdienst alarmiert.
Sauerstoff wird bei Hypoxämie oder ausgeprägter Atemnot gemäß verfügbarem Notfallkonzept eingesetzt. Eine definitive medikamentöse und intensivmedizinische Therapie gehört in die Hände des Rettungsdienstes beziehungsweise der Klinik.
Vorhofflimmern: Arrhythmie und Antikoagulation getrennt beurteilen
Vorhofflimmern erhöht abhängig vom individuellen Risikoprofil die Wahrscheinlichkeit thromboembolischer Ereignisse, insbesondere von Schlaganfällen. Viele Patienten erhalten deshalb eine orale Antikoagulation mit DOAK oder Vitamin-K-Antagonisten.
Zahnärztlich müssen zwei Fragen getrennt werden: Ist der Kreislauf unter der Rhythmusstörung aktuell stabil? Und: Wie wird die Antikoagulation für den konkreten Eingriff sicher berücksichtigt?
Ein bekanntes, frequenzkontrolliertes Vorhofflimmern ohne Beschwerden verhindert nicht automatisch eine ambulante Behandlung. Neu aufgetretenes starkes Herzrasen, Schwindel, Synkope, Thoraxschmerz oder Hypotonie sprechen dagegen für eine instabile Situation und erfordern akute medizinische Beurteilung.
Der INR ist nur bei Vitamin-K-Antagonisten aussagekräftig. Bei Apixaban, Rivaroxaban, Edoxaban oder Dabigatran wäre ein „normaler INR“ keine verlässliche Entwarnung.
Herzrhythmusstörungen und Synkope
Gelegentliche bekannte Extrasystolen sind anders zu bewerten als eine neue symptomatische Tachykardie, eine ausgeprägte Bradykardie oder ein Kollaps ohne klare harmlose Ursache. Entscheidend sind Bewusstsein, Blutdruck, Thoraxschmerz, Dyspnoe und klinische Perfusion.
Eine vasovagale Synkope ist in der Zahnarztpraxis häufig, darf bei kardial vorerkrankten Patienten jedoch nicht unkritisch vorausgesetzt werden. Persistierende Bewusstseinsstörung, auffälliger Puls, Belastungssynkope, Palpitationen oder Verletzungszeichen erfordern eine weitergehende Akutbeurteilung.
Wenn die Person bewusstlos ist und nicht normal atmet, beginnt die Basisreanimation unverzüglich. Ein automatisierter externer Defibrillator darf auch bei vorhandenem Herzschrittmacher oder ICD benutzt werden; Klebeelektroden werden nicht direkt über dem Aggregat platziert.
Bei relevanter QT-Verlängerung oder arrhythmogener Medikation können zusätzliche Medikamente wie Makrolide problematisch sein. Arzneimittelinteraktionen müssen vor der Verordnung geprüft werden.
Herzklappenerkrankungen, Aortenstenose und Klappenersatz
Herzklappenerkrankungen beeinflussen die Zahnbehandlung über drei voneinander unabhängige Ebenen: hämodynamische Belastbarkeit, antithrombotische Therapie und gegebenenfalls Endokarditisrisiko.
Eine schwere symptomatische Aortenstenose kann sich durch Belastungsdyspnoe, Angina pectoris und Synkopen bemerkbar machen. Solche Patienten tolerieren Hypotonie, Tachykardie und starke Kreislaufschwankungen unter Umständen schlecht. Elektive invasive Behandlung erfolgt erst nach sorgfältiger fachärztlicher Einordnung.
Mechanische Klappen erfordern typischerweise eine langfristige Therapie mit Vitamin-K-Antagonisten. Biologische Klappen und per Katheter implantierte Aortenklappen, TAVI, können andere antithrombotische Regime aufweisen. Die konkrete Medikation wird nicht aus dem Wort „Herzklappe“ geraten, sondern anhand des Ausweises und des Arztbriefs geklärt.
Klappenprothesen und bestimmtes zur Klappenrekonstruktion eingesetztes Fremdmaterial gehören zu den Konstellationen mit besonderem Endokarditisrisiko. Daraus folgt eine prophylaktische Antibiotikagabe nur dann, wenn zusätzlich ein entsprechend relevanter dentaler Eingriff durchgeführt wird.
Wer braucht eine dentale Endokarditisprophylaxe?
Eine infektiöse Endokarditis ist eine schwerwiegende Infektion kardialer Strukturen. Eine antibiotische Prophylaxe wird für zahnärztliche Eingriffe nicht bei jeder Herzerkrankung empfohlen, sondern vor allem bei bestimmten Konstellationen mit besonders ungünstigen Folgen einer Endokarditis.
| Hochrisiko bei entsprechendem Eingriff | Keine automatische Prophylaxe allein aufgrund dieser Diagnose |
|---|---|
| Mechanische oder biologische Herzklappenprothese, einschließlich kathetergestützter Klappenimplantation | Koronarstent oder koronare Bypassoperation |
| Prothetisches Material zur Klappenrekonstruktion, beispielsweise Ring, Clip oder künstliche Sehne | Herzschrittmacher oder ICD ohne zusätzliche Hochrisikokonstellation |
| Früher durchgemachte infektiöse Endokarditis | Isolierte arterielle Hypertonie oder Vorhofflimmern |
| Ausgewählte zyanotische angeborene Herzfehler beziehungsweise operierte Herzfehler mit relevantem Residualdefekt | Unkomplizierte native Klappenerkrankung ohne weitere Hochrisikomerkmale |
| Vollständig mit prothetischem Material versorgter angeborener Herzfehler in den ersten sechs Monaten nach der Reparatur | Orthopädisches Gelenkimplantat ohne besondere fachärztliche Einzelindikation |
| Herztransplantation mit strukturell veränderter, insuffizienter Herzklappe gemäß einschlägiger Empfehlung | Unspezifisches Herzgeräusch oder „Herzpatient“ ohne präzisierte Diagnose |
Bei komplexen angeborenen Herzfehlern, unklarer Prothesenart oder widersprüchlichen Arztbriefen wird die behandelnde Kardiologie einbezogen. Entscheidend sind die aktuelle Fachinformation, regionale Empfehlungen und der individuelle Herzpass.
Welche zahnärztlichen Eingriffe lösen eine Prophylaxe aus?
Bei einem geeigneten Hochrisikopatienten ist eine Prophylaxe vor Eingriffen relevant, die Gingivagewebe manipulieren, die periapikale Region eines Zahns betreffen oder die Mundschleimhaut perforieren.
- Typischerweise relevant: Zahnextraktionen, operative Zahnentfernungen, dentoalveoläre Chirurgie, subgingivale Maßnahmen mit Gewebemanipulation und vergleichbare invasive Verfahren.
- Typischerweise nicht relevant: dentale Röntgenaufnahmen, Lokalanästhesie durch nicht infiziertes Gewebe, das Einsetzen beziehungsweise Anpassen herausnehmbarer Prothetik oder gewöhnliche kieferorthopädische Anpassungen ohne relevante Gewebeverletzung.
Eine sichtbare Blutung allein ist nicht das einzige Entscheidungskriterium; ebenso löst nicht jeder Kontakt mit der Mundhöhle automatisch eine Antibiotikagabe aus. Es müssen Hochrisikokonstellation und relevanter Eingriff gemeinsam vorliegen.
Regelmäßige Mundhygiene, parodontale Stabilisierung und die Sanierung chronischer oraler Infektionen sind für die langfristige Prävention wesentlich. Eine Einmaldosis vor einem Eingriff ersetzt keine dauerhafte orale Gesundheit.
Endokarditisprophylaxe: Dosierung und wichtige Fehler
Bei bestätigter Indikation erhalten Erwachsene üblicherweise Amoxicillin 2 g oral 30–60 Minuten vor dem Eingriff. Für Kinder wird die Dosis gewichtsbezogen festgelegt; ein häufig verwendeter Richtwert beträgt 50 mg/kg bis zur jeweiligen Erwachsenenhöchstdosis.
Bei Penicillinallergie kommen je nach Allergietyp und individueller Situation andere Wirkstoffe infrage, darunter Cephalexin 2 g, Azithromycin 500 mg, Clarithromycin 500 mg oder Doxycyclin 100 mg als einmalige Erwachsenendosis. Cephalosporine sind bei früherer Anaphylaxie, Angioödem oder Urtikaria unter Penicillin beziehungsweise Ampicillin nicht geeignet. Doxycyclin erfordert besondere Beachtung von Schwangerschaft und Alter; Makrolide können relevante QT- und Arzneimittelinteraktionen verursachen.
Clindamycin wird in den aktuellen AHA-Empfehlungen für die dentale Endokarditisprophylaxe nicht mehr empfohlen. Der Grund ist unter anderem das ungünstige Nebenwirkungsprofil einschließlich des Risikos einer Clostridioides-difficile-Infektion.
Die Prophylaxe wird vor dem Eingriff gegeben. Wurde eine eigentlich indizierte Gabe versehentlich vergessen, beschreiben AHA-basierte Empfehlungen eine nachträgliche Gabe bis zu zwei Stunden nach dem Eingriff; dies ist eine Ausnahmelösung, kein geplantes Standardvorgehen.
Besteht bereits eine aktive odontogene Infektion, ersetzt eine prophylaktische Einzeldosis weder Herdsanierung noch eine gegebenenfalls erforderliche vollständige therapeutische Antibiotikastrategie. Wenn der Patient bereits ein Antibiotikum derselben Wirkstoffgruppe einnimmt, kann eine andere geeignete Klasse notwendig sein.
Herzschrittmacher und ICD in der Zahnarztpraxis
Ein Herzschrittmacher unterstützt einen zu langsamen oder gestörten Herzrhythmus. Ein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator, ICD, kann gefährliche ventrikuläre Tachyarrhythmien erkennen und behandeln. Für die Planung sind Geräteart, Grunderkrankung, Implantationszeitpunkt, Beschwerden und mögliche Schrittmacherabhängigkeit bedeutsam.
Gewöhnliche zahnärztliche Maßnahmen, viele Ultraschallgeräte und Standardinstrumente sind bei modernen Systemen häufig möglich. Das Risiko elektromagnetischer Interferenz hängt jedoch von Gerätetyp, Abstand und eingesetzter Technik ab. Besondere Vorsicht ist bei monopolarer Elektrochirurgie und energiereichen elektrischen Verfahren geboten; bipolare Verfahren und ausreichender Abstand sind häufig günstiger.
Bei komplexen Geräten, klinischer Schrittmacherabhängigkeit oder geplantem elektrochirurgischem Eingriff erfolgt Rücksprache mit der behandelnden Kardiologie und gegebenenfalls dem Gerätehersteller. Ein Magnet darf nicht routinemäßig oder unkontrolliert auf einen ICD gelegt werden, weil Gerätefunktionen verändert werden können.
Wichtig: Schrittmacher oder ICD allein begründen keine antibiotische Endokarditisprophylaxe. Bei Reanimationsbedarf darf ein AED verwendet werden; Defibrillationselektroden werden nicht direkt auf dem sicht- oder tastbaren Aggregat platziert.
Lokalanästhesie mit Adrenalin bei Herzpatienten
Adrenalin ist bei kardiovaskulären Erkrankungen nicht grundsätzlich verboten. Es verbessert die Anästhesietiefe, verlängert die Wirkung und vermindert lokale Blutungen. Eine unzureichende Anästhesie kann durch Schmerz und Angst eine erhebliche körpereigene Katecholaminfreisetzung auslösen.
Bei stabilen Patienten kann eine geringe, bewusst berechnete Adrenalindosis sinnvoll sein. Wichtiger als das pauschale Wort „Adrenalin“ sind Wirkstoffkonzentration, Anzahl und Volumen der Karpulen, langsame fraktionierte Injektion und sorgfältige wiederholte Aspiration.
Besondere Zurückhaltung ist erforderlich bei instabiler Angina, frischem kardialem Ereignis, schwerer unkontrollierter Hypertonie, relevanten symptomatischen Arrhythmien, dekompensierter Herzinsuffizienz und bestimmten Arzneimittelinteraktionen. Diese Konstellationen betreffen jedoch vor allem die Frage, ob eine elektive Behandlung überhaupt stattfinden darf.
Für ausgewählte kurze Eingriffe kann ein Lokalanästhetikum ohne Vasokonstriktor geeignet sein. Gleichzeitig dürfen kürzere Wirkdauer, unzureichende Tiefe und wiederholte Nachinjektionen nicht unterschätzt werden. Adrenalingetränkte Retraktionsfäden sind bei relevanten Herz-Kreislauf-Erkrankungen besonders kritisch zu bewerten.
Adrenalindosis bei Herzpatienten korrekt berechnen
Für Erwachsene mit relevanter, aber stabiler kardiovaskulärer Erkrankung wird als vorsichtige Orientierung häufig eine maximale Adrenalindosis von 0,04 mg entsprechend 40 µg pro Sitzung genannt. Diese Größe ist kein universeller Grenzwert und keine Freigabe für instabile Patienten.
| Konzentration | Adrenalin je Milliliter | Karpule 1,7 ml | Karpule 1,8 ml | Orientierung bei 40 µg |
|---|---|---|---|---|
| 1:200.000 | 5 µg/ml | 8,5 µg | 9 µg | Bis etwa vier Karpulen: 34–36 µg |
| 1:100.000 | 10 µg/ml | 17 µg | 18 µg | Bis etwa zwei Karpulen: 34–36 µg |
| 1:50.000 | 20 µg/ml | 34 µg | 36 µg | Bereits eine Karpule liegt nahe an 40 µg |
Die Rechnung lautet: Adrenalinmenge in µg = Konzentration in µg/ml × tatsächlich appliziertes Volumen in ml. Konzentration und Karpulengröße müssen auf dem verwendeten Präparat kontrolliert werden. Bei Kindern, niedrigem Körpergewicht oder besonderen klinischen Risiken gelten zusätzliche Grenzen des Lokalanästhetikums und individuelle ärztliche Vorgaben.
Die maximale Dosis des Lokalanästhetikums selbst, beispielsweise abhängig von Articain, Körpergewicht und Fachinformation, wird unabhängig von der Adrenalinrechnung berücksichtigt.
Wichtige Wechselwirkungen kardiologischer Medikamente
| Medikation oder Gruppe | Mögliches Problem | Praktische Konsequenz |
|---|---|---|
| Nichtselektive Betablocker und Adrenalin | Ausgeprägtere Blutdruckreaktion mit reflektorischer Bradykardie möglich | Geringe Dosis, langsame Injektion, Aspiration und individuelle Abwägung |
| ASS, P2Y12-Hemmer oder orale Antikoagulanzien plus NSAR | Erhöhtes Blutungsrisiko; zusätzliche gastrointestinale Belastung | Alternative Analgesie bevorzugen und Risiken individuell prüfen |
| Phenprocoumon/Warfarin plus bestimmte Antibiotika oder Azolantimykotika | Verstärkte Antikoagulation und ansteigender INR möglich | Interaktionen prüfen und gegebenenfalls INR-Kontrolle abstimmen |
| Makrolide und rhythmus- oder stoffwechselrelevante Medikamente | QT-Verlängerung, CYP-Interaktionen und Wirkspiegelerhöhung möglich | Fachinformation, Begleitmedikation und kardiale Vorgeschichte beachten |
| Nitrate und PDE-5-Hemmer | Gefährlicher Blutdruckabfall | Nitratgabe vor Anwendung ausdrücklich auf Kontraindikationen prüfen |
| Kalziumantagonisten, besonders Dihydropyridine | Gingivawucherung möglich | Parodontale Mitbetreuung und ärztliche Abstimmung bei ausgeprägtem Befund |
| Diuretika und andere Antihypertensiva | Xerostomie, orthostatische Hypotonie, teilweise Elektrolytverschiebungen | Langsames Aufrichten und risikoadaptierte Mundgesundheitsprävention |
| ACE-Hemmer | Husten; selten potenziell bedrohliches Angioödem | Zungen-, Lippen- oder Rachenschwellung mit Atemwegsrisiko als Notfall behandeln |
Auch trizyklische Antidepressiva, bestimmte Sympathomimetika, Stimulanzien und eine nicht kontrollierte Hyperthyreose können die Bewertung von Vasokonstriktoren verändern. Maßgeblich sind immer aktuelle Fachinformationen und der vollständige Medikationsplan.
Schmerzmittel und Antibiotika bei Herzpatienten
NSAR können Blutdruck, Nierenfunktion und Flüssigkeitsretention ungünstig beeinflussen. Bei Herzinsuffizienz, koronarer Erkrankung, fortgeschrittener Niereninsuffizienz oder kombinierter antithrombotischer Therapie ist deshalb besondere Vorsicht erforderlich.
Diclofenac ist bei bestehender ischämischer Herzerkrankung, zerebrovaskulärer Erkrankung, peripherer arterieller Verschlusskrankheit und Herzinsuffizienz problematisch beziehungsweise kontraindiziert. Es darf nicht als unkritisches Standardanalgetikum für den kardialen Risikopatienten verwendet werden.
Ibuprofen kann bei ungünstigem Einnahmezeitpunkt die kardioprotektive Wirkung niedrig dosierter ASS beeinträchtigen und zusätzlich das Blutungsrisiko erhöhen. Eine präzise sichere zeitliche Trennung ist insbesondere bei wiederholter Einnahme nicht immer trivial.
Paracetamol ist in geeigneter Dosierung häufig eine praktikable Alternative, sofern Leberfunktion, Alkoholgebrauch, Gesamtmedikation und maximale Tagesdosis berücksichtigt werden. Wiederholte höher dosierte Gabe kann bei Vitamin-K-Antagonisten ebenfalls relevant sein.
Bei Antibiotika können unter anderem Metronidazol, Makrolide und Azolantimykotika die Wirkung von Vitamin-K-Antagonisten beeinflussen. Clarithromycin kann darüber hinaus mit ausgewählten Statinen, Kalziumantagonisten und anderen Medikamenten interagieren. Eine Verordnung erfolgt deshalb wirkstoffbezogen, nicht lediglich nach dem Hinweis „Penicillinallergie“.
Pulmonale Hypertonie, Kardiomyopathie, Schlaganfall und SGLT2-Hemmer
Pulmonale Hypertonie und Rechtsherzinsuffizienz
Patienten mit relevanter pulmonaler Hypertonie oder eingeschränkter rechtsventrikulärer Funktion können Hypoxie, Stress, Hypotonie und bestimmte Sedierungen schlecht tolerieren. Eingriffsplanung und Behandlungsort richten sich nach Schweregrad, Sauerstoffbedarf, Belastbarkeit und fachärztlicher Rücksprache.
Hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie
Bei einer dynamischen linksventrikulären Ausflussbehinderung können Tachykardie, Volumenmangel und ungünstige hämodynamische Veränderungen die Obstruktion verstärken. Ausgeprägte Stressreaktionen und unbedachte Vasokonstriktor- oder Kreislaufmedikation erfordern besondere Vorsicht.
Schlaganfall und transitorische ischämische Attacke
Nach Schlaganfall oder TIA werden Ereigniszeitpunkt, residuale neurologische Ausfälle, Blutdruck und antithrombotische Sekundärprävention berücksichtigt. Neu aufgetretene Gesichtslähmung, Armschwäche oder Sprachstörung erfordern sofortige Alarmierung über 112; der Zeitpunkt des Symptombeginns wird dokumentiert.
SGLT2-Hemmer und perioperatives Fasten
SGLT2-Hemmer werden nicht nur bei Diabetes, sondern auch bei Herzinsuffizienz eingesetzt. Bei größeren Operationen mit Nüchternheit, Allgemeinanästhesie oder relevanter metabolischer Belastung kann eine rechtzeitige Pause erforderlich sein, um das Risiko einer euglykämischen Ketoazidose zu vermindern.
Diese Empfehlung darf nicht automatisch auf einen kurzen ambulanten Zahneingriff unter Lokalanästhesie bei normaler Nahrungsaufnahme übertragen werden. Veränderungen erfolgen nach individueller Beurteilung mit der verordnenden medizinischen Stelle.
Orthostatische Beschwerden
Nach längerer Behandlung wird der Stuhl schrittweise aufgerichtet. Besonders ältere Patienten, Menschen mit autonomer Dysfunktion oder Personen unter Antihypertensiva beziehungsweise Diuretika können beim abrupten Aufstehen symptomatisch werden.
Ambulant behandeln, Rücksprache halten oder klinisch überweisen?
| Situation | Typisches Vorgehen | Entscheidende Sicherheitsmaßnahmen |
|---|---|---|
| Stabile Erkrankung, gute Belastbarkeit, kleiner Eingriff | Häufig ambulante Versorgung | Anamnese, Blutdruck, ausreichende Anästhesie, Medikation und lokale Blutstillung |
| Stabile, aber komplexe KHK, DAPT, mechanische Klappe oder NYHA III | Gezielte Rücksprache und individualisierte ambulante beziehungsweise klinische Planung | Indikation der Antithrombotika klären, keine Eigenpause, Eingriff begrenzen |
| Frischer Stent oder frisches akutes Koronarsyndrom ohne akute Beschwerden | Elektive Eingriffe zurückstellen; dringliche Eingriffe kardiologisch abstimmen | Antithrombotische Therapie schützen und Infektionsdringlichkeit angemessen bewerten |
| Ruheangina, schwere Dyspnoe, Kreislaufinstabilität oder neurologische Ausfälle | Keine elektive Behandlung; Notfallversorgung | ABCDE, 112, Monitoring und geeignete Lagerung |
| Bedrohliche odontogene Infektion bei kardialem Hochrisiko | Klinische interdisziplinäre Behandlung | Atemweg, Herdkontrolle, Kardiologie, Anästhesie und Antithrombotika koordinieren |
Eine schwere odontogene Infektion darf nicht unbegrenzt verschoben werden, nur weil der Patient kardial vorerkrankt ist. Bei drohender Ausbreitung oder Atemwegsgefährdung wird nicht zwischen „Zahnproblem“ und „Herzproblem“ gewählt: Beide Risiken werden gemeinsam in einer geeigneten Einrichtung behandelt.
Praktischer Algorithmus bei akuter kardiovaskulärer Verschlechterung
- Eingriff beenden: Instrumente entfernen, Mundraum freimachen und Hilfe im Praxisteam organisieren.
- ABCDE prüfen: Atemweg, Atmung, Kreislauf, neurologischer Zustand und erkennbare Begleitbefunde systematisch beurteilen.
- Notruf frühzeitig auslösen: Bei Brustschmerz mit ACS-Verdacht, schwerer Atemnot, Schlaganfallzeichen, Bewusstseinsstörung oder Kreislaufinstabilität 112 alarmieren.
- Geeignet lagern: Bei Atemnot häufig aufrecht beziehungsweise halb sitzend; bei Kreislaufkollaps situationsabhängig flach, sofern keine schwere Atemnot entgegensteht.
- Vitalfunktionen überwachen: Blutdruck, Puls, Atemfrequenz und Sauerstoffsättigung soweit verfügbar erfassen; Veränderungen dokumentieren.
- Notfallmaterial bereitstellen: AED, Sauerstoff bei entsprechender Indikation und verordnete beziehungsweise protokollgerecht eingesetzte Notfallmedikation vorbereiten.
- Bei Kreislaufstillstand reanimieren: Bei fehlender normaler Atmung sofort Herzdruckmassage beginnen und den Anweisungen des AED folgen.
- Strukturiert übergeben: Ereignisbeginn, kardiale Vorerkrankungen, Medikamente, Antikoagulation, Vitalwerte und bisherige Maßnahmen dem Rettungsdienst mitteilen.
Notfallmanagement setzt regelmäßige Teamtrainings, überprüfte Notfallausrüstung und klare Zuständigkeiten voraus. Ein im Schrank vorhandener AED ersetzt keine eingespielte Reanimationsorganisation.
Klinische Fallbeispiele für Kenntnisprüfung und Praxis
Fall 1: Stent vor drei Wochen und schmerzhafter Zahn
Ein Patient nimmt ASS und Ticagrelor nach akutem Koronarsyndrom ein. Eine elektive umfangreiche Sanierung wird verschoben. Bei dringlicher Infektion wird mit der Kardiologie abgestimmt, ob eine kleine atraumatische Behandlung unter fortgesetzter DAPT und konsequenter lokaler Blutstillung möglich ist. Ein eigenständiges Absetzen der Medikamente wäre gefährlich.
Fall 2: Blutdruck 176/104 mmHg bei starken Zahnschmerzen
Der Wert wird nach angemessener Ruhe und korrekter Messung überprüft. Liegen keine Thoraxschmerzen, neurologischen Symptome oder Dyspnoe vor, ist dies nicht automatisch ein hypertensiver Notfall. Eine dringliche schmerzbeseitigende Maßnahme kann nach individueller Bewertung und Blutdrucküberwachung sinnvoll sein; eine elektive längere Operation wird eher verschoben.
Fall 3: Mechanische Aortenklappe, Phenprocoumon und Extraktion
Es werden Klappenausweis, Indikation und aktueller INR geprüft. Bei einem geeigneten INR und überschaubarem Eingriff wird die Antikoagulation häufig fortgeführt und eine sichere lokale Blutstillung vorbereitet. Zusätzlich ist wegen der Klappenprothese und der geplanten Extraktion eine geeignete Endokarditisprophylaxe zu prüfen.
Fall 4: Herzschrittmacher und professionelle Zahnreinigung
Ein implantierter Herzschrittmacher allein bedeutet weder automatisches Verbot gewöhnlicher Dentalgeräte noch eine routinemäßige antibiotische Endokarditisprophylaxe. Geräteart und geplantes Verfahren werden berücksichtigt; besondere Vorsicht gilt energiereicher Elektrochirurgie und unklarer Schrittmacherabhängigkeit.
Fall 5: Luftnot beim Zurücklegen des Behandlungsstuhls
Die Patientin berichtet neu aufgetretene Orthopnoe und zunehmende Beinödeme. Die elektive Extraktion wird nicht begonnen. Die Situation wird als mögliche kardiale Dekompensation bewertet; bei ausgeprägter Ruhedyspnoe erfolgt die Notfallalarmierung.
Fall 6: Apixaban und der Wunsch nach einer INR-Kontrolle
Der INR beurteilt die Wirkung von Apixaban nicht zuverlässig. Stattdessen werden letzte Einnahme, Dosierung, Nierenfunktion, Eingriffsrisiko und Thromboembolierisiko erhoben. Bei geringem Blutungsrisiko kann die Medikation häufig unverändert fortgeführt werden.
Fall 7: Herzklappenprothese und angegebene Penicillinallergie
Vor der Extraktion wird die Art der allergischen Reaktion erfragt. Bei früherer Anaphylaxie oder Urtikaria werden Cephalosporine nicht verwendet. Eine geeignete Alternative wie Azithromycin wird unter Berücksichtigung von QT-Risiko, Interaktionen und Fachinformation geprüft. Clindamycin ist keine empfohlene Standardalternative für die Endokarditisprophylaxe.
Fall 8: Stabile KHK und Articain 1:100.000
Bei einer 1,8-ml-Karpule enthält das Präparat 18 µg Adrenalin. Zwei Karpulen ergeben 36 µg und liegen unter der häufig verwendeten vorsichtigen Orientierung von 40 µg. Dennoch werden Aspiration, langsame Injektion, aktuelle Stabilität und die maximale Lokalanästhetikadosis berücksichtigt.
Häufige KP-Fragen zu kardiovaskulären Risikopatienten
Wann darf ein Herzpatient ambulant zahnchirurgisch behandelt werden?
Welche Befunde schließen eine elektive Routinebehandlung aus?
Warum ist eine ausreichende Lokalanästhesie bei KHK wichtig?
Ist Adrenalin bei Herzpatienten grundsätzlich verboten?
Welche Adrenalinmenge gilt häufig als vorsichtige kardiale Orientierung?
Wie viel Adrenalin enthält eine 1,8-ml-Karpule 1:100.000?
Warum darf eine duale Plättchenhemmung nach Stent nicht eigenständig beendet werden?
Braucht jeder Patient mit Koronarstent eine Endokarditisprophylaxe?
Gilt nach jedem Stent ein absolutes zahnärztliches Operationsverbot für zwölf Monate?
Für welche Antithrombotika ist der INR geeignet?
Welchen INR nennt die SDCEP als Grenze für viele dentale Eingriffe unter VKA?
Müssen DOAK vor jeder Extraktion für mehrere Tage abgesetzt werden?
Ist ein Heparin-Bridging vor jeder Zahnextraktion sinnvoll?
Welche Patienten gehören zu den wichtigsten Endokarditis-Hochrisikogruppen?
Wann ist ein dentaler Eingriff für die Endokarditisprophylaxe relevant?
Wie lautet das typische Amoxicillin-Schema bei Erwachsenen?
Ist Clindamycin weiterhin die Standardalternative bei Penicillinallergie?
Benötigt ein Patient mit Herzschrittmacher routinemäßig Antibiotika vor Zahnreinigung?
Wie unterscheidet sich ein hoher Blutdruck von einem hypertensiven Notfall?
Ist 150/95 mmHg automatisch ein Grund, jede Zahnbehandlung abzubrechen?
Welche Zeichen sprechen für eine dekompensierte Herzinsuffizienz?
Warum ist Diclofenac bei vielen Herzpatienten problematisch?
Was ist bei Ibuprofen und niedrig dosierter ASS zu beachten?
Darf ein AED bei implantiertem Schrittmacher oder ICD benutzt werden?
Was bedeutet eine Synkope bei schwerer Aortenstenose?
Darf eine schwere odontogene Infektion wegen eines frischen Stents einfach verschoben werden?
Prüfungsreife Gesamtantwort: „Vor einer zahnchirurgischen Behandlung beurteile ich Diagnose, aktuelle kardiovaskuläre Stabilität, funktionelle Belastbarkeit, Medikation und Eingriffsrisiko. Bei stabilen Patienten sind kurze, schmerzarme Eingriffe häufig ambulant möglich. Antithrombotika setze ich nicht eigenständig ab, sondern plane eine lokale Blutstillung und gegebenenfalls fachärztliche Rücksprache. Endokarditisprophylaxe erfolgt nur bei definierter Hochrisikokonstellation und passendem Eingriff. Bei Ruheangina, akuter Atemnot, neurologischen Ausfällen oder hämodynamischer Instabilität hat die Notfallversorgung Vorrang.“
Leitlinien, Quellen und Gültigkeitsgrenzen
Dieses Kapitel ist eine eigenständig formulierte, prüfungsorientierte fachliche Darstellung. Es ersetzt keine individuelle ärztliche Entscheidung, keine aktuelle Fachinformation und keine lokale SOP. Internationale Empfehlungen wurden auf ihren klinischen Gehalt geprüft; länderspezifische Dosierungen, Zulassungen und Behandlungsabläufe sind im Einzelfall gesondert zu kontrollieren.
- American Dental Association: Hypertension: dental management, blood-pressure thresholds and vasoconstrictors.
- American Dental Association: Antibiotic Prophylaxis Prior to Dental Procedures.
- American Heart Association: Infective Endocarditis: prevention and cardiac risk conditions.
- American Dental Association: Oral Anticoagulant and Antiplatelet Medications and Dental Procedures.
- Scottish Dental Clinical Effectiveness Programme: Warfarin or another vitamin K antagonist: INR and dental procedures.
- Scottish Dental Clinical Effectiveness Programme: Direct oral anticoagulants: treatment recommendations.
- American College of Cardiology: Perioperative Cardiovascular Evaluation and Management.
- American College of Cardiology: 2024 AHA/ACC Perioperative Cardiovascular Management Guideline: Key Points.
- American Heart Association: 2025 Guideline for the Management of Patients With Acute Coronary Syndromes.
- American Heart Association: Devices That May Interfere With ICDs and Pacemakers.
- European Society of Cardiology: Clinical Practice Guidelines: Endocarditis.
- AWMF-Leitlinienregister: Zahnärztliche Chirurgie unter oraler Antikoagulation beziehungsweise Thrombozytenaggregationshemmung; aktuellen Registerstatus beachten.
- AWMF-Leitlinienregister: Zahnärztliche Sanierung vor Herzklappenersatz; aktuellen Registerstatus beachten.
- Scottish Dental Clinical Effectiveness Programme: Cardiac emergencies: angina and myocardial infarction.
- European Resuscitation Council: ERC Guidelines 2025: cardiopulmonary resuscitation.
- Resuscitation Council UK: Quality Standards: Primary Dental Care.
- U.S. Food and Drug Administration: Information about Taking Ibuprofen and Aspirin Together.
- Scottish Dental Clinical Effectiveness Programme: Diclofenac: cardiovascular contraindications and cautions.
Redaktion: Zahnarztprüfung.de. Fachlicher Stand: 21. August 2026. Geltungsbereich: Erwachsenenmedizin und zahnärztliche Kenntnisprüfung; gewichtsbezogene Dosierungen bei Kindern sowie Schwangerschaft, Organinsuffizienz, Allergie und lokale Zulassungen erfordern eine separate Prüfung. Urheberrecht: Sämtliche Erläuterungen, klinischen Beispiele, Tabellen und Formulierungen wurden eigenständig erstellt; verlinkte Originalleitlinien und geschützte Materialien verbleiben bei ihren jeweiligen Rechteinhabern.